Kurzmitteilung

Woche V | Zwischenruf

Vorgestern war Elternversammlung beim Lütten (3. Klasse). Ich habe mich besonders gefreut, dass das freie Schreiben dort so erwünscht ist. Die Kinder schreiben Geschichten und eigene Gedanken, Empfindungen. Lesen den anderen vor. Inspirieren sich gegenseitig mit Ideen. Ermutigen sich zum Selbstausdruck. Lernen die Tricks, mit denen man sein Publikum fesseln kann… Das ist meinen beiden Großen nie möglich gewesen im Rahmen von Schule. Dabei wäre das so wichtig, um z.B. als Schülersprecherin formulieren zu können, was einem auf dem Herzen liegt.
Heute abend ist Schulelternrat am Gymnasium. Ich möchte mit einer Anregung hingehen, einem Gleichnis, das zum Ausdruck bringt, wie ein Mensch durch Erziehung und Belehrung von seinem Selbstaufbau abgehalten wird, schwer dabei behindert oder gar sein Werk immer wieder zerstört wird. Ich will mit Legosteinen und Baugerüst sichtbar machen, was ich meine. Das Foto dazu liefere ich dann gerne auch hierher.

11 Stunden später

Ja, ich mach’s wieder. Und dieses Mal habe ich etwas mehr Unterstützung von den anderen Elternvertreter*innen. Schonmal daran zu sehen, dass nach 2,5 Stunden immernoch keiner demonstrativ auf die Uhr sah… Mal im Ernst: Zwar sind alle etwas zurückhaltend, es kommt ja auch was zu tun auf einen zu. Zumindest Termine und Zeit sie wahrzunehmen. Es ist keiner dabei, der leichtfertig ja sagt und dann schmerzfrei einfach fehlt. Aber wenige haben bisher die Erfahrung machen können, dass dieses Hobby etwas bringt. Denn als Ehrenamt wird es vielfach auch nicht gesehen, eher als lästige Verpflichtung. Ist wohl auch ein Erbe aus den scheindemokratischen Sozialismus-Zeiten. (Ist das im Westen auch so?) Natürlich ist der Grad der Einflussnahme begrenzt, aber ich kann wenigstens sagen, ich habe es versucht. Also sagte ich den anderen, dass es in unserer Hand liegt, was wir aus unseren Treffen machen.
Mein Gleichnis für das selbständige Lernen/Hilfen zur Eigenkonstruktion/Erziehung habe ich nicht in die Runde gebracht, aber im Anschluss mit dem Schulleiter angesprochen. Ich bin sehr glücklich, dass er sich interessiert anhört, was ich zu sagen habe!
Nun, das soll’s zunächst gewesen sein. Es wird ja Weiteres zu berichten geben.

Woche V | Montag, 28.09.2015

Nun sind sie wieder alle fort. Einige Stunden nach dem „Blutmond“, den sie natürlich schlafend erlebt haben. Von dem sie theoretisch oder bei den Geschichten um Aang, den Avatar, erfahren werden/haben. Schule ist wichtiger als das echte Leben. Wo kämen wir hin?
Für die wichtigen Dinge lohnt es sich ausgeschlafen zu sein. Also kein Mondspektakel gucken.
Unser Wochenende war reich an Unternehmungen, wir haben viel mit Menschen und miteinander zu tun gehabt – Gäste haben, eine japanische Teezeremonie kennenlernen, einen Geburtstag feiern, ein Flüchtlings-Willkommen, ein Erntedankfest, eine Musiker-Begegnung wie sie lebendiger nicht sein könnte (lauter Leute, die so noch nie miteinander geprobt haben, und ein Klangerlebnis hinzauberten wie eine Wanderung durch Wald und Feld, nach Lust und Laune). Im herrlichsten Sonnenwetter Motorradfahren üben, Rad fahren, Pilze sammeln. Ich allerdings habe mich, nachdem Feiern und liebe Gäste gut überstanden waren, am Sonntag Mittag „nur kurz“ hingelegt und von dem ganzen Sonntagszauber nur die letzten Ausläufer vor dem Abendbrot mitbekommen. Wir schlossen mit „Shaun, der Film“ das Programm und fanden kurz vor dem Schlafengehen noch ein paar Hausaufgaben vor…
Tatsächlich von Freitag auf Montag aufgegeben. McFlitz würde also unverrichteter Dinge in die neue Woche starten. Auch Oishi-Kawaii darf sich auf eine Woche mit täglichen Leistungstests freuen, was ihr natürlich immernoch zu schaffen macht. Und damit auch mir wieder Begleitungsaufgaben liefert. Ich muss argumentieren und trösten und den Pädagog*innen Briefchen schreiben für meine beiden Kleinen. Jedenfalls für McFlitz. Das Wochenende sollte HA-frei sein! Wirklich frei zur selbstbestimmten Verwendung. Zum tief-Durchatmen und frohsinnigen Spiel/Kreativsein/Herumströpen/Bauen… Nun, es ist eine Entscheidung, das kann man auch mit HA haben. Die ignoriert man einfach genauso, wie die Schule ignoriert, dass mensch selbstregulierend auch einen eigenen Lerndrang hat, aus dem Bedürfnis nach Verständnis heraus. Und dass mensch immer das Nötige und Mögliche lernt. Und in einer ignoranten Gleichschrittsschule stolpern MUSS – bei aller Liebe und Rücksichtnahme, weil eben nicht in seinem eigenen Rhythmus und Tempo und von innen heraus bewegt. Und dass es manchmal bedeutet, dass mensch die übergriffigen Forderungen Anderer abwehren muss. Die dann eingeschnappt-vorwurfsvoll behaupten, es wäre doch zu menschen’s Bestem gedacht.
Oishi-Kawaii bekommt von mir die Ermutigung zur Lücke. Natürlich ist mir wichtig, dass sie sich in der Welt auskennt, zu denken lernt und sich den wichtigen Dingen stellt. Sie darf sich also gegen die Angstpaukerei entscheiden. Ich bin nicht böse auf sie über schlechte Noten. Ich spüre nur die Verletzungen der gequälten Seele, die ständig von außen gezogen und geschoben wird und sich weigert einzusehen, dass manche Menschen eben nicht so auf sie achten wie die eigenen Eltern. Ist vielleicht auch unsere Aufgabe, das mal deutlich zu machen und unsere Kinder dazu anzuleiten unterscheiden zu lernen. Das Gegenteil von „gut“ ist „gut gemeint“ (also ohne den Anspruch, die Wirkungen zu überprüfen und das Vorgehen anzupassen). Es geht eben nicht wirklich um die Kinder.
Kkumhada, meine Große „macht ihr Ding“. Sie schöpft aus der Quelle der Begeisterung für ihre Motorradfahrschule. Sie ist mit eigenen Zielen unterwegs und räumt sich ohne weiteres auch Kursänderungen ein. Sie kann inzwischen ganz gut „trotzdem“ lernen, wenn ihr eine Lehrperson unsympathisch ist, und sich auf diese Weise differenzierter auf Herausforderungen einlassen, sich für Gegebenes öffnen. Das geht erst ab einem bestimmten Reifegrad, sicherlich auch abhängig vom Hormonhaushalt und dem Stand der Pubertät – wie weit kann sich das Kind schon lösen und „den Rest der Welt“ auf sich beruhen lassen oder so ins Verhältnis setzen, wie es das Gebet ersehnt: …gib mir die Kraft zu ändern …, die Geduld hinzunehmen …, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden…
Ich merke schon, es geht immer wieder ums Unterscheiden. Immer wieder Aschenbrödel. Die Guten ins Töpfchen.
Also: statt „Lasst die Kinder endlich in Ruhe lernen!“ und strampelnd drauf zu warten, dass es wahr werde, selbst sortieren und mit einem „Machen wir das Beste draus!“ das Nötige und Mögliche lernen. Hier wohl: selbst entscheiden und die Folgen tragen. Sei es Verweigerung, Flucht nach vorn oder Mitwirkung in Kritik oder Einverständnis. Ich wähle eine Mischung aus allen dreien. Und wenn ich mutig genug bin, kann ich vielleicht sogar unmittelbar (direkt und mündlich) mit den Bildungsmachenden ins Gespräch treten und für das Verständnis sorgen, dessen es bedarf, um wirklich etwas zu verändern. Bis dahin erlaube ich meinen Kindern, in Ruhe zu lernen und sich von der Schule nicht stören zu lassen…

Woche IV | Freitag, 25.09.2015

Ich schreibe, bevor der Tag losgeht, ich weiß also noch nicht, was mich später am Frühstückstisch erwarten wird, ob alle gesund sein werden. Bisher verlief diese Woche jedenfalls weitgehend „gesund“. Ich habe mein Kopfschmerzkind eindringlich instruiert, dass es diese Tests und Klassenarbeiten nicht allzu ernst nehmen darf, zumal auch niemand danach fragt, ob sie sich bereit dafür fühlt. Es geht nur um den Plan, nicht um die Kinder.
Auch in der freien Schule von McFlitz geht es um den Plan, immerhin wird er nicht mit Noten traktiert, sondern kann die Tests als Möglichkeit wahrnehmen zu schauen, wie weit er kommt. Seinen Stand der Dinge im Vergleich zum Jahrgangsziel zu ermitteln, ist ihm nicht wichtig, aber wenn er nicht alles fertigstellt in der gegebenen Zeit, dann wird ihm das nicht einfach kurz und knapp quittiert, sondern es gibt ausführlichere Gespräche über Notwendigkeiten, um Verständnis herzustellen und seine Ziele neu zu stecken, wenn nötig. Z.B. gab es im vergangenen Schuljahr diese Tests zu den Malfolgen, die zutage förderten, das mein Kind alles richtig rechnet, nur eben nicht so schnell. Die Schnelligkeit hatte für ihn noch keinen Sinn gemacht, also wurde sie auch nicht zum Übungsziel.
Meine Große geht ihren Weg. Sie weiß noch nicht, was sie nach dem Abi machen will. Ich schlage ihr immer vor, ein Handwerk zu lernen, das ist eine Art Erdung, ein Fundament, damit ein Studium -wie bei mir- nicht so abgehoben obendrauf jegliche Verbindung zur Wirklichkeit vermissen lässt und damit nicht in die Praxis führt. Das kann bei ihr natürlich ganz anders sein.
Ich vermisse immer ein bisschen das Gespräch mit meiner Großen, werde nicht so recht vertraut. Kurze Mitteilungen und dann weiter. Bevor ich weiß, wie mir geschieht, ist der Kontakt schon wieder vorbei. Ich sitze gern einfach mal ein bisschen länger beieinander, auch ohne was zu sagen. (Aber auch ohne Smartphone oder Buch.) Nun ja, sonst gibt es nichts zu wünschen. Nur dass sie gesund bleiben möge auf dem Motorrad, jetzt bei der Fahrschule und danach…
Wir haben tatsächlich eine Woche erlebt, in der die Freizeit mal nicht der Genesung gewidmet werden musste. Danke!!! Ich habe dafür was getan: Bewusst die der Pflichterfüllung dienende Routine, die den Kindern genug Freizeit, Zeit für HA und für Schlaf sichern sollte, durch eine ganz gemütliche, undurchstrukturierte, gemeinsame Feierabend-Runde auf der Kuschelbank gebrochen. Vorher wie immer zusammen was essen, und dann eben nicht gleich in die nächsten Aufgaben oder jeder für sich in die Auszeit verabschieden, sondern zu einem Quassel-Symposium zusammenfinden. Mit offenem Ende. Und was soll ich sagen? Ich hatte ja im Stillen befürchtet, wenn ich das mache, läuft danach kein Haushalt mehr, weil die Erschöpfung eben die Oberhand bekommt. Weit gefehlt! Eine echte Leib- und Seelen-Tankstelle gefunden! Und mein ausgiebig kuschelnder McFlitz kann dann sogar viel selbständiger sein! Ganz von allein. In meine Oishi-Kawaii kommt Bewegung und Lust auf dies und das jenseits von Buch und Bildschirm. Und meine Kkumhada wird gesellig und gesprächig… Was hat mich nur in jene Pflichtenfalle gebracht??? Unmerklich bin ich hineingeglitten, mit jedem Versuch, den Nachmittag zu optimieren, ein Stückchen tiefer. Und habe nicht verstanden, dass gerade diese achtsame Planerei jedes Luftlöchlein verstopft hat, das uns mit ungleich erholsamerer Frischluft gestärkt hätte als der ausgebuffteste Wellnessplan. Auf ins Wochenende! Nach Lust und Laune. (Naja, einen Plan gibt’s diesmal schon wieder, wir bekommen Gäste… Aber es ist mehr ein Rahmen, mit Spielräumen. Und Kuschelbank!)

Kurzmitteilung

Werte,

die mir so wichtig sind, dass ich Alpträume von ihrem Verlust bekomme.
Unsere Welt ist schwer in Bewegung, Menschen aus anderen Kulturkreisen sind auf der Flucht vor Menschen mit wiederum anderer Kultur. Aus ideologischen Gründen dreschen sie auf andere, aufeinander ein. (Vielleicht mit dem stillen Einverständnis der Finanz- und Wirtschaftsheinis, die die Welt unter sich aufteilen und die schmutzige Arbeit dem „Pack“ überlassen. Hey Leute, kommt zur Besinnung!!! Ihr seid Puppen im Theater!)
Worum fürchte ich? Ich fürchte für mich als Frau und für meine Töchter, dass wir die Freiheit, mit der wir durch den Teil der Welt tanzen können, der das zulässt, verlieren könnten. Dass wir unsere Selbstbestimmung aufgeben müssen, die wir in unserer Familie und im Freundeskreis und in Deutschland und einigen anderen Gegenden leben können. Und dann sehe ich mich um: Es gibt auch hier genügend Beispiele von Gewalt gegen Frauen! Frauen, die still ertragen. Die sich nicht trauen, dagegen aufzubegehren. Die keinen kennen, der sie ermutigt, sich nicht alles gefallen zu lassen.
Da ist meine Angst wohl berechtigt. Wenn ich so ein seltenes Privileg habe. Und es nicht nutze, um auch anderen Frauen Teilhabe zu verschaffen.
Ich werde mir eine stärkere Basis schaffen, indem ich die gepeinigten Frauen ermutige! Indem ich mich mit anderen freien Frauen vernetze (unsere Freiheit fördert ja auch eine Individualgesellschaft ohne inneren Zusammenhalt, jedenfalls habe ich hier Nachholbedarf) Und diejenigen Männer würdige, die den Mumm haben, sich der vollen weiblichen Kraft und ihren Abgründen zu stellen, ohne sie fesseln, einsperren und quälen zu müssen! (So wie meiner :). Danke!)

Woche IV | Zwischenruf

Elternabend im Gymnasium. Ein kurzer Austausch über das Thema Klassenarbeiten. (Es werden weniger in diesem Schuljahr, damit wird der Belastung Rechnung getragen, die das für viele Kinder bedeutet, wenn sie Aussicht auf eine solche Kontrolle haben.) Eine Mutter ist erbost, dass es so wenige werden. Ich habe gestaunt, dass ich neuerdings innerlich ganz ruhig sein konnte. Ich habe gedacht: Wenn sie Druck für ihr Kind will, dann muss sie ihn schon selbst machen und diesen Dienst nicht von der Schule verlangen. Ich habe erzählt, wie es meiner Tochter geht mit der Aussicht auf Tests und Klassenarbeiten. Wie sie sich vorher quält und sich auch nicht auf die anderen Fächer richtig konzentrieren kann. Wie sie mit Kopfschmerzen darniederliegt und gar nichts vom Tag hat. Und dass ich möchte, dass sie einfach in Ruhe lernen dürfen soll und nach der Schule Zeit haben für ihre Hobbys.
(Unser Schulelternrat hatte dazu die Initiative ergriffen, einen entsprechenden Antrag an die Schulkonferenz gestellt und damit auch den Beobachtungen derjenigen Pädagog*innen Rückhalt gegeben, die achtsam unterrichten wollen.)
Ich bin wieder Elternvertreterin für die Klasse meiner Kopfschmerzerin. Nächste Woche ist Wahl im Schulelternrat. Ich setze mich ein für die Stärkung der Schülervertretung im Sinne eines Mitbestimmungsgremiums und werde auch weiter für achtsamen Umgang miteinander stehen (und den Elternaushang entsprechend gestalten). Dazu gehört für mich, dass aktiv gefragt wird, wie es den Kindern geht. Ich lade also zum Feedback ein. Laufend. Bin auch selbst viel vor Ort gewesen im vergangenen Schuljahr. Werde ich wieder machen, wenn ich kann. EHRENamtlich.

Woche IV | Montag, 21.09.2015

„Mama, wann gehst du arbeiten?“, fragt mich meine Oishi-Kawaii am Frühstückstisch und meint damit Erwerbstätigkeit. Ich sage, ich arbeite die ganze Zeit, nur dass ich eben kein Geld dafür bekomme. Der Stellenwert der Erwerbstätigkeit ist durch nichts zu toppen. Traurig, oder? Auch wenn ich bedenke, mit welchem Geiz sie entlohnt wird. Unsere Sparsamkeit führt dazu, dass wir uns die Arbeit unserer Nachbarn nicht leisten wollen/können(?), ganz zu schweigen unsere eigene!, und lieber die Menschen am anderen Ende der Welt für uns bluten lassen.

Jedenfalls, wenn wir Geld als einziges Tauschmittel betrachten und uns dann selbst nicht mehr einräumen füreinander zu arbeiten. Oder gar miteinander! Die Tomaten im Laden sind billiger als wenn ich sie selber im Garten ziehe. Ich könnte sie niemals verkaufen und Mindestlohn dafür erhalten.

Eine andere Sorge bedrückte sie schon gestern abend: Heute wird ein Test geschrieben in einem Fach, in dem sie wegen Krankheit nicht aktiv teilgenommen hatte, und also nur weiß, was sie durch Abschreiben der verpassten Inhalte aufnehmen konnte. Worum fürchtet mein Kind? Um sich selbst? Dass ihm Schlimmes widerfährt? Eine schlechte Note? Versagen? Droht vielleicht darüber hinaus Beschämung? Ich habe ihr gesagt, dass sie von uns nichts zu befürchten hat, dass ich eher sehe, wie die Schule mal wieder versagt, wenn sie die Kinder vor solche Aufgaben stellt, ihnen aber gleichzeitig nicht ausreichend Zeit zur Beschäftigung mit der Materie einräumt, eben bis auch mein Kind ein sicheres Gefühl hat, die Herausforderung meistern zu können. Es wird ungefragt getestet. Wie ein Objekt. Was bleibt mir sonst zu sagen? Ich versuche für Gelegenheiten zu sorgen, in denen meinem Kind die Erfahrung von Kompetenz möglich ist. In denen es sich als lebensfähig bestätigen kann, als in der Lage, es hinzukriegen. Wir brauchen dazu keine Tests. Wir merken es daran, ob es „hinhaut“.

McFlitz konnte gestern abend auch keine Ruhe finden. Er hatte noch kein Geburtstagsgeschenk und fühlte sich schlecht, so ganz ohne etwas in der Hand für seinen Papa. Ich kenne dieses Gefühl gut. Bei mir kommt noch dazu, dass ich unter allen meinen Ideen keine ausmachen kann, mit der ich einfach so zufrieden bin. Ich rede mir und McFlitz zu: das Wichtigste sind die guten Gefühle für einander. Die Achtung und Wertschätzung jeden Tag. Nimm deinen Papa doch einfach in den Arm und gib ihm ein Küsschen. Sag ihm, wie lieb du ihn hast. Plötzlich sprudeln die Ideen für weitere liebe Aufmerksamkeiten und wir könnten ohne weiteres einige Wochen lang ein Geschenk nach dem anderen hervorbringen… Er sagte, morgen in der Schule könnte er ja was für Papa machen. Ist das nicht ein Traum? Die Schule als Ort für wirklich relevante Arbeit? (Leider meinte er den Hort. Aber den Traum haben wir tatsächlich schon mal gelebt, bevor ich in der Erschöpfung landete.)

Kkumhada ist anscheinend ganz entspannt in die Woche gestartet. Sie hat noch immer einen guten Schutzschild um sich, durch den nur Sachen herein dürfen, die sie sich selbst ausgesucht hat. Und sie ist wählerisch. Ich hatte in der Vergangenheit wiederholt den beinahe unbezähmbaren Impuls, ihr ihren Eigensinn kräftig auszutreiben, konnte mich aber immer noch weitgehend beherrschen. Schließlich ist er der Schlüssel zu ihrer Unversehrtheit. Unverstörtheit. Jetzt sehe ich die Aufgabe darin, ein gutes Maß zu finden, die Öffnung so „einzustellen“, dass der Schild nicht zu einem Gefängnis werden muss oder seelische und geistige „Mangelernährung“ bewirkt, aber eben auch nicht alles einfach so hineinstürmen kann, was der Rest der Welt gerne mal loswerden will. Rapunzel wird in ihrem Turm nur mit dem „gefüttert“, was ihre Entführerin erlaubt, sie hungert nach der Welt draußen. Mein Kind schaut ebenfalls weit in die Ferne, wo es sich das wahre Leben erhofft. Habe ich es verloren? Wer ist seine eifersüchtige Bewacherin und meldet Ansprüche an/auf es an? Womit haben wir diese Ansprüche geweckt? Mit unserem Gelüst nach Früchten aus dem fremden Garten? Mit unserer Erwerbstätigkeit? Anstatt unseren eigenen Garten gut zu bestellen? Könnten wir es? Wüssten wir, wie es geht?
Vor uns liegt eine Woche, in der wir unseren eigenen Garten wieder hintanstellen werden: „Arbeiten gehen“, Hausaufgaben aus der Schule, Elternabend, Schulfest, Geburtstagsprogramm. (Echt jetzt??? Ja. Die Hoffnungen der Eltern erfüllen. Ich habe mich noch gar nicht gefragt, wie ich es eigentlich gern für meinen Liebsten machen würde!) Dann die Rehas: Abschalten, Essen und Reden, Schlafen. Eigener Garten: Tanzen, Chor, Fahrschule, wenn wir dafür nicht zu erschöpft sind. Spielen, Vorlesen, Bauen und Basteln wage ich gar nicht zu nennen. Das müssen die Kinder allein machen.

Woche III | Freitag, 18.09.2015

Gestern erstellte ich wieder eine statische Seite: Fachkräftemangel.

Und ich habe meine Oishii-Kawaii am Mittwoch wieder in die Schule geschickt. Die Nase läuft noch, der Husten ist locker, kein Fieber oder Kopfschmerzen. Das Kind gehört unter ihresgleichen. Ist es das geringere Übel oder das Beste für sie, das in der Schule zu finden? Dort gibt es nicht ihresgleichen, wenige mit ihren Interessen, wenn auch viele in ihrem Alter. Zu wenig Zeit für freies Miteinander. Auf jeden Fall kam sie beseelt nach Hause und war sehr zu Scherzen aufgelegt.

Die Rache für meinen Egoismus heißt Kopfschmerz. Meine Oishi-Kawaii kam dann gestern nach 7 Stunden Schule beschädigt nach Hause, geplagt davon, (noch) nicht zu wissen, worum es im Unterricht ging und nicht alles zu verstehen, weil sie einiges verpasst hatte durch Krankheit, und durch die Aussicht auf Tests. Sie musste ihren Chor ausfallen lassen, auf den sie sich so gefreut hatte.

Wie bin ich sauer auf diese Angst machende, druckbelastete Lernwelt!!! Kein Wunder, dass Kinder sich davor schützen wollen und ihre Motivation verlieren. Tests werden geschrieben ohne Rücksicht darauf, ob sie sich bereit dafür fühlen, der Lehrplan wird abgearbeitet ohne Rücksicht auf die Lernbedürfnisse der Kinder. Wenn der Stoff so wichtig ist, warum dürfen sie ihn sich dann nicht in aller Ruhe erschließen? Warum wird ihr Bedürfnis nach guten Ergebnissen andauernd so übergangen? Da kann ich die Bewertungen überhaupt nicht mehr für voll nehmen. Sie sind für den Eimer!

Wenn man wie ich alles als Lernsituation aufzufassen bereit ist, dann steckt hier auch das Potenzial für Vielfalt-Lernen drin. Die Anerkennung der eigenen Besonderheiten, weil auch alle anderen ihre „Macken“ haben. Etwas negativ? Ja, dem Zeitgeist entsprechend. Alles, was den Gleichschritt behindert, ist eben ein Fehler. Microsoft sei dank haben wir die Alternative jedoch schon auf dem Zettel: It’s not a bug, it’s a feature. So bekommen wir also obendrein noch die Herausforderung zu lernen, die Bewertung des Gleichschrittes kritisch zu sehen und ihre Bedeutung zu relativieren. Für die Kinder bleibt das Erlebnis ihrer selbst als unfähig.

Tja, wie war’s sonst? Alle drei Schutzbefohlenen also seit drei Tagen wieder „im Dienst“. Ich selbst habe mir erste Notizen zu meinem vielleicht zukünftigen Aufgabenfeld gemacht: eine recht frei unterrichtende Englischlehrerin in der Elternzeit zu vertreten und ihre Arbeit fortzusetzen. „Wie bringt man Kindern Englisch bei, die nicht machen müssen, was ich sage?“ habe ich mir seinerzeit als Herausforderung formuliert, als ich Offenen Unterricht in einer Grundschule begleitete. Wir haben daraufhin gemeinsam Fragen betrachtet wie „Warum ausgerechnet Englisch?“ oder „Warum eigentlich nicht?“ Ich kam für mich zu dem (Zwischen)Ergebnis, dass die Motivation der Kinder für diese Sprache ganz entscheidend dadurch geweckt wird, wie sie sich auf mich als Person einlassen können, wie sie selbst bereits den Nutzen des Englischkönnens erlebt haben und welches Material sie zur Verfügung bekommen, wie lebensnah sind die Lernanlässe. Spiele, Bild/Wort-Karten, Bücher mit CD, LieblingsDVD auf Englisch… Hauptsächlich natürlich die persönliche Interaktion während des Schultages. „English along the Way“ war einer meiner Arbeitstitel geworden und ich hatte ein Briefwechselprojekt mit ihnen in Angriff genommen.

Ja, dank meinen Kindern, dass sie in der Schule sind! So konnte ich außerdem auch meine innere Geschichtsbewältigung weiter voran bringen. Das braucht Ungestörtheit.

Die Große hatte viel Unterrichtsausfall, dadurch die Möglichkeit, einen Fahrschultermin auf den Morgen zu legen. Unterrichtsausfall sehe ich als Gestaltungsraum, als Glück. Er ist einfach zu selten, um sich konzeptionell darauf einzurichten, aber es geht schon was: Wie bei den Wartezeiten im öffentlichen Verkehr oder in Arztpraxen und Behörden kann man bei Unterrichtsausfall endlich dem Muße-Bedürfnis entsprechen. Oder dem nach selbstbestimmtem Lernen. Ich selbst habe immer Stift und Papier zur Hand, schreibe oder skizziere was, wenn ich genug Löcher in die Luft geguckt habe. Aber auch ein zu-Fuß-Gang an der frischen Luft gehört zu meinen Warte-Beschäftigungen, jedenfalls, wenn es eine feste Uhrzeit für den nächsten Termin, das „Dran-Sein“, gibt. Meine Große hängt auch nicht in der Luft, sie nutzt die Gestaltungsmöglichkeit.

Und McFlitz? Auch noch verschnupft, im Schonungsmodus lernend. Vermeldete mir nach dem ersten Tag, dass er das Gefühl hat, in Mathe wieder den Anschluss verloren zu haben. (Das kommt heraus, wenn man im Gleichschritt unterrichtet und nur die Lehrperson als einzige Quelle der Weisheit anbietet sowie die Kinder nach Alter sortiert.) Andererseits z.B. erbat ich Befreiung vom Sport und dem häufig dort herrschenden Wettbewerb, damit seine Atemwege noch etwas in Ruhe ihrem Reparaturprozess dienen konnten. Dem wurde ohne weiteres entsprochen – bin ich froh! Helikoptermama? Ich möchte, dass die Kinder ihrem eigenen Maß folgen können dürfen. Pause machen, wenn sie eine brauchen. Gas geben, wenn sie bereit sind. Beispielsweise nahm McFlitz nicht am Kaffeetisch teil, hatte keine Zeit. Ich holte ihn hungrig ab. Die Argumentation essen zu sollen, weil ich es bezahle, ist sicher nachvollziehbar, aber ich sehe auch den Hunger nach selbstbestimmter Spielzeit, der ihn viel mehr zwickt. Sehr freundlicher Weise durfte er sich von den weggeräumten Resten (die ich ja bezahle) noch was nehmen, obwohl die Mahl-Zeit schon vorbei war. Ich konnte meine Sicht der Dinge ansprechen. Vielleicht finde ich das Verständnis der Pädagog*innen vor Ort, dass sie die Kinder mehr anleiten, zu den Mahlzeiten auf ihren Bauch zu achten und sie ihnen als DIE Gelegenheit in den Sinn zu rufen und nicht nur die gehorsame Befolgung des Zeitplanes einzufordern. (Der ja so gedacht ist, dass dem Bauch immer rechtzeitig was zugeführt werden kann.) McFlitz jedenfalls vergisst seinen Essenshunger, wenn der freies-Spiel-Hunger zu groß wird. Nun denn: fröhlich auf ins Wochenende! (Das ich auf einer Chorfahrt verbringen werde. Die Familie bekommt endlich wieder Mutterfrei!)

Woche III | Montag, 14.09.2015

Ich habe das Wochenende einmal mein schlechtes Gewissen ignoriert und getan, was mir wichtig ist. Das bedeutete zwar, dass ich kaum mit meiner Familie zusammen war, aber auch, dass ich ihnen mal nicht vorlebte, wie man sich ständig bremsen lässt und von seinen Werten abhalten, um andere Werte (übertrieben?) zu würdigen. Im Klartext: Die Fürsorge für meinen (auf mich etwas allergischen) Nachwuchs habe ich auf Nachfrage und Anregungen beschränkt. Allerdings nicht durchgehend, einmal habe ich vehement auf Inhalieren bestanden, als ein „Willabernicht“ die Oberhand gewann über meine schniefende und hustende Tochter, die hier unter dem japanischen Lecker-Süß firmiert, Oishi-Kawaii. Ich habe „Willabernicht“ und „Magaber“ zu inakzeptablen Gesprächspartnern erklärt, und immer wenn sie zum Vorschein kommen, breche ich die Erörterung ab, die dann ohnehin gar nicht mehr möglich ist. Das hatte ich vor einiger Zeit noch nicht so erkannt und mich aufgeregt oder auf einen sinnlosen Kampf eingelassen. Aber ich bin noch selbständig erkenntnisfähig und konnte das jetzt also durchschauen. Seit ich hierin Klarheit habe, geht es uns allen besser. Ach ja, die Kinder hatten ihren Papa zur übrigen Versorgung zur Verfügung. Die Verwahrlosung blieb also in Grenzen (nehme ich an ;)).

Ich kann daher gar nicht viel über das Wohlergehen der Kinder berichten, mir stellt sich die Lage nach wie vor ungesund dar, meine Oishi-Kawaii werde ich heute zu Hause haben, bei McFlitz überlegte ich, ob ich ihn überhaupt in seine Läuse-heimgesuchte Schule schicke. Diese Massen-Haltung der Kinder in Schulen und Klassen ist vielleicht auch ein Thema für Kinderschutz. Wobei McFlitz nur 17 weitere Lernbeauftragte neben sich hat. Das Immunsystem bekommt hier jedenfalls auch seine Hausaufgaben. Mich nervt dabei, dass ich verpflichtet bin, über seine Abwesenheit Rechenschaft abzulegen, wegen des Anwesenheitszwangs und der Schulpflicht. Das hat nichts mit Verantwortlichkeit zu tun, das ist Vorschrift und Gehorsamsforderung. Dazu der ewig währende Wettbewerb und Leistungsdruck, der unweigerlich aufkommt, wenn im Gleichschritt gelernt werden soll.

Meine Große, ihr Name hier sei Kkumhada (koreanisch für Träumen), „krankt“ nicht körperlich, zeigt mir für ihr Teil nur „die kalte Schulter“. Das sei ihr zugestanden, denn ich denke, sie tut es aus Selbstverteidigung. Ich bin nicht immer eine Kuschelmama geblieben und wir stecken nun wohl wieder in einer Art Geburt, als was ich die Pubertät geneigt bin zu betrachten. Es könnte schlimmer sein, es könnte Gift und Galle geben oder gar tätliche Auseinander-Setzungen. Glücklicherweise bleibt es bei uns ganz gemäßigt bei friedlichem Aushandeln. Ich halte in diesem Zirkus die ellenlangen Vorträge und tanze durchaus auch einmal wie Rumpelstilzchen…

Ich war also Samstag und Sonntag Gutes Beispiel dafür, sich nicht vom Wahren, Guten und Schönen abhalten zu lassen und unterstützte ehrenamtlich mein Lieblingsprojekt: einen Ort, an dem Kulturaustausch und Achtsamkeit gepflegt werden, wo Menschen wirken, die mithilfe von Kunst und Literatur Raum zum Nachdenken und -empfinden geben. Mit denen ich auf eine Weise zuammenarbeiten kann wie sie mir heilsamer nicht denkbar ist. (Nun müsste man nur noch davon leben können!) (Und das wäre gar nicht teuer, nur Essen, Trinken, Kleidung, Obdach, Heizung, Mobilität. Was braucht man da schon, wenn man glücklich ist?) Wie ich mit Freude zu ungeahnter Höchstform auflaufen kann! Was ich da alles schaffe! Und wie lebensfroh ich noch bin, während mir vor Müdigkeit die Augen zu fallen! (Oh Mann! Wie blockieren wir die Lebenskräfte mit unserer Alltagskultur! Und wie kaputt sind wir am Ende des Tages, anstatt rechtschaffen müde mit einem breiten Grinsen im Gesicht einzuschlafen.)

Ich werde als nächstes mein Gehorsamsproblem angehen und mich davon emanzipieren. Oder einfach heilen. Ich hoffe, ich lerne Vorschläge zu machen, die annehmbar sind (meine Kinder sind da die Jury), und das zudem auf eine Art und Weise, die annehmbar ist. Ja, das ist wohl manchmal der eigentlich springende Punkt. Vielleicht finden sich dann hier vor Ort auch mehr Mitstreiter*innen für die Verbesserung des Schullebens? Irgendwie strahle ich wohl etwas Zwanghaftes aus, was wenig einladend wirkt. Es kann also noch besser werden, und ich bin neugierig auf das Kommende!

Ich bin dankbar für dieses Wochenende, es war angefüllt mit Lachen und Heiterkeit und randvoll mit emsiger Arbeit neben wohliger stiller Besinnung. Ich habe gesungen und Tee getrunken.

Woche II | Freitag, 11.09.2015

Da haben wir’s. 2/3 meiner Kinder sind krank geworden, sind einem Erreger anheim gefallen, haben ihm offene Pforten geboten, ihn zu Hilfe gerufen. Der kleine – ich werde ihn in Zukunft McFlitz nennen – schon seit Montag, die mittlere – ab jetzt Oishi-Kawaii (sie liebt Japanisches) – seit Mittwoch nachmittag. Meine Große muss mir noch ein koreanisches Wort nennen, denn K-Dramas sind ihr Lieblingszufluchtsort weg und fort aus dem Hier und Jetzt. Sie ist gut auf dem Posten.

Mich nervt der Zwang, sie in der Schule abmelden zu müssen, weil sie sonst unentschuldigt fehlen, weil im schlimmsten Fall die Zwangszuführung zur Schule möglich ist in Deutschland. Neben anderen Straf- und Knechtungsmaßnahmen. Nicht dass ich mich in Gefahr sehe. Na eigentlich doch, denn wenn ich nicht so feige wäre, würde ich die Kinder einfach nicht mehr hinmotivieren. Und dann dieser Unsinn: Weil so gleichschrittig Wissen vermittelt wird, verpassen sie natürlich einiges. Nur, weil es einzig und allein eine Lehrperson ist, von der das Wissen ausgeteilt wird. Weil andere Quellen und Wege der Aneignung nicht angeboten werden. Weil die Klassenarbeit dann und dann geschrieben wird. Weil Nachschreibetermin extra an einem Unterrichtstag hintendran liegt. So häuft ein Kind, das fehlt, gleich bergeweise Mangel an, den es neben dem laufenden Stoff zu bewältigen hat, wenn es wieder gesund ist. Ich wünschte, sie könnten ihren Lernplan selbst machen. Ich wünschte, sie fänden transparent vor, was von ihnen verlangt wird und die dazu nötigen Materialien, Arbeitsräume und Erörterungsmöglichkeiten, Präsentationsgelegenheiten und Ansprechpartner. Es gibt Leute, die so etwas schon konkret erarbeiten, umsetzen und weiterentwickeln! Nur nicht hier in meiner Umgebung. Ich wünschte, ich fände offene Ohren bei den Lehrer*innen meiner Kinder.

Ich bin auch sehr traurig darüber, dass über die Ellenbogen-Strategie hinaus wenig Alternativen gelebt werden, wie ein Kind mit seiner Not umgehen kann. Wenn ich zu Hause wert lege auf gemeinschaftsförderliche Umgangsweise, dann die Kinder in die Schule schicke, wo sie ganz andere Werte gelebt vorfinden (auch die Ignoranz gegenüber ihren Bedürfnissen, ihren Eigenarten und ihrem persönlichen guten Maß), dann sind sie erstmal wie die Kuh vorm neuen Tor. Ihnen bleibt Abschottung oder eigene Aggression (auch gegen sich selbst, und dabei hilft dann auch das eine oder andere Virus oder Bazillchen mit). Na gut, immerhin kann man hier in der Gegend auch Tai Chi oder Aikido lernen (auf eigene Kosten versteht sich) und sich die Prinzipien gewaltfreier Selbstverteidigung auch geistig zu eigen machen. Und dank Bibliothek sowie digitaler Fülle findet sich eine Menge Studienmaterial (wozu auf einen Lehrer warten???), wenn man weniger mobil ist auf dem Lande. Aber wir sind damit immer irgendwie „außerirdisch“. Ziemlich allein. (Auch wenn viele sich danach sehnen, resignieren sie doch und bedienen das mehrheitlich Übliche.)

Ist das Leben nur ein feindlicher Revierkampf?

Ich möchte mit allem in Verbindung sein können, ohne mich selbst dabei zu verlieren. Ich möchte die Schwerkraft erfahren und die Kunst erlernen in ihr zu leben. Das muss doch möglich sein? Ich habe das doch irgendwann erlebt, dass ich willkommen war, meinen Platz bekam, mich voller Freude an mir und den anderen erprobte und übte – als verbundene Freundin. Nun bin ich „selbst schuld“, wenn ich mich nicht genauso roh und rücksichtslos um mich selbst kümmere, wie es die Mode zu sein scheint. Wie kann ich also meine Kinder stärken? Ihnen bei ihren Weltverdauungsschwierigkeiten helfen? Mir geht es immernoch am besten, wenn ich in Verbindung bleiben kann. Abschottung kenne ich schon. Gesund, aber weltfremd, unerfahren. Jetzt wage ich mich hervor, suche ich erwachsene Kinder wie mich und die Kinder in jenen anderen Erwachsenen mit den roheren Strategien, die Arglosen, Unschuldigen, deren Verletzungen unverheilt sind. Sie beißen um sich, aus Angst und Schmerz.

Uns steht ein lebendiges Wochenende bevor, möge meine Oishi-Kawaii sich heute noch so richtig gut auskurieren und mein McFlitz seine innere Baustelle beräumen, damit wir uns in die Vollen stürzen können! (Chorerlebnisse, poetische Festlichkeit und exotische Sinnesgenüsse wollen gewürdigt werden in emsiger Ausübung!)