Woche VII | Freitag, 16.10.2015

Heute nur so viel: wieder eine ereignisreiche Woche vollbracht. Ja, vollbracht. Nicht hinter mich gebracht oder überstanden. Oder rumgekriegt. Vielleicht ein bisschen verflogen – also mehr feiern zwischendurch, den Augenblick würdigen – aber nichts aus dieser Woche möchte ich missen. Kkumhada ist buchstäblich heulend auf dem Boden der Tatsachen gelandet worden – vor Freude. Sie darf zum Austauschjahr in ihr Lieblingsland. Oishi-Kawaii hat einen neuen Klarinetten-Lehrer, der ist ganz nett, aber nicht so wie unsere leider für länger erkrankte K.
Ich habe aus allen Gegebenheiten eine Herausforderung machen können und mich durch nichts kleinkriegen lassen. Auch meine Entscheidung für einen möglichen Arbeitsplatz in einer Schule lasse ich reifen, schaue jedes meiner Bedenken achtsam an und werde demnächst auskunftsfähig sein. Und: hier ein Brieftext, den ich heute McFlitz mitgab, zum Thema Hausaufgaben für Eltern. Als ich seine Aufgabe las vor zwei Wochen, dachte ich nur: Homeschooling kann ich billiger haben… (Naja, vielleicht auch nicht.)

An: Klassenlehrerin H.C.
Betr. Hausaufgaben
15.10.2015
Liebe H.,

die Kartoffel-HA hat bei uns nicht funktioniert, daher wird [McFlitz] auch keinen Vortrag halten.

Damit du besser verstehen kannst, woran das liegt, möchte ich dir dazu etwas mehr schreiben.
Grundsätzlich unterstütze ich alle meine Kinder bei der Anfertigung von HA, indem ich sie befrage, was noch zu tun ist, bevor wir in das abendliche Familienleben starten, zu dem auch die Kinder beitragen. Notfalls stelle ich sie von allen häuslichen Aufgaben frei zugunsten von ihrem Lernen für die Schule. Aber mit Zähneknirschen. Denn mit dem gemeinschaftlichen Leben in und für die Familie, in dem es um gegenseitige Hilfe und Unterstützung für die Erfüllung wesentlicher Bedürfnisse geht, entfällt für die Kinder die einzige wahrhaft relevante Arbeit des Tages. Neben dem freien Spiel und der Ausübung von Hobbys.
Das schulische Lernen ist (leider) immer (noch) auf irgendwas Zukünftiges oder Künstliches ausgerichtet und zielt nicht darauf ab, die Kinder fit zu machen im Umgang mit ihren Bedürfnissen und der gegenwärtigen Welt, geschweige denn planvoll und mit Weitblick.

Die P…schule [Name der privaten Schule] hat da für uns schon dahingehend den Unterschied gemacht, dass [McFlitz] noch nicht so entfremdet nach Hause kommt, wie seine großen Schwestern ihrerzeit aus der K…-K…-Grundschule [Ort] [staatliche GS]: die eine mit Komplettschutzschild, die andere mit häufigen Kopfschmerzen, beide mit gründlich verloren gegangener Bereitwilligkeit.

[McFlitz]s Integrität ist noch weitgehend intakt, er kann sich also noch auf Anfragen von außen einlassen.

Die Kartoffel-HA ist für ihn jedoch nicht selbständig durchführbar gewesen. Dafür hätte er die Mitarbeit seiner Eltern benötigt. Die dafür aber keine Zeit haben. Ich sehe es auch nicht als den Sinn der HA an, dass die Kinder sie nur mit den Eltern machen können. Klar frage ich mal die Malfolgen oder Vokabeln ab und wir reden auch über die aktuellen Themen in Gesellschaft, Schule und Bekanntenkreis. Und wenn die Lieder aus der Schule melodiesicher nachklingen, so dass ich sie von den Kindern lernen kann, dann singen wir sie auch.
HA sind Übungsmöglichkeiten, Wiederholung, können gern auch kreativ sein oder forschend. Und wenn sie den Kindern wichtig sind, machen sie, was sie können. [McFlitz] hat Bilder herausgesucht und was abgeschrieben aus dem Lexikon. Wir haben über seine eigene Kartoffelanbauerfahrung vom vorigen Jahr gesprochen und uns fröhlich an die tolle Ernte erinnert, die er trotz der irrsinnig vielen Nacktschnecken einfahren konnte, die die Pflanzen kahlfraßen. Beim Abendbrot, unterwegs im Auto und vor dem Einschlafen, wenn das eine oder andere Problem noch zur Sprache kommt.
Mehr geht nicht seitens der Eltern.

Mehr geht auch nicht von [McFlitz]s Seite. Wenn er aus der Schule kommt, braucht er Zeit, um sich zu erholen. Dann macht er Sachen, die ihm wichtig sind. Dann hat er lange genug Aufträge erfüllt, die für ihn lebenspraktisch keine Bedeutung haben, es sei denn sie machen irgendeinen Spaß. Und wenn sie mehr als das sein sollen, dann müssen sie auch mehr Bezug zu seinem Leben haben, zu seinen Bedürfnissen. Dann muss er entweder wirklich neugierig darauf sein, es verstehen lernen wollen, mehr darüber erfahren wollen, praktischen Nutzen darin finden – so wie beim Vorlesen für die „Kleinen“. Oder Hilfe beim Kochen und Heizen. Wenn der jedoch nur darin besteht, artig zu sein und damit Ärger zu vermeiden, dann fördern wir handfest Unterwerfung oder Widerstand. Und wenn es um eine Belohnung geht, dann lenken wir erst recht von der Sache ab und bewirken vielmehr eine Art der Konditionierung, die unsere Kinder anfällig für Bestechung macht.
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Ja, ich bin ziemlich zahm. Aber in mir brodelt es. Und meine Bereitwilligkeit zum friedlichen Gespräch ist allein dem Umstand zu verdanken, dass ich eine Entscheidung zur Gewaltfreiheit getroffen habe.