Woche VIII | Montag, 19.10.2015

Ja, ich geb’s zu, es ist noch Sonntag. Morgen früh habe ich nur keine Zeit, den Start in die Woche zu dokumentieren, so also dieses Mal mehr den Ausklang aus dem Wochenende und die Aussichten für den Wochenstart.
Beides: gut. Mehr müsste ich nicht sagen, wie meine großen Mädchen, wenn ich sie frage, wie es in der Schule war…
Dann kommen aber öfters doch Episoden zur Sprache, wenn ich nur hartnäckig genug nachbohre. (Spätestens bei Auftreten der Kopfschmerzen. Da Kkumhada keine hat, geht sie mir oft durch die Lappen. Sie lässt alles abprallen, irgendwie.) McFlitz plappert noch viel unbefangener aus der Schule als seine Schwestern in seinem Alter. Ihn hat die Sprachlosigkeit noch nicht ereilt. Naja, seine Schule paukt ihn ja auch nicht durch den Rahmenplan. Wenn er seinen Vortrag nicht halten möchte, muss er es auch nicht. Ohne Strafen oder Bewertung!!! Wir haben dadurch echt die Gelegenheit darüber zu sinnieren, wie schade es ist, dass nun die Anderen nichts über die Kartoffel erfahren konnten, und dass seine (halbherzigen) Vorbereitungen irgendwie umsonst waren. Und dass er beim nächsten Mal doch gleich aufrichtig sagen könnte, wenn ihm die Motivation fehlt, so dass ein besser anspornendes Thema gefunden werden kann… Es gibt da so viele Möglichkeiten, kreativ zu werden und Lösungen zu erdenken!
Kkumhada startet in eine Woche voller Tests und Klausuren. Sie nimmt es sportlich. Da sie nun die Zusage für ein Austauschjahr hat, das im Februar losgeht, fragt sie sich, ob ihr Aufwand denn dann überhaupt mitzählen wird, wenn sie in einem Jahr dann die zweite Hälfte ihres elften Schuljahres wieder aufnimmt, oder ob sie noch weiter zurückgesetzt den Faden wieder aufnimmt. Ich fragte, ob das Auswirkungen auf die Intensität ihrer derzeitigen Mitarbeit hätte. Ich meine, dass es so oder so eine Entscheidung ist, ob man Zeit absitzt und irgendwie rumkriegen will oder doch lieber lebendig teilnimmt.
Oishi-Kawaii nimmt Tests jetzt entschieden viel gelassener als ehedem. Einerseits habe ich ihr die Ignoranz und Arroganz vorgestellt, mit der sie den Prozeduren in der Schule unterworfen wird. Angeblich für ihr Wohl. Na, das haben wir ja erlebt. Dafür muss man keine Achtung oder Respekt haben. Auch nicht für die Leute (Erwachsene?!), die sich dem nicht entgegenstellen und die ganze Heuchelei aufdecken. (Vielleicht Mitleid, Verständnis. Aber kann man sie dann für so voll nehmen, wie sie das einfordern, und soll sie gleichzeitig schonen und Geduld mit ihnen haben?)
Andererseits ist sie im entspannten Zustand in der Lage, ohne viel zu üben ganz gute Ergebnisse zu erzielen, vorausgesetzt, sie hat im Unterricht nicht abgeschaltet. Das konnte sie inzwischen auch erleben und bekommt nun von dieser Seite Boden unter die Füße. Da sie ohnehin alles so intensiv wahrnimmt und schnell versteht, bleibt’s halt auch hängen. Nun scheint sie auch pauschale „Ansagen“ besser von sich fernhalten zu können, so dass sie etwas unbeirrbarer durch den Unterricht kommt.
Das Wochenende haben die Mädchen singend verbracht, im Jugendwaldheim mit dem Chor. Bei all dem Regen hatten sie lebendige Musik als Sonne für ihre Körperzellen…
McFlitz hat 2 Tage und Abende Lego gebaut, mit seinem Kumpel und allein, und heute abend war er immernoch nicht fertig. Die Schule kommt ihm da noch nicht so ganz gelegen. Nichtsdestotrotz – beim Einschlafen hat er mir erzählt, wie toll er sich fühlt als Drittklässler. Da kann man schon was. Ob das mit dem Vorlesen für die Ersties zusammenhängt?
Ich gehe morgen wieder hospitieren. Ich bin unglücklich, dass ich nicht so eindeutig vorfreudig auf die mögliche Arbeit an einer Schule schaue. Mein Problem: Zeugnis. Leistungsbewertung. Eine unüberwindliche Hürde, wenn ich schlechte Ergebnisse attestieren soll. Mal sehen, ich habe einen Gegenvorschlag erarbeitet. Vielleicht gibt es ja doch einen Weg. Und dann: in Ruhe und mit Freude und Kreativität Englisch erobern! Ja, das wär’s.

8 Gedanken zu “Woche VIII | Montag, 19.10.2015

  1. Gott gebe uns die Gelassenheit,
    die Dinge anzunehmen, die wir nicht ändern können.
    Den Mut,
    die Dinge zu ändern, die wir ändern können.
    Und die Weisheit,
    das eine vom anderen zu unterscheiden.

    Gute Nacht, träum was Schönes (nicht von Zeugnissen 😉
    und einen Guten Start in die Woche 🙂

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  2. Dafür muss man keine Achtung oder Respekt haben. Auch nicht für die Leute (Erwachsene?!), die sich dem nicht entgegenstellen und die ganze Heuchelei aufdecken. (Vielleicht Mitleid, Verständnis. Aber kann man sie dann für so voll nehmen, wie sie das einfordern, und soll sie gleichzeitig schonen und Geduld mit ihnen haben?)

    Ohne Achtung und Respekt geht genau das verloren was du/wir gerne wünschen. Wenn sich die Leute/Erwachsene nicht dagegen stellen, wissen wir deren Hintergründe nicht. Angst, Sinnlosigkeit, kein Mut, oder vielleicht haben sie (so wie ich mal früher) sich sehr für etwas engagiert gekämpft und irgendwann wegen wirklich fehlender Ergebnisse resigniert.
    Du könntest mit denen das tun, was wir für unsere Kinder tun können, einladen, ermutigen und stärken. LG

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    1. Ja. Das ist mein Ziel. Und ich hoffe, dass auch meine verletzten Kinder das eines Tages fertigbringen. Ich sage ihnen schon auch, dass sie ausgewachsenen Personen gegenübersitzen, die ihre eigenen Probleme haben. Ich möchte damit aber das Problem der Kinder nicht abwiegeln. Und wenn sie die Erfahrung machen, gesehen zu werden, können sie anderen hoffentlich auch empathisch begegnen.

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      1. Geschlagene Kinder müssen keine Schläger und „gut erzogene“ Kinder können Schläger werden.
        Vielleicht machen wir alles zu sehr von unseren eigenen Erfahrungen abhängig. An uns hat bestimmt vieles „falsch“ gemacht. Wir sind das geworden „TROTZ“ unserer Erziehung. Unsere Kinder werden ihren Weg gehen, egal was wir tun.

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        1. Trotz, durch, mit – das erfordert komplexes Denken, um gut sortiert zu werden. All die Faktoren, die zu dem einen oder dem anderen führen, in den Blick zu bekommen und ihre Rolle zu erkennen, ist die Basis für unsere Entscheidungen. Jeder tut das in seinem Maß, vielleicht geht es auch nur intuitiv. Unsere eigenen Erfahrungen sind der Dreh- und Angelpunkt, denke ich. Von ihnen geht alles aus, was wir tun und lassen, und führt wieder zu neuen Erfahrungen.

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  3. Ich beneide die Kids von heute nicht – bei uns war alles noch etwas lockerer.
    Die Eltern von heute beneide ich noch weniger – der Druck von außen der
    heute auf die Kinder ausgeübt wird, ist immens und dazu diese ständige
    Reizüberflutung. Man kann keine heile Welt zu Hause schaffen, wenn
    draußen alles drunter und drüber geht. Am allerwenigsten beneide ich
    die armen Lehrer von heute. Wie soll man das 30 Jahre durchhalten?

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    1. Wir haben, bildlich gesprochen, mit dem Kaisertum und den Diktaturen unser Außenskelett abgeworfen und mühen uns nun in der Freiheit, inneren Halt zu finden, ein Rückgrat aufzubauen, und richten uns in der „Diktatur der Mehrheit“ an den verschiedensten Krücken auf.

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