Woche VIII | Freitag, 23.10.2015

Ja, schon zwei Tage her… Ich bin am Freitag mit einem schmerzenden linken Unterschenkel aus der Woche gehumpelt, habe mich nur noch lang ausstrecken können und mir Gedanken gemacht, ob es „nur“ ein Krampf ist oder gar ein Blutgerinnsel… Mit Arnika und Biochemie Nr.7, Mineralwasser, achtsamem Essen habe ich die leergelaufenen Tanks der Spurenelemente etc. wieder aufgefüllt, ich konnte gestern schon – schön behutsam aber lebensfroh – draußen arbeiten, Walnüsse sammeln, Laub harken, …
Meine Auslaugung habe ich mir mit einem Arbeitsflow verschafft, bei dem ich wie im Rausch ein Anliegen nach dem anderen auf den Weg bringen konnte. Ein Antrag an die Schulkonferenz wurde formuliert mit anderen Eltern gemeinsam, ein Vorschlag für ein kompetenzorientiertes Zeugnis an meiner vielleicht zukünftigen Arbeitsstelle begonnen zu erarbeiten, Hospitation, Eigenreflektion, Maria Montessori’s „Kinder sind anders“ gelesen, Joachim Bauers „Das Körpergedächtnis“ in Arbeit, eine Fortbildung zu „Direkter Instruktion“ mit den Lehrer*innen der Schule meiner Mädels erlebt. (Wenn die Pädagog*innen den Part mit angeleitetem Üben und anschließendem Feedback über den erreichten Verständnisstand nicht weglassen und davon abhängig machen, wie es weitergehen soll, kann eigentlich gar nichts schief gehen, oder?) Eine eMail-Diskussion mit Zündstoff verdaut. Und schließlich noch ein psychotherapeutisch-systemisch-energetisches Heilungscoaching durchgearbeitet. Derweil die Kinder natürlich auch ihre gewohnte Unterstützung von mir bekamen. (Hier sei angemerkt, dass ein Großteil vom Papa übernommen worden ist, seit ich erschöpft zusammenbrach. Ich leiste Fahrdienst, Wäsche, Putzen, und Heilungsarbeit.) Das alles zwar in einem glücklichen Schwung gewuppt, aber nur mit mangelhafter Wiederauffüllung der dafür verbrauchten Ressourcen.
Jetzt haben wir eine Woche Ferien vor uns, in vergangenen Jahren habe ich sie gern für eine Tingeltour genutzt, die beiden letzten aber standen schon tief im Zeichen meiner Kapitulation vor dem Leben angesichts der Entfremdung und Beschädigung meiner Kinder.
Ich habe seit Januar an meiner eigenen Heilung gearbeitet, die „Leichen aus dem Keller“ befördert. Mit anderen Worten, die unverheilten Verletzungen aus meinem bisherigen Leben eine nach der anderen neu besehen und gepflegt. Die „Leichen“ als „Scheintote“ erkannt. Das, was gemeinhin der „innere Schweinehund“ genannt wird, als den Fürsprecher meiner Bedürfnisse umgedeutet und mich selbst mit einer bisher unüblichen Achtsamkeit gewürdigt. Die Gefahr, egoistisch zu sein, schien mir immer sehr bedrohlich und ich wusste nie, ob sie mich unerwartet und aus dem Blauen heraus erwischen könnte. Klar war nur, dass das ein No-go für mich ist.
Dann habe ich irgendwann ganz schüchtern begonnen mich zu fragen, wer denn für meine Kinder sorgen würde, wenn ich aufgebraucht bin. Langsam gelernt, mir zuzugestehen, mich erholen zu dürfen, gut zu essen und mich auch zu amüsieren. Jetzt möchte ich meine ganze Arbeit unter den Anspruch stellen, dabei Freude zu empfinden und gesund zu bleiben. Auch die berufliche, wenn es denn nun bald mal wieder damit losgehen würde! Denn nach wie vor kann man von den gemeinnützigen Tätigkeiten, mit denen man die Lebenstauglichkeit wiederherstellt, nicht leben. Absurd, was?
Meine eigene Heilung ist ein großartiger Lernprozess geworden. Ich habe mich nicht „reparieren“ lassen oder mit Medikamenten einstellen. Das ist mir immer sehr suspekt vorgekommen. Auch meine Allergie gegen Leute, die alles wissen und recht haben und mich belehren, war mir hinderlich dabei, mich auf den konventionellen, krankenkassengestützten Weg zu begeben. Ich habe ganz rebellisch dem lebendigen Funken in mir vertraut, dass dem Leben auch die Kraft der Heilung innewohnt. Jahrelang war ich auf dem Alleinkämpfertrip, auch mangels passender Mitstreiter*innen oder gegenseitiger Unterstützer*innen. Bis ich mich schließlich von dem Gedanken verabschieden lernte, dass alles nur mit Geld geht, und begann, mir Tauschpartner zu finden. Auch mein Coach konnte und kann sich ein Stück weit auf Tauschgeschäfte einlassen, so dass sich plötzlich der Weg auftat, mir auch Hilfe holen zu können, wie ich sie brauche. Unbevormundet. Zunehmend aus eigener Kraft. Mein linkes Bein tut mir wieder seinen Dienst, und nun trägt es mich gleich hinaus an die frische Luft, in die Oktobersonne, die gerade nicht von Wolken verdeckt und gedämpft in ihrer ganzen goldenen Pracht auf die vielfarbigen Herbstblätter scheint.