Woche XIII | Montag, 23.11.2015

Ein zauberhafter Start: über Nacht ist etwas Schnee gefallen. Draußen sind Feld, Wiese und Bäume mit etwas Weiß überpudert. Dieser Erste bewegt mich immernoch und bringt mich zum Staunen. Ich fühle mich wie ein personifiziertes Oh! und Ah!
Wir sind alle gesund und an unserer Arbeit. Das Wochenende hat mir interessante Gespräche und Beobachtungen und damit Stoff zum Nachdenken beschert. In der Schule war Elternsprechtag, ich hatte keine eigenen Termine vereinbart, gesellte mich einfach in das SchülerCaf´e und plauderte mit den Pädagog*innen. „Druck müssen wir aber auch machen“, ist ein Spruch, den es immer wieder zu hören gibt. Ich bin jetzt ganz klar in dieser Hinsicht geworden: Kinder brauchen nicht Druck, sie brauchen Schwerkraft. Wichtigkeit, Bedeutung, Sinn. Muskeln, Sehnen, Knochen – das alles brauchen wir, um der Schwerkraft der Erde etwas entgegenzusetzen. Und ihre Benutzung macht sie besser, bewirkt die Produktion von Botenstoffen in unserem Körper, die uns verlocken, weiter zu trainieren. Naja, nur, wenn freiwillig. Bzw. sonst werden diese Botenstoffe gleich wieder verbraucht, um die Verletzungen der eigenen Intergrität zu reparieren. Oder so.
Es ist sinnlos, das mit Noten zu bewerten.
Genauso die Musikalität eines Menschen.
Oder seine künstlerische Begabung.
Oder oder.
Und fürs Lernen braucht es Sinn, Wichtigkeit – JA! aber Druck??? Die Schwerkraft heißt hier dann vielleicht Werte, wenn etwas als Schatz betrachtet wird, wahrhaftiglich, dann muss es niemandem eingeprügelt werden, oder? Lasst die Schulen zu Schatzkammern werden!
McFlitz hatte Chorwochenende und war begeistert. Die Chorleiterin versuchte, das mit Worten zu fassen, was Kindern an so einem Wochenende angedeiht. Sie singen zusammen, stellen sich aufeinander ein und gliedern ihre eigene Stimme in den Gesang. Sie hat beobachtet, wie die gegenseitige Achtsamkeit zunimmt und die Kinder beginnen, füreinander Verantwortung zu übernehmen, Unterstützung für ein gemeinsames Leben zu leisten.
Kkumhada kam mit zum Abschlusskonzert, ich staunte über ihre Aufgeschlossenheit und ihren Wunsch, beim ersten Auftritt ihres kleinen Bruders dabei zu sein, Oishi-Kawaii dagegen zog es vor, für sich zu Hause zu bleiben. Sie hatte drei Tage lang ein Wechselbad der Gefühle durchwatet: Geplant war ein Ausflug nach Berlin mit ihrer Freundin. Deren Eltern wollten das dann aber nicht, wegen der Attentatsgefahren. So blieb es bei einem Bummel-Gang durch eine näher gelegene Stadt. Das konnte sie dann schlussendlich auch froh genießen und kam am Samstag Abend glücklich wieder nach Hause. Der nächste Wermutstropfen ließ nicht lange auf sich warten, ein größeres Treffen mit Freunden am Sonntag Morgen drohte für sie zu scheitern wegen des Zeitplanes der Eltern ihrer Freundin…
Wenn ich mir Konzerte meiner Kinder ansehe, kommen mir immer die Tränen der Rührung. Sicherlich hängt das auch mit meinen eigenen Erinnerungen an Chorerlebnisse zusammen, aber mitzuerleben, wie aus dem eigenen Kind ein aufgeregtes, frohes, Musik machendes Wesen in einer Gemeinschaft wird, das eine Bühne bekommt und sein selbst geübtes Können beitragen und zeigen darf, treibt mir die Wasser der Glückseligkeit durch die Schleusentore. Nicht nur das Musizieren selbst ist unschätzbare Medizin, auch das in einer Gruppe gelebte Miteinander schafft Einsamkeit ab und bietet Berührungspunkte. Natürlich vorausgesetzt, dass genau das auch zum Kriterium erhoben wird…
Heute also weiß und mit Sonne, die die unzähligen Schmelzwassertropfen an den Sträuchern und Bäumen zum Glitzern und Funkeln bringt. Auch mein Gemüt ist sonnig, und ich spanne die Segel auf, um das Licht einzufangen.

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