Kulturbehinderung

Weiter? Schuld ist die Schule.

Meine eigenen Kinder zu begleiten auf ihrem Weg ins Leben, bestand zu großen Teilen darin, sie einfach zu betrachten, beim Schlaf, beim Spiel, beim Essen, beim Üben, beim Forschen und Probieren. Sehr schnell begriff ich, dass ich ihnen das Atmen nicht beibringen muss und auch nicht all die anderen Sachen, auf die es im Leben ankommt. Sie lernen sie von sich aus. Weil das in ihrer Umgebung so ist, lernen sie es. Sie lernen die Ecken und Kanten der Welt kennen, lernen Oben und Unten und sich selbst daran auzurichten, darin einzurichten, sich darin zu bewegen.

Sie schauen mit großen Augen und hören mit offenen Ohren, betasten, beschnuppern und kosten.

Sie wollen auch wissen, was ich mache, wollen es selber probieren. Wollen nicht warten, bis ich es endlich für sie mache, beginnen schonmal selbst. Und bestimmen selbst wann und wie.

Ich habe sehr schnell aufgehört, Termine und Pläne festzulegen, und begonnen mir verschiedene Möglichkeiten zurechtzulegen. Den Raum zu schaffen für spontane Entscheidungen. Arzttermine einzuhalten war mir schon wichtig, auch pünktlich zu sein, jedoch nicht auf Kosten der Kinder und ihres natürlichen Rhythmusses. Allerdings beschränkte ich solche erwarteten Pflichterfüllungen auf ein Minimum.

Dann irgendwann, sie hatten sprechen und laufen gelernt, malten, sangen und tanzten durch den Tag, puzzelten, bastelten und kletterten, buddelten und bauten und spielten mit ihren Knet-, Lego-, Playmo-, Papier-, … Figuren wie die Weltmeister*innen, quasselten, beschrieben, erzählten, planten in einer Tour – und dann kamen sie in die Schule.

Ich wunderte mich schon, wie sie immer länger brauchten, um nach so einer Schulwoche wieder ansprechbar zu werden für mich. Zuerst dauerte es nur den Freitag nachmittag, aber dann begann ich auch samstags geduldig zu warten und schließlich reichte kaum der Sonntag noch aus, dass die Kinder wieder bei sich selbst ankamen und in sich ruhend für mich wieder eine Antenne in Betrieb zu nehmen imstande waren.

Jetzt reichen sechs Wochen Sommerferien schon nicht mehr.

Die schulische Kultur hat sie fortwährend von sich selbst weggelenkt, sie gehindert, ihren Gefühlen und Bedürfnissen zu entsprechen und ihren Neigungen zu folgen. Gestern abend (02.09.15) habe ich diesen Beitrag gefunden, in dem alles gut zusammengefasst ist: Dagmar Neubronner in einem Vortrag, u.a. über dieses Buch „Verdummt nochmal!“ von John Taylor Gatto und Erkenntnisse der Bindungsforschung.

https://www.youtube.com/watch?v=Afs9ZAmSpp4

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2 Gedanken zu “Kulturbehinderung

    1. Früher hätte ich auf verwildert getippt, aber heute weiß ich, dass wir einen inneren Bauplan haben, der nur zur Verwilderung führt, wenn er ständig blockiert wird 😉 Er wird wohl auf beneidenswerte Art in sich ruhen und freihändig seinen Weg gehen können…

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