Schuld ist die Schule?

Schritt zurück? Kulturbehinderung.

weiter? Fachkräftemangel.

Wenn ich sage, dass die Kinder immer länger brauchten, um für mich wieder ansprechbar sein zu können nach einer Schulwoche, dann klingt das sicherlich so, als ob die Schule schuld sei.

In der Begriffswelt von Schuld finde ich aber keinen Raum für die Betrachtung der Zusammenhänge. Und damit auch nicht die Stellen, an denen ich etwas lernen kann und meinen eigenen Anteil an der Situation wahrzunehmen. Dann muss ich auch mich selbst im Licht der Schuld betrachten, mich klein machen, ducken. Da kann ich nicht dran wachsen zu einem aufrechten, gut balancierten Menschen.

Da könnte ich dann schuld daran sein, dass die Kinder nicht mit Schule umgehen können. Dann habe ich sie nicht gut drauf vorbereitet. Sie nicht gut nachbegleitet und gestärkt. Und weil ich schuld bin, kann ich auch bestraft werden?

Die Strafe besteht schon darin mitanzusehen, was aus den Kindern geworden ist. Was von ihnen übriggeblieben ist, von ihrer Lebensfreude, Motivation. Wenn man es als Strafe ansehen möchte.

Der Zusammenhang ist da, ich möchte die Brille von Schuld als Auslegungsmöglichkeit ablegen. Ich möchte Opfer-Täter-Konstellationen ersetzen durch die Erkenntnis und das Verständnis des Zusammenwirkens der vielfältigen Beteiligten.

Denn es gibt auch Kinder, die lebendig und bewegungsfroh aus der Schule kommen. Warum also nicht meine? Die lebendig und bewegungsfroh waren, bis sie in die Schule kamen?

4 Gedanken zu “Schuld ist die Schule?

  1. Das gleiche Bild bietet sich mir, wenn ich in die Klassen (Gesamt-, und Förderschule) bin. Das Wort „Schuld“ beinhaltet viel Balast und eine Opferhaltung. Ich verwende stattdessen „Verantwortung“. Ich habe Verantwortung für mein Verhalten und somit muss ich nur dafür die Verantwortung tragen. Für das Verhalten der Anderen bin ich nicht verantwortlich, wenngleich dies in Lehrer- oder Autoritätssituationen nicht so eindeutig ist.
    Wir können nur in unserem Einflussbereich, das tun was wir für richtig und nachhaltig halten. Das Schulsystem wird zusammenbrechen (müssen). Was ich in den Gesamtschulen gesehen habe, zeigt eindeutig, dass die meisten Schüler gar nicht mehr beschulbar sind. Unterschiedliche Strukturen der einzelnen Lehrer, keine Konsequenzen, sondern nur Androhungen, die Noten werden erlogen… Zum Test habe ich mal eine Deutscharbeit in der 6. Klasse mitgeschrieben. Fazit: Ich konnte mich während des Tests gar nicht konzentrieren so laut war es! Begabte Schüler werden nicht gehört und gehen in diesem alt geführten System unter.
    Es bedarf mutiger LehrerInnen, die den Stoff gehirn-gerecht vermitteln. Trotz Schule die Vorgaben bewältigen ist die Herausforderung. Die nächste Generation von Lehrern ist weniger Opfer und ich habe Hoffnung, dass sich vieles positiv ändert.
    Komischerweise wissen wir alle wie es gehen kann, aber flächendeckend spüre ich keine Änderung. Prof. Hüther sagte: „Wir haben kein Erkenntnis-, sondern ein Handlungsdefizit.“ Lass uns handeln…

    PS. Da ich die Chance habe, eine Klasse den ganzen Tag zu verfolgen, kann ich sagen, dass die Klasse immer auf den jeweiligen Lehrer reagiert. DER Lehrer gibt die Orientierung vor. Ich habe Hochachtung vor der Arbeit der Lehrer; denn ich sehe jeden Tag, wie man bei den Schülern wieder von Null beginnt. Es scheint sich kein Lerneffekt einzustellen. Das erfordert sehr sehr viel Disziplin des Lehrers und dabei möchte er den Kindern noch etwas sinnvolles beibringen.
    Wir können nur einladen und vorleben, was daraus wird können wir sonst nicht beeinflussen. Es mag schade klingen, aber leben müssen die Menschen (auch KInder) dann doch selbst. LG

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    1. „Komischerweise wissen wir alle wie es gehen kann, …“ Mir z.B. fehlt dann der Mut, mich dazu „zu bekennen“, denn ich bin so erzogen, dass meine Sicht nicht zählt, und damit auch meine Bedürfnisse nicht gelten und ich mich unterzuordnen habe. Damit haben sicherlich viele Menschen zu kämpfen. „Meine“ Lehrer*innen wollen sich an die Regeln halten, müssen dafür aber ihre eigene Vernunft unterdrücken – was leben sie da vor?

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      1. Sie leben keine Authentizität vor. Das spürt der Mensch gegenüber.
        Wenn dir der Mut fehlt und du kein Problem damit hast, ok. Erst wenn du es ändern möchest und glaubst es nicht zu können, fühlst du dich als Opfer. Es gilt dann eine Handlungsfähigkeit zu finden, wie du damit umgehen kannst welche zielführend ist.

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        1. Ja, ich glaube, das trifft es. Zu glauben, dass ich nichts ändern kann, macht mich z.B. krank. Und ich schätze, auch vielen anderen geht es so. Nur dass sie den Zusammenhang noch nicht begreifen. Wenn ich als Opfer herumlaufe, fordere ich ja auch die Täterschaft der Anderen heraus (die dem nicht widerstehen können), ich denke da liegt dann auch mein Wachstumspotenzial, und das Weltrettungspotenzial 😉

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