Woche XXXXV | Freitag, 08.07.2016

Notenschluss.
Ab jetzt können Schülerinnen und Schüler freier atmen, ihr Handeln steht jetzt nicht mehr unter dem Aspekt, welche Note sie wohl dafür bekommen. Jetzt geht es nur noch um das Zwischenmenschliche. Das Eigentliche, wenn man mich fragt.
Jetzt geht es nur noch darum, ob man mit dem, was man sagt oder tut, den anderen zu berühren in der Lage ist. Und welcher Art diese Berührung ist: schmerzhaft oder angenehm, sanft oder kernig… ermöglicht sie Freundschaft oder macht sie Angst? Weckt sie Wut oder erregt sie Verachtung? Ruft sie Trauer hervor oder Ekel? Ist sie einfach nur überraschend?
„Nur“.
Jetzt, da Beurteilung und Bewertung für die letzten zwei Schulwochen entfallen, atmen wohl auch die Erwachsenen auf, ich insbesondere, weil meine Kinder viel entspannter sind, weil sie ansprechbarer sind und viel lebensfroher. Nun gut, der Jüngste ist ohnehin entspannter unterwegs, weil ihm nie solche Bewertungen drohen. Ja, vielleicht wirkt diese Erleichterung auch bemerkenswert heftig – die Intensität des Freudenschreies mag wohl Zeugnis dafür ablegen, wie sehr bis eben noch die Zwangsjacke gedrückt hat.
Wenn ich jemals wieder als Lehrerin in einer Schule arbeiten sollte, dann sowieso ohne diese Querschnittsstudien, die als Bewertungsinstrumente missbraucht werden, anstatt nur Auskunft über die Gesamtlage zu einem bestimmten Zeitpunkt zu geben, die bestenfalls die Basis für die weitere Arbeit darstellen sollte, aber keine Endabrechnung für die einzelnen Getesteten. Ich würde viel lieber erfassen, was alles gut klappt, aber das sagte ich ja schon an anderer Stelle.
Die Lehrenden in der Schule sind sicherlich auch erleichtert, können den Heranwachsenden menschlicher begegnen, stehen selbst nicht mehr unter dem opferlammzahm akzeptierten Zwang, durch die Bewertungsbrille auf ihre Schützlinge zu schauen, und alle Bemühungen immer nur auf das Erreichen des Jahrgangszieles zu lenken. Vielleicht können sie die Scheuklappen der Zielorientierung ablegen und die Kinder umfassender wahrnehmen, falls sie nicht schon im Automatikmodus festklemmen. Dann müssen sie wohl das Hervorbrechen der lebendigen Impulse der jungen Leute besonders kritisch beäugen und sich in ihren negativen Gefühlen bestätigt finden – „naja, ist doch klar, dass das bei denen in Mathe nicht klappen kann, so verpeilt wie die hier jetzt herumspinnen.“ (Ich schaue wohl etwas pessimistisch auf Lehrer*innen, vermutlich.)
Schließlich ist es nicht nur der berufliche Blick der Pädagog*innen, es ist das Merkmal unserer ganzen Alltagskultur: wir urteilen, werten und packen die Leute in Schubladen. Und viele landen eben unter der Aufschrift „Böse“ oder „Faul“ oder „Schlecht“. Da richten sie sich nach einigen scheiternden Versuchen der Richtigstellung ein, ganz nach dem Motto „Einmal dumm gestellt reicht fürs ganze Leben“, schützen sich so vor weiteren Verletzungen durch weitere Etikettiererei. So wie der Fuchs, der angesichts dieser für ihn viel zu hoch hängenden Trauben irgendwann postuliert, die seien eh zu sauer.
Es ist auch irgendwie bequem in so einer Schublade, man weiß, woran man ist, auch wenns nicht die erste Sahne zu schlecken gibt. „Ich kann das sowieso nicht“ bewahrt einen auch irgendwie davor, zu irgendwelcher Rechenschaft gezogen zu werden. Und davor, vielleicht von sich aus den Sprung aus dem Kasten zu wagen. Dazu muss er schon mächtig eng werden.
Wenn es soweit ist, dann kann man nur hoffen, dass die sich selbst Befreienden noch über einen Funken kindlichen Vertrauens verfügen, über eine spürbare Erinnerung daran, wie es ist, angenommen zu sein in seinem Wesen, und dass sie in der Sehnsucht danach, das wieder zu erleben, zu konstruktiven Mitteln greifen, um das herzustellen, was so schmerzlich fehlt.
Dass ihnen mehr einfällt als den Angsthasen der Nation, die entweder keine schlafenden Hunde wecken wollen und daher die heiklen Themen wie Menschenwürde nicht erörtern oder alles, wovon sie sich bedroht fühlen, aus dem Land verjagen wollen.
Ich hoffe, sie treffen dann auf Menschen, die mit Empathie und Verständnis gutes Geleit geben, die in ihnen das lebende irrende Wesen sehen können, das, wie auch sie selbst, auf die gegenseitige Unterstützung in einer Gemeinschaft angewiesen sind. Auch wir Erwachsenen brauchen das legendäre Dorf, um die Kinder groß zu kriegen. Um die Verirrten heimzuführen.
Ich jedenfalls.

Advertisements

Woche XXXXI | Freitag, 10.06.2016

Was für ein Drama! Die Aussicht auf ein Sportfest löst ein derartiges Unbehagen aus, dass ich befürchten muss, meinen Kindern könnte ernsthaft Schaden erwachsen.
Nun, ich denke, der Schaden ist ihnen bereits entstanden, nur aus üblen Erfahrungen heraus kann so eine intensiv-abwehrende Haltung entstehen. Also wieder ein Schulereignis, an das rote Tücher geknüpft sind.
Ich möchte voranschicken, dass wir nicht von vornherein skeptisch an Schule herangehen, ich habe Vertrauen in die professionellen Erwachsenen gehabt, als ich ihnen meine Kinder übergab. Im Laufe der Jahre musste ich mich über vieles wundern, und, ja, inzwischen äuge ich eher kritisch auf die Schule. Ich habe meine Kinder immer ermutigt und ihnen mit Rat und Tat zur Seite gestanden, ihnen Raum und Zeit für die Erledigung von Hausaufgaben gegeben, ihnen zugehört und bei Bedarf Vorschläge unterbreitet. Ich habe mich um sie gesorgt, wenn sie schlechte Noten heimbrachten, weil ich sah, wie geknickt sie davon waren, habe ihnen versucht zu zeigen, dass sie dennoch gute Kinder sind, in Ordnung, so wie sie sind. Dass es normal ist, wenn nicht alles auf Anhieb klappt, wie beim Laufenlernen. In der Schule wurde aber jeder Sturz zusätzlich noch bewertet: das macht das Straucheln zur Gefahr für das Selbstbild.
Schule ist ein Ort für uns geworden, an dem die Kinder vor Aufgaben gestellt werden, die wir zu Hause zu lösen bekommen. Meine Versuche, diese Aufgaben mit den Lehrenden zu erörtern, stießen auf Selbstverteidigung, Abwiegelung und klare Zuordnung in häusliche Verantwortung.
Sicherlich ist es meine Entscheidung, wie ich damit umgehe, ob ich es zum Privatproblem erkläre und im Stillen mein Süppchen koche oder ob ich dieses zunächst persönliche Thema in die Gesellschaft trage und ihr damit die Möglichkeit gebe, sich zu einer Gemeinschaft zusammenzufinden. Zu dem sprichwörtlichen Dorf.
Der erste Schritt dahin besteht darin, mich zu outen.
Mit einem Misserfolg.
Mit einem Versagen.
Mit einer Schwäche.
Mit dem Eingeständnis, es nicht allein hinzukriegen.
Mit dem Scheitern an der Forderung nach Perfektion und Richtigkeit.
Das sind alles keine Ruhm bringenden Anteile.
Solches zu zeigen verleitet noch viele Leute dazu, einem weitere Ratschläge zu erteilen, was man wie oder anders machen muss. Das verstärkt noch das Gefühl der eigenen Mangelhaftigkeit und zerlöchert das Selbstvertrauen weiter. Oder sie sagen, das sei doch alles nicht so schlimm – ohje, dann bin ich wohl besonders lebensunfähig???
Mein Kind konnte in seinem gegenwärtigen Umfeld niemanden konkret benennen, von dem es eine beschämende Äußerung zu befürchten hätte, wenn es tatsächlich eine schwache sportliche Leistung bringt. Das tröstet mich sehr, aber die Befürchtungen wirken dennoch und verlangen vollen Einsatz zu ihrer Entkräftung, damit überhaupt hingegangen werden kann.
Was allerdings nicht so schnell abzustellen geht, ist die Konsequenz dieser Leistungen für die Noten auf dem Zeugnis. Was das Festliche an diesem Sportfest in meinen Augen gleich wieder zerstäubt. Jegliche Bewertung beraubt solchen Anlass seiner Unbeschwertheit und der damit verbundenen lustvollen Entfaltung auch der kleinsten Talente und Potenziale, die in der Querschnitts-Bewertung ja doch immer schlecht abschneiden. Ein Fest nur für die Überdurchschnittlichen, die Guten.
Abgesehen davon ist es das Bedürfnis eines jeden Menschen, gute Ergebnisse zu erzielen. Wir machen es vielen systematisch unmöglich, wenn wir immer an Klassenzielen orientieren und nie die persönlichen Errungenschaften und Fortschritte eines Kindes ins Licht setzen (und wenn, dann hat es keine Evidenz auf dem Zeugnis), dann machen die mittelmäßigen und unterdurchschnittlichen Kinder andauernd Misserfolgserfahrungen, weil sie ja nie etwas richtig gut hinkriegen, wodurch sie gezwungen werden, in irgendeine Form der Lebensrettungsmaßnahme zu gehen – um ihre Würde, ihr Selbstwertgefühl, Selbstvertrauen nicht völlig zu verlieren.
Mein Kind hat definitiv was nachzuholen in diesem Bereich, wenn die Aussicht auf ein kleines Scheitern solche Panik hervorruft. Und hierfür braucht es „ein ganzes Dorf“, wenn wir nicht abgeschottet leben wollen. Denn das, was die eigenen Eltern sagen, muss vom Rest der Welt verifiziert werden.
Ach ja – Sport-FEST: ich denke auch, jedes Kind sollte eine Teilnahme-Urkunde erhalten, auf der die eigenen Werte draufstehen. Dann kann es von Jahr zu Jahr erkennen, wie es sich verbessert hat in den einzelnen Disziplinen, und es ist ein greifbarer Ausdruck für das Motto „Dabeisein ist alles, schön, dass du mitgemacht hast!“. Die Besten in den Altersklassen müssten sich zudem bei den anderen bedanken, denn ohne sie könnten sie ja gar keine Sieger sein, und es ist schwer für die anderen, Stolz auf diese Leistungen ihrer Altersgefährten zu empfinden, denen nachzueifern Freude macht.

Woche XXXIV | Montag, 18.04.2016

Fast hätte ich es verpasst – ist ja schon wieder ein Beitrag fällig geworden, wenn ich meinen Turnus einhalten möchte… Zum Start der 34. Woche dieses Schuljahres bewegten mich weniger die Sorgen meiner eigenen Kinder, sie sind vergleichsweise harmlos geworden. Mein kleines großes Mädchen, dessen Präfrontaler Kortex sich derzeit erheblich gestaltet, empfindet sehr scharf jegliche Art des Zunahetretens: insbesondere auch die Beschneidung ihrer eigenen Entscheidungen durch die in ihrer Schule gängige Unterrichtspraxis. Sie träumt immer kräftiger von selbstbestimmtem Lernen, von Begleiter*innen, die anregen und anleiten statt vorzuschreiben oder mit Benotung zu drohen. Von Räumen voller Material und Möglichkeiten. Sie hat die permanente Unterstellung der schülerischen Unwilligkeit mehr als satt.
Mein Grundschulkind geht ebenfalls wieder, wenn auch hustend, zur Schule. Seit ich nun andere Kinder mit Schulproblemen begleite, wird mir der Segen der benotungsfreien Rückmeldung noch einmal mehr deutlich und ich genieße es, diese Ablenkung vom eigentlichen Sinn des Erlernens der Kulturtechniken nicht auch bei ihm zu haben, und den Umgang damit am Ende des Tages als Hauptthema serviert zu bekommen. Ja, die Kinder verletzen sich an schlechten Noten, vielleicht schlimmer als an Schlägen auf den Hosenboden – da kann man sich wenigstens als tapferer Held feiern lassen. „Es macht gar keinen Spaß zu lernen, wenn man immer nur schlechte Noten bekommt“, gestand mir ein 9jähriges Mädchen kürzlich.
Ich arbeite mit den Kindern daran, dass sie trotzdem wieder an die Sache herangehen, erschließe mit ihnen den Spaß, den man daran haben kann, zu rechnen oder Botschaften schriftlich zu ver- und wieder entschlüsseln. Die Eltern bestärke ich darin, Eltern zu sein, keine Nachhilfepauker, und ihr normales Familienleben nicht für Hausaufgaben- und Übungsorgien zu opfern. Ich rede zudem mit ihren Lehrer*innen, möchte sie ermutigen, menschlich auf die Not der Kinder zu schauen. Sie sagen, sie müssen das alles schließlich in der Grundschule lernen, und ich frage, ob denn die Kinder, die sie mit schlechten Zeugnissen dann weiterziehen lassen, gelernt haben, was sie sollen. Das einzige, was geschehen ist, ist die Abarbeitung des Planes seitens der Pädagog*innen. Sie haben ihre Pflicht erfüllt. Die Kinder, die nicht das Glück haben, rein zufällig mit dem Tempo und der Darreichungsform der Unterrichtsinhalte gut klarzukommen, könnten sich diagnostizieren lassen, manche fahren weite Wege übers Land, um in eine LRS-Klasse zu gehen, stehen morgens dafür eine Stunde oder mehr früher auf, ihre Eltern mit ihnen, und kommen müde wieder heim, womöglich immernoch mit demotivierenden Erlebnissen. Abgesehen davon, als diagnostiziertes Wesen aus dem sonst Üblichen hervorzustechen, zementiert sich die Diagnose nachträglich noch, wenn die Resignation einsetzt.
Ja, hier in der Gegend gibt es einen Aufschrei, wenn ich das Thema Benotung anspreche und in Frage zu stellen wage. Die Eltern fürchten, ein wichtiges Instrument zur Erziehung ihrer Kinder zu verlieren. Für viele ist die Note die einzige Orientierung. Sie wissen dann sofort, ob ihr Kind „gut“ ist. Und wenn nicht, dann geht die Notfall-Maschinerie los: das Kind wird zu mehr Üben gezwungen, den Lehrpersonen in der Schule werden die Türen eingerannt. Schuld wird verteilt und zurückgewiesen. Der zweite Bildungsweg wird beschritten, monatlich viel Geld für Nachhilfe ausgegeben, da könnte man gleich in eine private Schule gehen, in der ein Kind in seinem Tempo lernen kann, individueller betreut wird und dann auch noch Freizeit behält, die für seine geistige und seelische Erholung unerlässlich ist.
Lehrer*innen beklagen sich, dass sie in der Schule die Erziehungsmängel der Elternhäuser ausbaden, ich selbst habe mich lange dagegen aufgelehnt, die Schädigungen meines Kindes durch die Schule ausgleichen zu müssen.
Und sehe ich es falsch? Steuerzahlende zahlen doppelt für ein schlechtes Schulwesen: entweder in Nachhilfe oder in private Schule fließt ihr Geld, beides macht die staatlichen Schulen nicht besser, die wiederum aus den Steuern derselben Leistungstragenden bemittelt werden. Und dann noch die Spätrechnung, wenn die Kinder krank werden, psychische Probleme bewältigen müssen oder, bei erfolgreicher Verdrängung, körperliche Leiden erleben müssen, die von all den Leichen im Keller hervorgerufen werden: „Das Gehirn macht aus Psychologie Biologie“, sagt Joachim Bauer in einem seiner Internet-Vorträge, der Körper ist das Gedächtnis unseres täglichen Empfindens, bis in die Gene hinein. Wann beginnt das Großreinemachen? Es ist Frühling, eine gute Zeit für den gründlichen Winterschlussputz! Für das Ausmisten all der Glaubenssätze und Ideologien, die uns von Mitmenschlichkeit im Umgang miteinander und mit uns selbst abhalten. Ich selbst bin intensiv dabei, und – es tut einfach gut!

Woche XXXIII | Montag, 11.04.2016

Für diesen Montag muss ich rückblickend schreiben, unsere Nabelschnur zum Netz der Netze war lahmgelegt. Ist ja auch eine Erfahrung für sich, letztlich ergeht es mir wie mit allen Gewohnheiten, wenn ich sie aus irgendeinem Grund nicht mehr ausüben kann – irgendwie bin ich dann etwas desorientiert und spüre eine Leere an Stellen, wo ich gewohnheitsmäßig etwas Bestimmtes tun würde. Was ja in dem Moment verhindert ist.
Am Montag behielt ich ein Kind mit Schnupfen und Halsschmerzen zu Hause, ich kann verraten, dass es mit dem einen Tag nicht getan war. Ich hatte also Gelegenheit, mich an alte Empfindungen zu erinnern: Hallo, du Alarmstimmung, Bereitschaftsmodus, du Suche nach Ursachen und Zusammenhängen für das Missbefinden meines Kindes. Davon hängen schließlich die zu ergreifenden Maßnahmen ab. Neben der körperlichen Versorgung gilt es psychische Ressourcen zu stärken, „Schaltkreisen“ auf die Spur zu kommen, die für die übermäßige Verausgabung sorgen, und abzuwägen, ob der jeweilige Zusammenhang akzeptabel ist oder nicht. Ich bin zum Beispiel sehr dafür, dass die Kinder lernen, schon auf kleine Anzeichen zu achten, sie wahrzunehmen, wie die Warnlampe im Auto, die auf zur Neige gehende Kraftstoffreserven hinweist. Ich habe große Freude am Experiment und lasse es auch gern einmal drauf ankommen. Nach dreimal Liegenbleiben auf Kreuzung, Autobahn oder in der Pampa wegen leeren Tanks wird mir das jedoch langweilig, lästig und ich werde die Warnlampe besser beachten.
Ich sehe durchaus, dass das Immunsystem jeden einzelnen Krankheitshelfer lernen muss und dass das Durchmachen eines Heilungsprozesses auch zur psychischen Reifung beiträgt. Ich bin bis heute sehr froh, von mir zu wissen, dass ich Fieber überstehe und selbst gesund werden kann, aus eigener Kraft. Aus dieser Erfahrung ziehe ich auch die Gelassenheit, meinen Kindern solche Phasen zuzumuten, ohne gleich nach Fiebersenkern und Antibiotika zu angeln. Als Klein(st)kinder verbrachten sie im Fieberfall den Großteil der Zeit an meinem Körper, ich wusste immer hautnah, wie es um sie steht, und es gab auch irgendwie einen Temperaturausgleich zwischen uns. In sehr akuten Phasen griff ich zu nassen Wickeln, und ich lernte die Klassische Homöopathie lieben. Ich betrachte sie als Lernbegleiterin auf physischer Ebene, die Kügelchen geben einen Reiz wie ein Verkehrsschild oder eine Straßenkarte. Den Rest macht der Organismus selbst.
Außer dass mein Kind etwas zu lernen hat, um weiter leben zu können, und das Verhindern solcher Gelegenheiten dabei nicht hilft, schaue ich dennoch gern auch auf die auslösende Situation. Kinder brauchen je nach Reife unseren Schutz. Und auch als Erwachsene kommen wir nicht ohne gegenseitige Unterstützung aus, es sei denn, wir leben als Einsiedler zurückgezogen – aber eben auch in einer Höhle irgendeiner Art, die uns vor allem Möglichen schützt, mehr oder weniger, und mit Gegenständen, die jemand anderes hergestellt hat. Selbst auf der Erde kommen wir ohne den Schutz durch die Atmosphäre, die uns natürlich auch mit der Luft zum Atmen versorgt, keinen Meter weiter, die kosmische Strahlung würde uns in kürzester Zeit verbrutzeln. Ich will mein Kind also auch schützen und habe ein individuelles Gefühl für seine Belastbarkeit. Kein objektives, aber eins, was meine eigene Belastbarkeit mit einbezieht, denn ich bin diejenige, die mit „ausbaden“ muss, was die Welt ihm einbrockt. (Und ich tue das wie alle Mütter auf eigene Rechnung. Wenn der Segen fürs Leben und die Gesellschaft gesehen würde, müsste sie das finanziell bedingungslos mittragen. Aber solange ich damit praktisch mein Privathobby habe, kann es mein Ruin werden.)
Ich suche vor allem da, wo mein Kind die meiste Zeit des Tages verbringt: in der Schule. Ich bin nicht einverstanden, dass es zwar zu allen möglichen Lernthemen und Tätigkeiten bewegt wird, aber keine Ermutigung und Gelegenheit findet, sein Pensum, seine Arbeitsweise, und die Reihenfolge seiner Inhalte selbst zu wählen. Es kann sich nicht einfach mal lang ausstrecken, wenn es das Bedürfnis hat, und von ausreichend Bewegung kann gar nicht die Rede sein in den höheren Jahrgängen. Auch findet es nur gleichaltrige Gleichratlose, wenn Erwachsene bestimmte Bemerkungen machen oder Maßnahmen ergreifen, um das schulische Lernen zu retten, die aber auf Kosten des Kindes gehen. Weil sich niemand die Mühe machen will, ihm gleichzeitig seinen individuellen Weg zu gestatten und das damit verbundene notwendige Gespräch zu führen. Dafür bleibt nur das (zunächst) blinde Vertrauen, denn kaum einer hier hat Erfahrung im nicht unterdrückenden oder homogenisierenden Umgang mit Vielfalt. Nach meinen persönlichen Erfahrungen erfordert das auch ein tiefgreifendes Umdenken bei den Erwachsenen. Sie müssten vor allem ihr Bild vom Kind radikal ändern, beginnen, es als lernfreudiges Wesen anzusehen, das mit dem passenden Futter versorgt sein will und mit der passenden Begleitung, die nach meinem Dafürhalten von Kritierien wie Gleichwürdigkeit geprägt sein müsste. Das macht aus den Kindern keine kleinen Erwachsenen, aber sie werden in ihren Bedürfnissen genauso spezifisch gesehen, wie auch der Erwachsene mit seinen.
Am Ende des Tages hat sich also bei meinem Kind so viel angesammelt, dass dieses Ende des Tages kaum lang genug ist, um alles anzusprechen. Geschweige denn, Wesentliches herauszufiltern und zu benennen. Mein am Montag krankes Kind hat sich erschöpft an entmutigenden Äußerungen von Lehrer*innen, die in den Jugendlichen kaum Lernwilligkeit vermuten, an Langweiligkeit des Unterrichtes und der meisten der zu erledigenden Aufgaben. Es hat sich erschöpft, weil es in seiner Freizeit noch so viel erleben und ausprobieren wollte: Nähkurs, Ballettprobe, Albern mit Freunden, und natürlich das sich in die Nacht verlagernde biologische Programm der pubertären Reifung, dem im Schulalltag ebenfalls keine Rechnung getragen wird. Kein Wunder, dass wir aussterben. Nachdem schon die natürlichen Lernhilfen behindert und blockiert wurden durch die Schule, kommen jetzt auch die natürlichen Fortpflanzungshilfen auf dieselbe Liste. Partnerfindung, Paarerfahrungen, Gruppenleben können kaum regulär erprobt werden in dieser Zeit, in der der Frontallappen reift und seine koordinierenden Fähigkeiten erprobt, Werte selbst abzuwägen lernt. Vereinbarkeit von Schule und Familie, später Beruf und Familie ist jetzt schon nicht gegeben für unsere jungen Erwachsenen. Und für’s Irren und Scheitern gibt’s Strafen, Bloßstellung oder „nur“ schlechte Noten in den in der Schule offenbar werdenden Bereichen, fachlich zugeordnet oder unter Arbeits- und Sozialverhalten abgerechnet.
Klingt alles etwas schwarz, auch in meinen Ohren. Ich vermisse das Interesse am lebendigen Gespräch über diese Dinge. Und ich habe keinen eigenen Einblick in das tägliche Geschehen und Miteinanderumgehen in der Schule. Vielleicht ist alles halb so schlimm. Mit etwas mehr Transparenz könnte ich hier Gewissheit erlangen und meine Auslegung korrigieren.

Woche XXIX | Montag, 14.03.2016

Eines der besonderen Geschenke von Kinderbeschulung in größeren Gruppen ist definitiv der Läusealarm. Ich muss dann immer an die Szene in Monster AG denken, wo einer der Schrecker „kontaminiert“ ist mit einer Kindersocke o.ä. und sein Assistent den entsprechenden Alarm auslöst. Dann rückt ein Kommando von komplett verpackten Dekontaminierern an, sie sacken den Betroffenen ein und unterziehen ihn an Ort und Stelle einer umfassenden und rasanten Behandlung.
Die haben’s gut, sie arbeiten als Team, ich muss alles allein machen, aber nicht nur mit einem Kind, sondern mit uns allen, dann sämtliche Betten neu beziehen, alle Kuscheltiere ins Exil schicken, Mützen und Co. waschen, alle letzten Kontakte durchgehen, anrufen…
Auch das Bescheidsagen in der Schule ist was Spezielles. Ich schon wieder. Ich frage mich, ob mein Kleiner – denn er als Grundschulkind bringt sowas mit nach Hause – wirklich immer der erste ist? Und wenn ja, woher kommen die Biester hier? Ich denke dieses Mal über die Variante nach, dass andere Eltern lieber warten, bis irgendjemand Bescheid sagt, damit sie nicht diejenigen sein müssen? Ist doch aber auch Quatsch, es sei denn, man ist damit zufrieden, jeden Abend mit dem Nissenkamm zu hantieren oder hat die Zeit und die guten Augen, den Kopf des Kindes genauestens abzusuchen. (Jedenfalls kann es kaum daran liegen, dass man das teure Läusewaschmittel sowieso standardmäßig benutzt.) Oder aber wir sind eben empfindlicher mit der Haut, uns juckt es einfach schon bei einer einzigen Laus.
Das also mein Geschenk zum Wochenstart. Sonst scheint alles gut zu gehen, ich bekomme sogar von meinem Mädchen die eine oder andere Anekdote erzählt. Offenbar findet sie auch mehr Ermunterung in der Schule, ihr Erleben zu schildern oder sich für bestimmte Dinge einzusetzen. Einige Erwachsene dort fragen wohl neuerdings auch hin und wieder nach, wie die Heranwachsenden klarkommen. Ganz witzig finde ich die Aufforderung einer Lehrerin, dass die Kinder sich bitteschön unterhaltsame und kreative Erklärungen ausdenken und erzählen sollen, wenn sie eine HA nicht erledigt haben, anstatt sich nur so langweilig zu entschuldigen. Da lohnt es sich, die HA einfach anzufertigen, das dauert nicht viel länger. Aber natürlich macht es auch großen Spaß, sich Geschichten auszudenken, die möglichst unterhaltsam und gleichzeitig glaubwürdig sind und dann vielleicht darüber zu wetten. Nun bekomme ich wohl meine Kinder schonmal gesund und fröhlich wieder zurück und kann die Familienzeit für gemeinsame Unternehmungen jenseits der Krankenpflege nutzen. Z.B. in Ruhe und Gelassenheit draußen sein statt nur mal schnell, mit dem Hund spielen oder gar ein Hobby pflegen… (Läusealarm? Nicht wirklich.)
Mein Wochenende stand noch im Zeichen von Husten und Schnupfen, ein bisschen Einsatz im Garten hat mir aber Kraft und frischen Sauerstoff in die Zellen gegeben, Holundersuppe wirkt auch immer wieder Wunder – nun geht’s wieder los mit der sonst üblichen Aufgabenlage. Ein Berg Wäsche hat sich gesammelt, Projekte sind zu schreiben… (Na, und das Buddeln in der Frühlingserde ist kaum länger aufzuschieben, wenn man nicht in langem Gras wühlen möchte.) Ach – und hier gibt es keine Noten, hier gibt es ganz klare Erfolgsergebnisse: Entweder es wächst was und es gibt was zu ernten (wozu brauch ich dann noch eine „1“?) oder man geht leer aus und bleibt hungrig. (Da hilft ’ne 6 dann auch nicht weiter ;))
Ja – das könnte meine nächste Mission werden: Gute Zeugnisse für alle! Zeugnisse, auf denen drauf steht, was alles gut klappt, welche Schätze „gehoben“ wurden. Das ist auch absolut inklusionstauglich.

Woche VIII | Montag, 19.10.2015

Ja, ich geb’s zu, es ist noch Sonntag. Morgen früh habe ich nur keine Zeit, den Start in die Woche zu dokumentieren, so also dieses Mal mehr den Ausklang aus dem Wochenende und die Aussichten für den Wochenstart.
Beides: gut. Mehr müsste ich nicht sagen, wie meine großen Mädchen, wenn ich sie frage, wie es in der Schule war…
Dann kommen aber öfters doch Episoden zur Sprache, wenn ich nur hartnäckig genug nachbohre. (Spätestens bei Auftreten der Kopfschmerzen. Da Kkumhada keine hat, geht sie mir oft durch die Lappen. Sie lässt alles abprallen, irgendwie.) McFlitz plappert noch viel unbefangener aus der Schule als seine Schwestern in seinem Alter. Ihn hat die Sprachlosigkeit noch nicht ereilt. Naja, seine Schule paukt ihn ja auch nicht durch den Rahmenplan. Wenn er seinen Vortrag nicht halten möchte, muss er es auch nicht. Ohne Strafen oder Bewertung!!! Wir haben dadurch echt die Gelegenheit darüber zu sinnieren, wie schade es ist, dass nun die Anderen nichts über die Kartoffel erfahren konnten, und dass seine (halbherzigen) Vorbereitungen irgendwie umsonst waren. Und dass er beim nächsten Mal doch gleich aufrichtig sagen könnte, wenn ihm die Motivation fehlt, so dass ein besser anspornendes Thema gefunden werden kann… Es gibt da so viele Möglichkeiten, kreativ zu werden und Lösungen zu erdenken!
Kkumhada startet in eine Woche voller Tests und Klausuren. Sie nimmt es sportlich. Da sie nun die Zusage für ein Austauschjahr hat, das im Februar losgeht, fragt sie sich, ob ihr Aufwand denn dann überhaupt mitzählen wird, wenn sie in einem Jahr dann die zweite Hälfte ihres elften Schuljahres wieder aufnimmt, oder ob sie noch weiter zurückgesetzt den Faden wieder aufnimmt. Ich fragte, ob das Auswirkungen auf die Intensität ihrer derzeitigen Mitarbeit hätte. Ich meine, dass es so oder so eine Entscheidung ist, ob man Zeit absitzt und irgendwie rumkriegen will oder doch lieber lebendig teilnimmt.
Oishi-Kawaii nimmt Tests jetzt entschieden viel gelassener als ehedem. Einerseits habe ich ihr die Ignoranz und Arroganz vorgestellt, mit der sie den Prozeduren in der Schule unterworfen wird. Angeblich für ihr Wohl. Na, das haben wir ja erlebt. Dafür muss man keine Achtung oder Respekt haben. Auch nicht für die Leute (Erwachsene?!), die sich dem nicht entgegenstellen und die ganze Heuchelei aufdecken. (Vielleicht Mitleid, Verständnis. Aber kann man sie dann für so voll nehmen, wie sie das einfordern, und soll sie gleichzeitig schonen und Geduld mit ihnen haben?)
Andererseits ist sie im entspannten Zustand in der Lage, ohne viel zu üben ganz gute Ergebnisse zu erzielen, vorausgesetzt, sie hat im Unterricht nicht abgeschaltet. Das konnte sie inzwischen auch erleben und bekommt nun von dieser Seite Boden unter die Füße. Da sie ohnehin alles so intensiv wahrnimmt und schnell versteht, bleibt’s halt auch hängen. Nun scheint sie auch pauschale „Ansagen“ besser von sich fernhalten zu können, so dass sie etwas unbeirrbarer durch den Unterricht kommt.
Das Wochenende haben die Mädchen singend verbracht, im Jugendwaldheim mit dem Chor. Bei all dem Regen hatten sie lebendige Musik als Sonne für ihre Körperzellen…
McFlitz hat 2 Tage und Abende Lego gebaut, mit seinem Kumpel und allein, und heute abend war er immernoch nicht fertig. Die Schule kommt ihm da noch nicht so ganz gelegen. Nichtsdestotrotz – beim Einschlafen hat er mir erzählt, wie toll er sich fühlt als Drittklässler. Da kann man schon was. Ob das mit dem Vorlesen für die Ersties zusammenhängt?
Ich gehe morgen wieder hospitieren. Ich bin unglücklich, dass ich nicht so eindeutig vorfreudig auf die mögliche Arbeit an einer Schule schaue. Mein Problem: Zeugnis. Leistungsbewertung. Eine unüberwindliche Hürde, wenn ich schlechte Ergebnisse attestieren soll. Mal sehen, ich habe einen Gegenvorschlag erarbeitet. Vielleicht gibt es ja doch einen Weg. Und dann: in Ruhe und mit Freude und Kreativität Englisch erobern! Ja, das wär’s.

Woche V | Freitag, 02.10.2015

Schon wieder eine Woche rum. Heute schreibe ich erst am Nachmittag, gestern abend schlief ich beim Kuscheln endgültig ein, heute morgen ging gleich das Karussell auch für mich in die Vollen.

Alle Kinder waren in der Schule, keines befand sich in sichtbarem Alarmzustand. Oishi-Kawaii war ein bisschen aufgeregt wegen eines Vokabeltestes, Kkumhada ging wie immer kommentarlos ihrer Wege und McFlitz hat keine ernsten Sorgen in Bezug auf Schule. Allerdings holte ich ihn zu einem Zeitpunkt von dort ab, als er noch in einer unvollendeten Geschichte steckte, die er noch nicht zu seinem eigenen Besten lesen konnte: Im Aikido ist es wohl zu einer Auseinandersetzung gekommen, bei der er außer sich geriet. Seine Trainerin bestärkte ihn, dass er endlich mal selber sehen konnte, wieviel Kraft doch in ihm steckt, und dass er sein Potenzial ruhig zum Vorschein treten lassen kann – auch wenn es zunächst in Form von lautstarker Interessenvertretung geschieht. Man kann sich natürlich überlegen, ob Fenster einschmeißen (das war sein Hinweis auf mögliche Entladungswege) vielleicht durch etwas anderes ersetzt werden kann, in das die Wut fließen könnte…

Seit dem Schulelternrat sind zwei Tage vergangen, jetzt habe ich alle Kontaktdaten und kann die Impulsgebung starten, Steinchen ins Wasser werfen, Wellen machen. Ich möchte vor allem das leidige „das ändern WIR nicht mehr“ und „da können wir nichts machen“ loswerden, umwandeln. Oder jenes „das hat uns auch nicht geschadet“ widerlegen, wenn nicht gar entkräften.

Ich habe mich auch bei einer Schule gemeldet, in der ich vielleicht Offen Unterrichten könnte, je nachdem. Aber ich glaube, mein Platz ist eher außerhalb des „Systems“, jedenfalls für gewisse Zeit, auch um den Blick aus der Ferne zu behalten, auf das Großeganze. Einen Ort zu schaffen, an dem sich Kinder und Jugendliche mit ihrem innersten, lebendigen Kern rückverbinden können, ungestört aus sich selbst heraus die Bilder schöpfen können und sich selbst aufbauen. Sei es im Wort oder im Bild oder musikalisch. Oder handwerklich. Einen Ort, an den Erwachsene kommen können, die sich erinnern wollen und sich zu ihrer Lebensquelle durcharbeiten möchten,

Eine Mutter und ich haben auch schon überlegt, eine Zeugnis-Verbrennung zu organisieren. Ihre Entstehung ist höchst gesundheitsgefährdend und ihr Inhalt völlig unbrauchbar. Unsere Kinder in eine Massenabrichtungsinstitution zu schicken, „sie den Verhältnissen anzubequemen“, wie es Eva Strittmatter sagt, gefährdet das Kindeswohl. Ich habe es bei zweien meiner drei Kinder über Jahre erlebt. Und auch das Wohl der Familie ist nachhaltig beeinträchtigt. Mein Kleiner hat nur vereinzelt die Gelegenheit, aus dem Gleichschritt zu fallen und sich als den Anschluss verpassend zu erleben.

Unsere Verhältnisse sind lebensgefährlich, wir müssen Kinder von allem fernhalten, was wir Erwachsenen so machen. Straßenverkehr, Getreidefelder, Energiekraftwerke… Und wir haben asoziale Arbeits- und Lebensbedingungen: Vereinzelung, systematische Verantwortungslosigkeit, Unzuständigkeit, knauserige Bezahlung.

Ich möchte meine Kinder diesen Verhältnissen nicht anbequemen. Auch mich selbst nicht. Ich möchte mit Freunden arbeiten, die Früchte meiner Arbeit genießen und mit anderen teilen, tauschen. Ich möchte auf eine Weise arbeiten, dass ich gesund dabei werde, und nur ab und an einmal so, dass ich urlaubsreif bin. Ich möchte Arbeit auch nicht nur als Lohnbeschäftigung auffassen, auch das Reisen als Arbeit verstehen – Bildung. Die Arbeit am eigenen Heim genauso bewertet sehen wir die für jemand Anderen. Die Pflege guter nachbarschaftlicher Beziehungen muss genauso wertvoll gesehen werden wie die Führung eines Unternehmens. Na, die Liste lässt sich endlos fortsetzen.

Jetzt gehe ich erstmal ins Wochenende. Und in meinen Garten, den so lange vernachlässigten.

– + – + – + –

Nachgedanke. Die Kinder sind jenseits jeglicher Bereitwilligkeit. Ich saß vorhin in der Badewanne und klopfte an die Wand. Das ist gewöhnlich das Signal, dass jemand in der Badewanne Unterstützung braucht. Meine drei Kinder wussten, dass ich es in diesem Falle war, aber sie hatten es nicht eilig. Vielmehr mussten sie schlechtgelaunt klären, wer denn nun gehen soll…

Sie sind sicherlich feierabendreif, eine vollgepackte Woche liegt hinter ihnen. Aber Familienleben stelle ich mir trotzdem anders vor. Warum gehen sie nicht schlafen, wenn sie müde sind? Wonach hungern sie, nach einer Woche viel-zu-tun, dass sie ihren körperlichen Hunger aufschieben?