Woche XXXXII | Freitag, 17.06.2016

Angenommen alles um mich herum ist ein Spiegel meiner eigenen inneren Umstände, die Menschen, die mich umgeben, sind nicht zufällig diese Menschen mit ihren jeweiligen eigenen Naturellen und Verstrickungen. Alles, was ich in ihnen sehe, ist allein meine Schöpfung. Sind sie mir Lust oder Last, zum Lachen oder zum Heulen – ich lerne nichts über sie, kann nichts über sie lernen, ohne mich selbst dabei mit zu betrachten. Denn alles, was ich sehe, was sie tun, kann alle möglichen Bedeutungen für sie selbst oder andere haben, es ist im Grunde völlig gleichgültig in seiner unglaublichen Beliebigkeit, wenn ich es nicht als die Palette der Möglichkeiten in mein Leben hole und mit Bedeutsamkeit belege. Es zählt immer nur das, was mit mir irgendetwas zu tun hat, was eine Regung bei mir hervorruft. Ich kann vielleicht aus der Palette der Deutungen wählen, wenn die aktuelle mir nicht passt. Also, wenn ein Verhalten mich alles andere als erfreut. Wenn ich Wut, Trauer oder andere unbequeme Empfindungen habe in Bezug auf Situationen und Handlungen anderer Menschen. Sonst gäbe es ja keinen Grund, alles zu überdenken. Ich könnte also versuchen, aus einem anderen Blickwinkel draufzuschauen und so alles ins rechte Licht zu bringen, ich könnte aus einer Negativ-Betrachtung in eine konstruktive Umdeutung finden. Was ich daran merken würde, dass aus dem Unwohlsein in Bezug auf die Lage Freude wird.
(Reicht das wirklich? Oder braucht es Umstellungen?)
So werden alle Menschen um mich herum zu einem Buch, in dem ich über mich selbst lesen lernen kann. In dem ich herum wandern kann, bis ich die heimeligen Orte und Blickachsen kenne und auch die Wege dorthin. Ich richte mich ein, in Bezug auf die Gegebenheiten, die inneren und äußeren, falls man das überhaupt so trennen und nennen kann. Dann ändert sich mal was, alles fließt, die Erde dreht sich weiter oder ein Mensch kommt dazu oder verlässt die Nähe. Ich plumpse aus meiner Komfortzone heraus, und darf mich auf den Weg machen, die Harmonie wieder zu finden. (Herzustellen?) Auf die nächste Wanderung des Lernens oder Festigens. (Schöpfen? Gestalten?)
Anspannung – Entspannung. Ein fortwährender Wechsel.
Aber wie ist es mit den Kindern, die durch mich auf die Welt gekommen sind? Was sind sie auf meinem Bildschirm?
Es heißt, die Schwächsten tragen und zeigen die Symptome. Sie sind in meinen Garten geboren und in ihn hineingewachsen, und sie bringen die Wirkungen zum Vorschein, die dieser Garten zeitigt. Wie das Kind im Märchen, das ruft: „Aber der hat ja gar nichts an!“ Der Kindermund tut Wahrheit kund, sagt man.
Wenn mir nicht gefällt, was ich an meinen Kindern beobachte, dann handelt es sich wohl folgerichtig um eine unbequeme Wahrheit über mich selbst? Wenn ich dann die Kinder zum Arzt oder Psychologen oder Therapeuten schleppe, dann diagnostiziert der letztlich meine eigenen Baustellen? Da sie als Lebewesen eine Eigendynamik haben, will ich mir das nicht einfach linear-mechanisch vorstellen, es ist wohl das Knirschen an der Schnittstelle, am Interface, das durch meine Beschränktheit ermöglicht wird, durch mein jeweils noch mangelndes Wissen und Verstehen. Durch das ich, zwar für mich bisher tolerable oder aushaltbare, Kompromisse aufgezeigt bekomme, die jetzt, mit Jungpflanzen, nicht mehr haltbar sind, wenn ich diese nicht leiden und darben sehen will.
Wieviel Verantwortung können die Kinder selber übernehmen? Solange sie nicht erwachsen und eigenständig sind, glaube ich, keine. Sie bleiben mit ihren Antwort- und Handlungsmöglichkeiten immer durch ihre Abhängigkeit beschränkt. Immer nur reaktiv. Bei aller Erfindungskraft, die sie dabei einsetzen mögen. Solange sie Heranwachsende sind, brauchen sie sie, um von ihrem Platz aus den Weg zum Licht zu suchen, und koste es Verrenkungen aller Art. Augenhöhe und Verantwortlichkeit kann erst bei Reife und Ausgewachsensein eingefordert werden. Bis dahin geht es um den Weg nach oben, mit allen möglichen Experimenten und Erfahrungen. Die ich Erwachsene entweder einräumen, begleiten und betreuen kann, oder aber nicht – wenn ich selbst diese Wachstumsaufgaben noch nicht gemeistert habe. Das zeigen mir meine Kinder.
Das zeigen Kinder ihren Lehrer*innen.
Alle Verantwortung für das Lernen der Kinder liegt bei den beteiligten Erwachsenen. Denn die Kinder lernen, und tun die ganze Zeit nichts anderes. Sie lernen ihre Umgebung. Mit Wiederholung als der Mutter der Weisheit und anhaltender Übung als dem Vater der Selbstverteidigung und Lebensrettung. Sie übernehmen die erfolgreichen Strategien und Wege der Großen, um ihre eigene Nische zu finden, ihren schützenden Wachstumspfad hinauf zu den ausgewachsenen Wipfeln.
Dann erst können sie aus unserem Schatten treten und im ungefilterten Sonnenlicht eigene Antworten erschaffen.
Wenn die Kinder in unseren Augen nicht gut lernen oder Schwierigkeiten in oder mit der Schule haben, dann ist es unsere Aufgabe als Erwachsene, uns darum zu kümmern. Wir müssen die Antworten geben. Wir müssen den Raum für das gewünschte Wachstum geben, Zugriff auf die „Nährstoffe im Boden“ gewähren und die Richtung sichtbar machen, aus der das Licht kommt – in der das Ziel liegt. Da hilft auch kein Ziehen und Schieben und Stützen, wenn das nicht zu sehen ist.
Meine Beobachtungen und Gedanken zum Schulleben meiner Kinder bescheren mir am Ende der 42. Woche dieses Schuljahres eine Erkenntnis, für die sich mein Blogvorhaben gelohnt hat. Alles ist klar vor meinen Augen. Ich fühle mich ganz leicht. So ein schönes Gleichnis! Diesen Platz in meinem Garten muss ich mir gut merken (werde ich ihn wiedererkennen?) und den Weg dahin sicherlich noch öfters suchen, bis ich ihn wieder finde. Aber nun weiß ich, dass es einen solchen Ort gibt, und ich werde das nie vergessen.
Ich habe noch Einiges zu tun, wenn ich glückliche Kinder sehen will. Vor allem ist da Angst zu überwinden. Oder aufzulösen. Angst zu versagen, Angst für mich einzustehen, Angst Probleme anzusprechen und Konflikten ins Auge zu sehen. Angst, meine Stärken zum Vorschein zu bringen. Ich habe das in meinem Leben noch nicht gemeistert, bisher ist es immer misslungen. So oft, dass ich des Lebens direkt müde geworden bin, mit all seiner Vergeblichkeit und Enge. Ich lege nicht Hand an mich, selbst zu so einer Aktion bin ich zu müde. Ich richte mich einfach unmerklich zu Grunde. Nach aller Wut meiner Jugendjahre, dem Kopfzerbrechen während der Kinderpflege, der Trauer im Abschied von der Zuversicht – heute nun diese klare Sicht in den blauen, sonnendurchfluteten Himmel!
Ich erhebe mich über die letzten Schatten meiner eigenen Kindheit, scheint’s.
Wohlan.

Woche XXX | Freitag, 25.03.2016

Vor drei Monaten war Weihnachten, die diesseitige Feierlaune hielt sich in Grenzen, viel verlockender war es, diese freie, unschulverpflichtete Zeit mit den vielen Sättigungsquellen hinter den Bildschirmen zu verbringen, sich zurückzuziehen von den nervigen Verpflichtungen gegenüber anderen Menschen – jedenfalls bei den Kindern, und auch dieses Mal habe ich in den Ferien reichlich Gelegenheit, meine Angebote und Wünsche in Bezug auf die Kinder und unser Familienleben mit den Boni der virtuellen Welt ins Verhältnis gesetzt zu erleben.
Ich vermute ja meistens Flucht, wenn ich die Kiddies vorm Bildschirm sehe, aber es darf auch gern ein Fantasy-Buch sein oder Lego-Welten auf dem Wohnzimmerboden. Natürlich ist ein Treffen mit Busenfreundinnen in 3D und zum Anfassen davon kaum zu toppen, aber die Begegnung mit der eigenen Mutter schon. (Das spricht Bände, nicht wahr?)
Also Flucht ist ein Aspekt, aber was finden wir in den Tiefen des Internet, was uns das analoge Hierundjetzt nicht bieten kann?
Für meine Kinder freue ich mich, weil sie recht unkompliziert auch Freunde treffen können, die sonst immer zu Hause bleiben müssen, wenn sie sich verabreden wollen. Natürlich wünsche ich ihnen die echten Begegnungen, aber die jeweiligen Eltern haben dieses Bedürfnis nicht ganz so im Auge wie ich. Oder auch dann, wenn eben kein Bus fährt, sie sind weniger abhängig von der (fehlenden) Infrastruktur vor Ort.
Aber auch weniger abhängig von den Menschen vor Ort. Wenn hier nun einmal keine passenden Freund*innen zu finden sind – Zeit, Chemie, Interessen, Alter etc. – und somit man selbst irgendwie einsam bleibt in der Menge, dann bietet die Telefonleitung doch die Möglichkeit einer befriedigenden Verbindung. Mir selbst geht es ja auch so. Und dank dieser Schreibplattform kann ich Leute finden, die sich mit mir über meine Lieblingsthemen austauschen möchten, Leute, die widersprechen oder gleich gesinnt beipflichten – alles sehr befruchtende Impulse. (An dieser Stelle danke!!!)
Und dann der Hunger nach allen möglichen Ideen, Rollen, Experimenten! Jenseits von Räuber und Gendarm, aber nicht irgendwie doch auch wieder ähnlich. In einer Unzahl von Variationen. (Da kommt mir der Denkspruch „Alles ist Nichts, und aus Nichts kann Alles werden“ in den Sinn.)
Die Zeit, die wir miteinander verbringen, hält sich in Grenzen. Ich brötele gern mal für mich allein herum, bin froh, dabei nicht unterbrochen zu werden. Klar, als Mutter bin ich immer irgendwie im Bereitschaftsmodus, lasse alles stehen und liegen, wenn Not am Kind ist. Oder um echte Not zu vermeiden. Das hat natürlich nachgelassen, seit ich keine Windeln mehr wechseln muss. Aber die Art, wie wir diese Zeit verbringen, ist wesentlich: Vielleicht bringt Baymax das analog auf den Punkt, als er sagt, „…wenn Fliegen mich zu einem besseren Gesundheitsbegleiter macht…“ (sinngemäß). Wenn die Zeit in den persönlichen Höhlen und Welten dazu beiträgt unser Miteinander zu verbessern, dann habe ich nichts zu bemängeln oder befürchten. Wenn aber unsere gemeinsame Zeit explosiv ist, jeder irgendwie dauernd ungeduldig (re)agiert und vielleicht sogar verletzend wird, dann schiebe ich die Schuld gewohnheitsmäßig gern auf die Daddelei, die ich ja so großzügig toleriere.
Neuerdings nehme ich jedoch unser Miteinander diesbezüglich unter die Lupe: Welche Automatismen und Selbstverständlichkeiten pflege ich im Umgang mit meinen täglichen Nahestehenden, -sitzenden, und lebenden? Meine Kindheit fand statt im Kontext von Gehorsam, eine Ansage, und dann ein Mensch – ein Wort, ein Wort – eine Tat. Keine großen oder kleinen Abstufungen, nur Sanktionen bei Nichtbefolgen. Durchaus auch mündlich, in Form von „Vorträgen“, Leviten oder anderen Ansprachen, die aber fernab von Gesprächen in Gleichwürdigkeit waren. Ich war dann die Dumme oder Böse. Oder Undankbare. Es gab beschämende Strafen und unterwerfende Bedingungen, wenn ich nicht den Wünschen und Vorstellungen meiner Umwelt entsprach. Ich hatte auf der anderen Seite jedoch auch sehr viel unbehelligte Zeit, vielleicht auch weil ich mich gern still beschäftigte. Da fällt nicht gleich auf, womit. Ich dachte viel nach, hatte Fragen, kam auf Situationswitze (oft im Stillen, weil als unangemessen empfunden, wenn es von einem Kind kam) und beobachtete Ironien des Schicksals.
Meinen Kindern kann ich mit den Automatismen aus diesen prägenden Jahren nicht kommen. Ich stehe vor der Wahl, sie als vollwürdige Menschen anzusehen, die eher ruhige Begleitung und Aufklärung brauchen, oder als unmündige Unfähige, denen mit Kritik und Zurechtweisung das Leben gerettet werden muss.
Ich übe ersteres, versuche die Schwerkraft nicht aufzuheben und sie nicht in Watte zu packen, wenn ich meine Grenzen und die unserer Welt geltend mache und verständlich.
Frohe Ostern, und Großer Geist vergib uns, denn wir wissen nicht, was wir tun!

Woche XXVII | Freitag, 04.03.2016

Noch am selben Abend ereilte mich die Schule doch wieder: in Form von Hausaufgaben. Genau gesagt, mehrfach nicht angefertigten Hausaufgaben, die nun mittels Androhung einer Sechs eingefordert werden sollten. Mein Kind wollte meinen Segen für einen Tag schulfrei. Es ging ihm wirklich schlecht, diesem geplagten Wesen. Das Hauptproblem mit den HA: sie sind langweilig, haben nichts mit der Interessenwelt meines Kindes zu tun, und niemand hat sich die Mühe gemacht, eine Verbindung herzustellen. Da hatte mein Kind aber nicht nur ein Problem sondern zwei: Ich wollte da nicht so einfach mitspielen. Eine Woche lang hatte es sich nicht die geringste Mühe gemacht, irgendeine passable Lösung zu finden. Die Strategie bestand darin, die Augen zu verschließen, solange es ging, und damit das Problem unsichtbar zu machen. Es ist nur dummerweise nicht verschwunden. Ich meinte, es solle zu seiner Meinung stehen und sie vertreten und jetzt nicht kneifen. Das ist natürlich leicht gesagt.
Immerhin ließ es sich dann auf das geringere Übel ein, die Aufgabe dazu zu nutzen, seine Meinung anzudeuten und gleichzeitig guten Willen zu zeigen, indem überhaupt einige Sätze zu Papier kamen. Diesen Vorschlag hatte ich schon Tage zuvor unterbreitet. Alles braucht seine Zeit.
Am Ende hatte wohl auch die Lehrerin keine Lust, wieder Pech zu haben, jedenfalls wurde die HA gar nicht abgefordert…
Am Vorabend des letzten Schultages dieser Woche nun wieder ein Drama. Wieder Hausaufgaben. Jedoch eingebettet in eine ganze Sammlung von Übelkeiten, die meinem Kind zu schaffen machen. Sein ganzes Leben ist im Moment scheiße. Ich glaube, das ist kein Wunder, jetzt schlägt die pubertäre Neuverkabelung im Oberstübchen zu. Meine Große hatte das meiste eher im Stillen und mit sich selbst abgemacht, die „Kleine“ ist da viel explosiver und enthält uns nichts vor…
In Sachen HA habe ich das Argument gelten lassen, dass dieses gepeinigte Kind kein Papier verschwenden wollte. Was man im Kopf hat, muss man nicht aufschreiben, also warum nicht mündlich? Solange ich keine Argumente bekomme, die dagegen sprechen, sich mit der Materie zu befassen, ran da! Immerhin haben wir uns für die Schule entschieden und nicht für den Abbruch, das Kind möchte ein Abitur in die Tasche bekommen und mit seinen Freunden zusammen sein. Kein Freilernen oder Homeschooling oder Sabbatjahr zur Selbstfindung und Orientierung im Universum. Wir hatten nicht den Mumm dazu. Und wenn nun schon Schule, dann ran da, und notfalls die Mutter als Eltern(vertreterin) oder das Kindchen selbst zu Schülervertretung, Sozialarbeiterin, Klassenlehrerin, Schulleiter hin und die Dinge ansprechen. Aber nicht einfach kneifen. Damit ist es jetzt vorbei. Auch für mich.
Wir haben obendrein ein Experiment vor: In der kommenden Woche soll der Bildschirm erst nach dem Abendbrot zu Freizeitzwecken herangezogen werden. Die Zeit bis dahin soll der Erholung, Bewegung, Hobbys, Hausaufgaben oder Haus-/Hof-/Gartenarbeiten vorbehalten sein, Kreativität ja gerne, aber nicht am Bildschirm. Zu schnell sind die üblichen Fluchtwege zu erreichen, wenn die Kiste einmal an ist. Und da sie nicht zur Verbesserung des Familienklimas beiträgt, ist sie von kaum einem wünschenswerten Nutzen. Bin gespannt.
McFlitz ist ruhig durch die Woche gesegelt. Er hat noch eine Englisch-HA offen, meinte, er würde es dann eben im Unterricht aufschreiben. Er hat keine Drangsalierungen zu befürchten, also bleibt die Erörterung wirklich der Sinnfrage vorbehalten. Wow. Das fühlt sich gut an! Er kann sich wirklich dafür entscheiden, sie anzufertigen, weil er die Vorteile jenseits einer Strafvermeidung in Betracht ziehen kann! Hier: da er lange braucht zum Schreiben, hat er zu Hause mehr Ruhe dafür. Und kann im Unterricht darauf zurückgreifen und in Ruhe Neues lernen.

Woche XIII | Freitag, 27.11.2015

Frei beweglicher Ferientag Nr. 2. Die Kinder schlafen noch. Gestern hatte ich starken Drang, sie vor sich selbst und ihrer Versenkung in Bildschirm und Büchern zu bewahren, ich bestand darauf, dass sie an die frische Luft gingen. Was für ein Kampf! Ihre Bedürfnisse nach Selbstbestimmung, Kreativität, Muße, Zuwendung sind alle im roten Bereich, was kann man da schon an einem Tag ausgleichen, und wo fängt man an? Ja, Daddeln macht Spaß, die Biochemie des Spaßes ist notwendig und ist eine wichtige Medizin. Aber ich frage, wie nachhaltig der Spaß denn bleibt, und weil er mit dem Ausschalten des Gerätes oder dem Zuklappen des Buches verschwindet, sehe ich ihn nicht als wirklich hilfreich an – zumal er mit einer schlimmen Körperhaltung bezahlt wird…
Also bin ich mal wieder die Böse, die die Kinder an ihrem Spaß hindert. Ich lege fest, dass sie eine Stunde draußen zu sein haben, dass PC und Lesen etc. nur 20 Minuten am Stück sein darf. Dass eigene Aktivitäten oder eben Schlafen dran sind und sein müssen, auch wegen des länger anhaltenden Glücksgefühls.
Meine Oishi-Kawaii locke ich mit einem Streit aus der Reserve und bringe sie dazu, ihre verborgenen Regungen preiszugeben – sie explodiert endlich mal in Rebellion und wehrt verbal ab, was ihr nicht passt. Sie hat wieder mehr Schnupfen, was ich als Zeichen werte, dass sie von irgendetwas die Nase voll bekommt. Da ich von Krankenschwester-Diensten am eigenen Kind nicht leben kann, „drohe“ ich ihr mit Fremdbetreuung, falls sie nicht anfängt, ihre Sorgen rechtzeitig in Worte oder Bilder gefasst zu artikulieren, so dass ich mit so etwas Konkretem losziehen kann, um mein Kind zu vertreten. Natürlich kann sie das dann auch viel besser selbst, wenn sie einmal einen Begriff hat.
Ja, die Freizeit-Verwahrlosung versetzt mich in Alarmstimmung. Vielleicht auch nur, weil ich die Kinder gar nicht mehr in ihrer Bestform erlebe, sondern nur noch im Reste-Modus und im Hunger. Aber die wahre Verwahrlosung findet in der Schul- und Arbeitswelt statt, wenn nur noch Vorschriften und Pläne erfüllt werden, die Menschen einander als Vollstrecker begegnen, nicht als lebende Wesen mit Gefühlen.
McFlitz hatte eine lustige Lesenacht in der Schule, er ist weiterhin recht ansprechbar und ausgeglichen. Ich hoffe, dass sich meine Auftragslage nun bald merklich verbessern wird, damit wir uns seine Schule weiterhin leisten können! Ich stecke alle meine freien Kräfte in meinen beruflichen Start, ich habe die Freiberuflichkeit gewählt, es gibt hier keine Schule, die auf lebensentfremdende Kommunikation (M.B. Rosenberg) verzichten lernen will, und somit keinen Platz für mich in einer solchen. Moralische Urteile, Vergleiche, Leugnung der Verantwortung für das eigene Fühlen, Denken und Handeln, Forderungen, Lob und Strafe – das ist immernoch an der Tagesordnung. Basierend auf einem Menschenbild, das die Grundannahme der Faulheit und des bösen Willens akzeptiert.
Kkumhada macht sich Sorgen wegen der Finanzierung ihres Auslandsjahres und verliert zwischendurch die Zuversicht. Denn auch sie gibt immer wieder die Verantwortung ab oder überlässt sich der Selbstverurteilung. In dieser Haltung ist kaum Aussicht auf Besserung zu entdecken, nur wenn wir dessen bewusst bleiben, dass wir durch jeden eigenen Schritt weiterkommen, kann der nächste auch mit Freude gemacht werden.
Ich bin froh, dass meine Kinder im Chor singen können, gestern trällerten sie mehrstimmig bei der Vorbereitung des Abendbrotes – was für ein Lebensgefühl! Zur Abwechslung mal nicht die düstere Feierabenderschöpfung!
Mein Blog ist derzeit nur in seiner Tagebuchfunktion für mich vorhanden. Gegenseitige Besuche, Kommentare und Likes sind für mich in den Hintergrund getreten. Vorübergehend, meine ich. Ich finde es spannend, all die anderen Schilderungen zu lesen und in der Vielfalt zu „baden“. Meine Null-Statistiken gehen nicht gefühllos an mir vorbei, natürlich ist es irgendwie traurig, keinen Besuch gehabt zu haben. Wie ein Zuhause, in dem einen Keiner erwartet, in dem ich Keinen erwarte. Manchmal mag ich dieses Alleinsein. Manchmal nicht. Jetzt gerade reicht mir mein Blog als stummes Tagebuch.