Woche XXVIII | Montag, 07.03.2016

Da ich krank war, den Blick von gestern also heute. Ja, nun bin ich dran mit Ausfallen. Ich meine, nicht dass mir das zwischendurch nicht auch immer mal passiert, dass ich statt eines Vorhabens doch zur Ruhe gehe – der Plan ist das Eine, das Leben aber hat viel mehr Mitwirkende, als wir jemals einplanen könnten…
Doch dieses Mal gab es für mich keinen Spielraum, um meine Montagsvorhaben umzusetzen, eine Ruhephase einzuschieben und eben danach weiterzumachen, dehnte sich bis in den Dienstag Abend aus…
Meine beiden hier verbliebenen Kinder sind wie immer zur Schule gewesen. Die Große genießt immernoch die frühmorgendliche Bustour und besonders die Zeit, die sie vor dem Unterricht noch in der Schule hat. Es ist nicht meine Uhrzeit, ich bekomme es nur selten mit, dass sie aufsteht. Zum Glück kann ihr Papa das, so ist sie morgens nicht allein. Ich schätze, ich würde es über mich bringen, wenn er nicht da wäre, weil ich sie nicht allein lassen wöllte. Aber sie ist ja in guten Händen.
Mit dem Kleinen frühstücke ich schon eher, nur nicht gestern und heute. Ich habe sogar einen Kurs abgesagt, weil ich nicht auf dem Posten war, um ihn durchzuführen. Es ist ein Kurs, den ich voller Freude und Kreativität gestalten kann – ein Glücksfall, so zu arbeiten. Hat aber nicht gereicht, um mir den Genesungsweg abzukürzen oder zu raffen. Ich bin schonmal aus Protest gesund geworden, vor vielen Jahren. Ich hatte Angina und Mittelohrentzündung, lag allein auf meiner Studentenbude und sah irgendwie keinen Sinn in allem. Dann guckte ich auf N3 Regionalnachrichten, da wurde von irgendwelchen Jugend-Initiativen berichtet. Ich bekam so einen intensiven Anfall von „ich will dabeisein!“, dass ich innerhalb eines Tages wieder fit auf den Beinen war. Ohne Antibiotikum. Seit über 20 Jahren hatte ich keine derartigen Beschwerden mehr.
Diesmal habe ich heute vormittag endlich intensiv gefiebert, der Husten ist nun locker und meine Denkkraft ist heute nachmittag an der frischen Luft wieder erwacht. Mit ihr die Lust an der Weitergestaltung meiner Tage.
Zwischendurch ereilt mich die große Sinnfrage, so auch am Wochenende, als sich ein längeres Bemühen einfach nicht von Erfolg krönen lassen wollte. Die Einsicht traf mich nicht hart oder überraschend, dennoch hatte ich meine Schwierigkeiten, mich von der Idee zu verabschieden. Ich bin überzeugt, dass mein Husten die körperliche Reaktion auf dieses Ereignis war. Begünstigt durch eine schlaflose Nacht zum Montag, konnte das Geschehen seinen Verlauf nehmen. Ich habe mal einen Bericht über eine Studie gesehen, in der zwei Gruppen infiziert wurden, die eine durfte danach ungestört schlafen, die andere wurde ständig aufgeweckt. Die gut Ausgeschlafenen sind nicht erkrankt, die anderen ja. Nun weiß man nicht, wann man sich was einfängt, da ist es wohl angebracht, möglichst immer gut zu schlafen…
Ich hoffe, die Kids haben ausreichend Schlaf in dieser Woche, ich werde besser drauf achten, es bahnt sich sonst was an, will mir scheinen. Die Große hatte Kopfschmerzen heute, der Kleine rannte dauernd auf die Toilette, als wir zu Hause ankamen.
Mein Auslandskind scheint gut drauf zu sein. Ich würde auch gern mal ein Gastkind aufnehmen – wenn sich die Lage meiner eigenen stabilisiert hat und ich in Haus und Hof das viele Liegengebliebene besser im Griff habe. Jetzt bin ich erstmal froh, dass die Große einen anderen Lebensentwurf kennenlernen kann. Im fernen Osten.

Woche XXIII | Montag, 01.02.2016

Ferien, jaaaa! 2/3 Kindern krank. Wahrscheinlich auch eine Frage der Blickrichtung. Was wäre denn im Falle ihrer „Gesundheit“? Ein Plan, Ferienspiele, wäre umgesetzt worden. Und wahrscheinlich hätte ich es schwer gehabt, ihnen zuzugestehen, davon Abstand zu nehmen, wenn es keinen offensichtlichen und allgemein akzeptierten Hinderungsgrund gibt. Wie z.B. körperliche Hausaufgaben. Ja, ich selbst bin es, die in der Falle des Gehorsams feststeckt. Hier der Gehorsam einem irgendwann gefassten Plan gegenüber. In stillschweigender Akzeptanz der Verurteilung spontaner Umentscheidungen, gegen die sich Unternehmen mit Kostenberechnung schützen, wenn Kunden einen Termin nicht wahrnehmen. Und nur bestimmte Gründe sind akzeptiert als Notfall oder höhere Gewalt und werden nicht bestraft.
Die spontane Entscheidung bleibt ja ohnehin nur in Ferienzeiten möglich. Nun also spontan gar nix. Und ich lasse sie. Lasse sie spielen nach Herzenslust, zwinge keinen, den Schlafanzug auszuziehen und Tageskleidung anzulegen, lasse sie herumlungern und die Wege durch ihre von Lust und Laune getriebenen Aktivitäten wählen. In diesen Ferien bin ich viel gelassener. Ich kann sie jederzeit bitten, etwas mit mir gemeinsam zu tun, und ihre Bereitwilligkeit wird wieder stärker, wenn sie wirklich nein sagen dürfen oder merken, dass auch sie Freude am Zusammenspiel haben können. Ich nehme mir die Zeit, sie zu bequatschen, ist das nicht auch ein wahrnehmbares Zeichen, dass es mir wirklich um sie geht?
Sie sind also eher ganz gesund, dass sie mit „Krankheit“ reagieren und mir zeigen, dass wir Erwachsene es mal wieder mit irgendetwas übertreiben. Abgesehen davon ist es ja eigentlich völlig normal, dass unsere Körper auch ihre Anliegen haben und ihre Eigenheiten und von Zeit zu Zeit mit Bakterien und Viren hantieren, um Zellen auf- oder abzubauen. Ich war lange im Hader damit, empfand das als störend, auch jetzt noch, zumal diese Phasen nicht das pure Vergnügen sind. Rein theoretisch ist mir ihre Wichtigkeit schon klar, und aus meiner eigenen Biographie stehen mir einige Genesungserlebnisse als lebendige Beispiele zur Verfügung. Aber ich lasse mich wohl auch immer wieder gern von der zeitgeistlich üblichen Lesart beeindrucken, der nichts wichtiger ist, als alles weg zu impfen und Fieber zu verhindern und das Krankwerden überhaupt. Ich möchte es als genau so einen Arbeitsprozess ansehen wie die Erschaffung eines Kunstwerkes irgendeiner Art. Eben ein lebendes. Das Maß zu finden, Ausgewogenheit, Gegengewicht…
Also alles im grünen Bereich, es gibt ja auch nichts wirklich Alarmierendes. Nur dass sich die angedachten Ferienspiele halt auf eine ungeplante Ebene verlagern. (Aber dennoch: Wäre doch toll gewesen, wenn sie nach Herzenslust werkeln, schneidern und kochen gegangen wären.) Vielleicht bekommen wir ja noch Schnee zu sehen und zum Spielen, das könnte verlockend genug sein, um dem Schnupfen Konkurrenz zu machen…