Woche XXXXIV | Freitag, 01.07.2016

Wenn ich nach einem 3-h-Abend im Elternrat die ganze Nacht so inspiriert-aufgekratzt bin, dass ich erst eine Stunde vorm Aufstehen einnicke, und dagegen nach 4,5 Stunden Teilnahme an der Schulentwicklung völlig verspannt und kopfschmerzig in die Federn falle, dann macht sich darin deutlich, wo das Leben pulsiert und wo es erstarrt.
Allerdings hege ich Hoffnung, denn auch in der Schule regen sich unter den Erwachsenen Kräfte, die nach Lebendigkeit lechzen.
Mein Part war gewesen, da zu sein. Ich habe in einer Arbeitsgruppe auch eine Beobachtung eingebracht, die sich auf das Erleben der Kinder bezieht, die Vorträge halten dürfen anstatt Klassenarbeiten zu schreiben. Die Rückmeldungen der anderen Schüler*innen kommen dabei dazu, was die Note in den Hintergrund rückt, die es natürlich auch noch gibt. Aber sie ist nicht mehr der einzige Grund für Vorbereitung. Und auch die Erweiterung der Jury von einem Erwachsenen, der sich Objektivität anmaßt, auf 20 oder mehr Personen bringt mehr Realismus in die Auswertung. Ich habe also gesagt, dass hier ein Sinnzusammenhang entsteht, in dem und für den gelernt und vorbereitet, erarbeitet und eingeübt wird. Das motiviert. Und zu wissen, man bringt anderen etwas bei, denn nicht alle halten denselben Vortrag zum selben Thema, macht die Sache erst richtig rund. Zumal man gern aus der Peergroup lernt, schnell und ohne die Hürden der Generationen oder besser gesagt der Hierarchie, denn solange von Schüler*innen Respekt verlangt wird bei gleichzeitiger Ignoranz ihrer Gleichwürdigkeit, ist es weniger der Altersunterschied, der den Weg des Wissens versperrt.
Es ist also nochmal richtig spannend geworden für mich, drei Wochen vor den Ferien.
Es haben sich nun einige Eltern mehr in die Aktivität locken lassen. Sie denken über Fragen der Gestaltung nach, über Werte, die belebt werden müssten. Sie wollen Impulse geben.
Ich bin so froh! Vor drei Jahren noch war ich ziemlich einsam auf meinem Posten. Mit meinen Träumen.
Jetzt frage ich mich, wie ich mein Zögern wohl rechtfertigen will…
Ich habe also erstmal „hospitiert“ und die Stimmung kennengelernt, in der Schule beschlossen wird von den Lehrenden. Meine Hoffnung liegt auf den Jüngeren, und bei ihnen insbesondere bei denjenigen, die sich andere Schulen ansehen, die sich Gedanken machen um ihr Menschenbild, um ihre eigene Freude an der Arbeit. Es ist heikel, Lehrern erzählen zu wollen, was man sich wünscht oder wie man sich etwas vorstellen könnte. Aber hier tauchen plötzlich mehr von der Sorte auf, die interessiert sind und es wissen wollen. Die nicht in erster Linie befürchten angegriffen oder infrage gestellt zu werden. Die nicht in Verteidigungs- oder Rechtfertigungshaltung übergehen, wenn man naht. Sondern die sogar fragen, wie man etwas sieht!
Wenn ich sehe, wie sich einige um Leben bemühen, bekomme ich Lust, sie zu unterstützen. Ich mache also den Mund auf und bringe meine Beobachtungen ein.
Mein nächstes Anliegen ist die alltägliche Spürbarkeit demokratischer und freiheitlicher Werte in der Schule. Das bedeutet konkret die Förderung des kontinuierlichen Rückmeldens und der Formulierung eigener Gedanken und Anliegen durch die Heranwachsenden. Und es bedeutet auch konkret, dass Schüler*innen und Eltern informiert werden über ihre Mitwirkungsmöglichkeiten in den Gremien. Also – es bleibt interessant, und wird es noch mehr im neuen Schuljahr.
Wie habe ich es nur hierher geschafft?
Obwohl ich kein Fan von Druckmachen oder Konfrontation bin? Oder gerade weil?
Ich habe immer wieder eingeladen oder Mut gemacht. Habe Andere bestärkt, ihrer eigenen Wahrnehmung Stimme zu geben, es sich nicht ausreden zu lassen, wie sie etwas empfinden. Habe zugehört und genau erfragt.
War einfach nur da.
Habe selbst immer mal wieder Nachfrage erfahren.
Das hat mich neu beflügelt.
Ich habe meine eigene Heilung vorangetrieben, habe Denkmuster aufgespürt, mit denen ich meine Kräfte erschöpfte. Habe sie stillgelegt und neue Schaltkreise angelegt. Habe selber Einiges an Lebensfreude wiedererlangt und insbesondere die Entdeckung gemacht, dass ich, wenn ich ohnehin einen Unterschied mache durch mein Hiersein, diesen Unterschied doch auch kreativ gestalten könnte.
Wichtig ist mir auch, dass ich mich mit vielen Widrigkeiten versöhnen konnte. Sie sind deshalb nicht gleich zu neuen Vorlieben geworden, aber ich kann nun oft die „True Colors“ durchscheinen sehen, kann einen Menschen mit seiner ablehnenden, zurückweisenden oder provozierenden Haltung voll Wärme ansehen und das verschreckte Wesen dahinter hervorlocken, um es zu beruhigen.
Naja, nicht immer, aber ich habe den Zauber kennengelernt, der sich breitmacht, wenn es mal gelingt.
Ich habe Hoffnung. Und freue mich auf die nächsten Abenteuer.

Woche XXXXII | Montag, 13.06.2016

Für Kinder, die in zwei gegensätzlichen Kulturen aufwachsen, knirscht es mächtig, und sie müssen sich entweder dick polstern oder bekommen es mit allerhand Krankheiten zu tun – da stellt sich ein ganzer Körper mit seinen inneren Organen als Bildschirm zur Verfügung.
Ich hatte es als Kind da viel leichter, Schule und Elternhaus waren sich in wesentlichen Punkten einig. Dass einige dieser Punkte für mich fatal waren oder später wurden, steht auf einem anderen Blatt, denn zu jener Zeit gab es noch keine Gehirnforscher, die deutlich sagten: Das Gehirn macht aus Psychologie Biologie. Und wo es keinen direkt sichtbaren, linearen ursächlichen Zusammenhang gab, wurde er auch nicht angenommen.
Wie viele Spinner*innen mussten ohne wissenschaftliche Messmethoden mit ansehen, wie das für sie Offensichtliche abgestritten wurde. Nun ist die Psychosomatik schon etwas weiter und bestätigt viele der Spinnereien.
Ich als Kind konnte mich eindeutig falsch fühlen, wenn sich Schule und Eltern einig waren, ganz egal, ob ich mit allen meinen Zellen spürte, dass sie im Unrecht waren.
Bis heute kann ich mich dank der eingespurten Denkweisen als Versagerin fühlen. Nur mühsam bekomme ich die Puzzleteile zusammen: Natürlich musste ich scheitern, wenn ich zu Tätigkeiten verdonnert wurde, die mir nicht lagen.
Meine Kinder haben nur das Schulwesen gegen sich, ihre Eltern stehen nach Einfühlung und Verständnis suchend hinter ihnen. Inzwischen ist mir klar geworden, dass die Schule, die ich selbst ja oberflächlich betrachtet ganz gut überstanden habe, heute viel größeren Schaden anrichtet als damals, wenn sie mit den Methoden der Unterwerfung und Bedrohung versucht, ihren Lehrauftrag zu erfüllen. Nicht nur, dass sie die Kinder als Menschen missachtet und zu Objekten der Belehrung und Bewertung degradiert, womit der Weg zum Opfersein systematisch gebahnt wird. Zudem wird das unentschuldigte Fernbleiben auch noch mit Strafen geahndet, derer sich eine freiheitliche Demokratie bedient, die ihren eigenen Bürgern nicht traut.
Mit den Maßnahmen, die eigentlich den Bösen gelten, machen sie in Wirklichkeit den Guten das Leben schwer. Denen, die eigene Antworten geben wollen, Verantwortung leben. Vor allem entlässt sie im Erfolgsfall artige, gehorsame junge Erwachsene, die weit davon entfernt sind, eine freiheitliche Gesellschaft mit der notwendigen kritischen Betrachtung aller Umstände zu bereichern und mit aller Kreativität auf die Lösung der komplexen Probleme hinzuarbeiten. Sie werden Bankleute, Lehrer oder Geschäftsführer – oder Wissenschaftler, letztere vielleicht zusammen mit den Künstlern die einzige Hoffnung auf Rettung?
Sicherlich ist es naiv, blindes Vertrauen in einander zu erwarten, aber Vertrauen ist nichts Blindes. Vertrauen hat mit Vertraut-Sein zu tun, das heißt, man kennt sich. Man ist aufmerksam für einander, in Verbindung. Und alles was diese Verbindung be- oder verhindert, mindert das Vertrauen, beschädigt die Sicherheit und schränkt damit den Raum ein, in dem man sich als Mensch fühlen kann.
Dass das Schmerzen bereitet, können Neurowissenschaftler sichtbar machen. Nun ist das kein romantisches Gedöns mehr.
Inzwischen sind auch die selbst erfüllenden Prophezeiungen wissenschaftlich erwiesen und damit die Grundlage für die Legitimation des Vertrauensvorchusses gelegt: Traue den Anderen das Beste zu! Vor allem den Kindern.
Im Rückblick auf die Schulzeit meiner Kinder beginnt mich Trauer zu erfüllen. Ich musste mich von meinem Grundvertrauen verabschieden, das sich mit jedem Jahr als gegenstandsloser erwies. Bis auf einzelne Mensch gebliebene Pädagog*innen haben viel mehr Pflichterfüller*innen oder Ideolog*innen das Leben meiner Kinder verunstaltet als ich mir hätte träumen lassen – 15 Jahre nach dem Mauerfall, zur Einschulung meines ersten Kindes, müsste das doch anders sein?! Und jetzt, nochmal über 10 Jahre später? Was tun die Erwachsenen, die von Verantwortung sprechen? Was leben sie selbst?
Aber vielleicht ging es wirklich nur um Bananen und nicht um Freiheit. Bananen werden schließlich auch nicht von freien Bauern geliefert.
Die Kinder zwischen den Kulturen werden gesundheitlich von Leuten betreut, die nichts mit dem täglichen Leben der Kinder zu tun haben. Wie kommt die Rückmeldung dort hin, wo sie in die Entscheidungen einfließen kann? Viele Mediziner haben sich in der Vergangenheit an Pädagogen gewandt oder sich gar selbst pädagogisch betätigt, wie Maria Montessori vor bald 100 Jahren. Nun haben wir die Neurowissenschaften, die sich mit dem Organ beschäftigen, das auch fürs Lernen zuständig ist – ich hoffe, dass nun auch die Lernbeauftragenden zugänglicher werden und ihr tägliches Tun besser reflektieren!!! Es gibt ja schon viele, die sich auf den Weg gemacht haben, man kann hingehen und sich was abgucken, wenn man selbst nicht zu den Erfindern gehört.
Und ich selbst? Ich bin Versager, ja, ich kann es einfach nicht: Andere zu Objekten meiner Arbeit zu machen. Und sie dann noch zu bewerten. Und zum ersten Mal im Leben bin ich darauf stolz. Ich bin froh, immernoch diesen direkten Draht zu meinen Gefühlen zu haben und genau zu spüren, wie hohl ein Lob ist und wie schmerzhaft und ungerecht die Eingruppierung jenseits der Guten und Sehr Guten. Zumal weder die einen noch die anderen daraus ein Gefühl dafür entwickeln können, was sie wirklich gut können. Die einen rennen mit einer aufgeblähten Eitelkeit herum, haben aber womöglich nie gelernt, etwas durchzustehen oder etwas wirklich Wertvolles zu tun, und eine Garantie für ein gutes Erwerbsleben sind die guten Noten auch nicht (wie man an mir sehen kann). Die anderen schotten sich -nicht ganz zu Unrecht- von der Arroganz der Guten ab und machen fortan ihr eigenes Ding, den Rest ihres Lebens nicht müde werdend über die Studierten zu schimpfen oder zu lachen.
Die Kinder zwischen den Kulturen zeigen mit Krankheit oder Abschottung deutlich auf die Gefahren hin, denen sie ausgesetzt sind, wir Erwachsenen können nun die Mühlsteine und die ganze Mühle dahinter zu erkennen suchen und uns darüber einigen, was wir wirklich wollen: das ist vielleicht besser für die Kinder, auch wenn wir zunächst irren. Es gibt einen gemeinsamen Nenner, dessen bin ich sicher, der die Unterschiedlichkeit der Menschen und ihrer Wege zu fassen vermag und den Kindern dadurch einen sicheren Boden unter die Füße gibt.

Woche XXII | Montag, 25.01.2016

Einen Monat nach dem ersten Weihnachtstag…
Ein Kind mit Husten und Schnupfen zu Hause, ein Kind mit Husten und Schnupfen in der Schule, ein Kind einigermaßen symptomfrei in der Schule. Ich selbst hänge ziemlich durch, auch heute noch, am Dienstag. Ich habe einen Herpes an der Oberlippe bekommen und seit Wochen einen rissigen Mundwinkel. Ich schlafe sehr viel, bin dann einigermaßen brauchbar. Ich raffe mich zum Einhalten des Tagesablaufes auf, aber nicht, um Ziele oder Leben zu retten. Nur um des Gehorsams willen, der tief in mir die Peitsche schwingt. Also irgendwie doch ein Leben retten – meins. Denn was wird mir geschehen, wenn ich nicht artig bin?
Ja, ich weiß, jetzt bin ich schon groß, und niemandem wird der Kopf abgerissen, und ich kann mich von kindlichen Denkmustern befreien. Das ist so einfach gesagt, sie wirken einfach, ohne dass man Zugriff haben muss, und es reicht auch nicht, sich ihrer bewusst zu werden oder ihnen ihr Weiterwirken zu verbieten. Manche dieser alten und tief gespurten (Auslegungs-, Denk-)Gewohnheiten werde ich vielleicht niemals los, weil selbst mit täglichen Achtsamkeitsübungen und Entwöhnungsaktivitäten kein Herankommen an die emotionale Verwurzelung ist. Da ist es schon viel, wenn mir täglich einmal einfällt, dass ich in einer freiheitlichen Gesellschaft lebe und ich es jeden Tag in der Hand habe, es so oder anders anzugehen. Sklavisch oder eigenverantwortlich. Aber diese dumme Angst vor „Konsequenzen“! Und sei es nur eine Ordnungswidrigkeit… Und überhaupt, was soll die?
Aber wie kann ich z.B. in Sachen Schule eigene Antworten geben, wenn alles festgelegt ist? Stundenplan, Uhrzeiten, Lehrplan, Hausaufgaben – an keiner Stelle können wir unsere eigenen Entscheidungen treffen außer, ob wir aktiv mitmachen oder passiv aussteigen. Im Fall von Hausaufgaben mit strafähnlichen oder ausgesprochen strafverfolgenden Effekten. In Sachen Lehrplan mit schlechten Noten. In Sachen Stundenplan mit Nachschreiben von Klassenarbeiten, aber ohne Nachholen versäumter Inhalte. Uhrzeiten: wer später kommt, muss sich entschuldigen. Hallo?! Unsere Kooperationswilligkeit wird gnadenlos strapaziert. Wer will denn schon immer nur dagegen sein? Die Kinder wollen Zugehörigkeit. Es kostet sie viel. Sie müssen sich unterwerfen, wenn sie noch nicht eingesehen haben, wie sinnvoll und wichtig die bestehende Regelung ist. Sie erleben Bloßstellung oder Strafen, Entwertung und Ignoranz gegenüber ihren Bedürfnissen, ihrem Tempo, ihren Eigenheiten.
Aktiv auszusteigen habe ich in Erwägung gezogen, aber angesichts meiner Feigheit wieder verworfen. Außerdem wollen die Kinder auch mit Gleichaltrigen umgehen und sich außerhalb der eigenen Häuslichkeit umsehen. Mit zunehmendem Alter in immer größerem Radius. Wegziehen, zum Beispiel näher an eine weiterführende Schule, die es schon menschenfreundlicher macht – wo sogar ich arbeiten könnte: das ist ein verlockender Gedanke, aber so schlecht geht es uns wohl doch nicht. Und außerdem kann ich nicht ewig herumziehen, um die für mich passenden Orte zu finden. Irgendwann muss ich doch einmal auch selbst eine Sache in die Hand nehmen und für den notwendigen Wandel sorgen. Das macht mich unabhängiger. Wäre schon schön, mit allem klarzukommen, ohne sich selbst zu verlieren. Ich versuch’s weiter. Und die Kinder bekommen live Geschichte – Unterricht mit Zwang. Zwar ohne Rohrstock. Oder fliegende Schlüsselbunde. Anschaulicher geht’s kaum. Exklusiv. Nur ohne Bühne, Gage und Publikum wie bei „Ich bin ein Star – holt mich hier raus.“ Oder anderen Inszenierungen. Möge es ihnen die Kraft verleihen, die Befreiung weiter voranzutreiben!

Woche XI | Freitag, 13.11.2015

Schon wieder Freitag. Vor einer Woche habe ich mit einer Freundin 5 Stunden lang an der Erarbeitung eines Bewertungsbogens gesessen, der weniger bewertet, eher sichtbar macht, was genau der Stand der Dinge bei einem Kind in Sachen Englisch ist. Also kein scheuklappenartiger Vergleich des vordergründigen Projektergebnisses (Plakat, Präsentation und Ordner), der anhand von Umfang und Ausdifferenzierung beurteilt wird, beeinflusst vom Klassenniveau oder -ziel. Wir haben uns bemüht, die individuellen Errungenschaften in den Vordergrund zu rücken, so dass jedes Kind in der Lerngruppe seinen persönlichen Erfolg gespiegelt bekommt. Und sei es, dass es die Arbeit der anderen Kinder nicht gestört hat.
Nun hat sich inzwischen herausgestellt, dass mein Platz nicht an jener Schule sein wird. Ich bin mit gemischten Gefühlen dabei, einerseits traurig, denn auf die Begleitung der Kinder habe ich mich sehr gefreut. Die Erwachsenen jedoch geben einer Struktur den Vorzug, in der für mich als Lehrerin kein Platz ist. Ich bin aber auch erleichtert: dass ich mich nicht habe erpressen lassen, nicht von meiner finanziellen Situation, nicht von der Enttäuschung mir nahe stehender Menschen, nicht von ihren Sorgen oder Vorstellungen. Ich habe mich nicht unterworfen. Der scheinbaren Sicherheit eines regelmäßigen Gehalts.
Ich weiß, dass ich mich ziemlich abgestrampelt hätte und über kurz oder lang wieder erschöpft herausgepurzelt wäre – das ist unvermeidbar, wenn man sich einer Struktur überantwortet, die undynamisch eingerichtet ist, ignorant gegen die Befindlichkeiten der Menschen in ihr und arrogant gar nicht erst danach fragt. Das könnten sich die Zellen in meinem Organismus gar nicht leisten. Und wenn ich nicht auf sie höre und achte, dann werden sie mir ihren Dienst versagen, krank werden, einfach sterben oder sich zu Krebsgeschwüren auswachsen.
Ich danke nun allen Menschen in Einrichtungen, die mich für mein Kreativ-Angebot buchen und mir damit auf den Weg in die Alternative helfen, meinen freiheitlichen Ansatz unterstützen und letztlich den Aufbau lebensförderlicher Strukturen im Miteinander. Selbstregulierend. Komplex auf die Grundbedürfnisse aller Beteiligter achtend, wissend, dass die Verletzung des Anderen auch die Verletzung des Selbst bedeutet. Es reicht, seinen eigenen Bedürfnissen so achtsam zu begegnen, denn was man sich selbst einräumt, erlaubt man auch seinen Mitmenschen.
Meine drei Kinderchen sind in ihren Schulen, seit ich die Richtigkeit meiner Schritte empfinde, kann ich sie mit einem Sicherheitsgefühl begleiten, das mir sehr neu ist. Ich bin viel gelassener und entspannter, lache viel öfter mit den Kindern und kann auch ihnen die Richtigkeit ihrer Schritte lassen. Wie auch den Lehrer*innen in ihren Schulen und meinen Nachbarn und Freund*innen. Ich finde großen Genuss an der Vielfalt und erkenne die Potenziale in jeder einzelnen Situation und Vorgehensweise. Ich sehe auch die Gefahren, aber sie sind für jeden andere. Nicht dass es mir neu wäre, dass die „Schönheit im Auge des Betrachters“ liegt, diese Erkenntnis macht sich nun wieder in neuen Dimensionen spürbar, ich erlebe sie in wieder neuen Zusammenhängen!
Mit McFlitz habe ich gestern herzlich über „Ich einfach unverbesserlich“ gelacht, für Oishi-Kawaii habe ich vorgestern geweint, weil meine Bereitwilligkeit so blockiert ist – Tränen als ins Fließen kommende Liebe? Kkumhada darf mein Ringen um die Gewährung freier, eigener Entscheidung miterleben und hoffentlich auch den siegreichen Ausgang für die Freiheit… Denn auch sie soll selbst wählen, ob sie meinen Vorschlägen folgen möchte, soll ihre Schritte nach eigenem Ermessen tun, ihre Erfahrungen in Rechnung stellen dürfen. (Macht sie ja ohnehin, eigentlich geht es mir um unsere gute Verbindung bei aller Verschiedenheit.) Ich habe so lange Rat von Menschen bekommen – und versucht anzunehmen, die mich gar nicht verstanden, und außerdem vielleicht sogar ungehalten reagierten, wenn ich mich (und sie) durch Nichtbefolgen in unbequeme Situationen brachte. Nun sortiere ich das alles auseinander. Meins und Ihrs. Und höre auf mein Bauchgefühl. Und lausche neugierig den Schilderungen anderer Menschen, sie öffnen einen neuen Blickwinkel, ergänzen meinen Horizont. Aber ich kann nicht ihre Schritte gehen, nur meine. Hier, von meinem Startpunkt aus. Ich mit meinen kürzeren Beinen und langsameren Bewegungen. Oder so.
Nun geht es ins Wochenende; es ist immer noch das große Aufatmen, also wohl eher ein Anfang…