Woche XXXXIV | Freitag, 01.07.2016

Wenn ich nach einem 3-h-Abend im Elternrat die ganze Nacht so inspiriert-aufgekratzt bin, dass ich erst eine Stunde vorm Aufstehen einnicke, und dagegen nach 4,5 Stunden Teilnahme an der Schulentwicklung völlig verspannt und kopfschmerzig in die Federn falle, dann macht sich darin deutlich, wo das Leben pulsiert und wo es erstarrt.
Allerdings hege ich Hoffnung, denn auch in der Schule regen sich unter den Erwachsenen Kräfte, die nach Lebendigkeit lechzen.
Mein Part war gewesen, da zu sein. Ich habe in einer Arbeitsgruppe auch eine Beobachtung eingebracht, die sich auf das Erleben der Kinder bezieht, die Vorträge halten dürfen anstatt Klassenarbeiten zu schreiben. Die Rückmeldungen der anderen Schüler*innen kommen dabei dazu, was die Note in den Hintergrund rückt, die es natürlich auch noch gibt. Aber sie ist nicht mehr der einzige Grund für Vorbereitung. Und auch die Erweiterung der Jury von einem Erwachsenen, der sich Objektivität anmaßt, auf 20 oder mehr Personen bringt mehr Realismus in die Auswertung. Ich habe also gesagt, dass hier ein Sinnzusammenhang entsteht, in dem und für den gelernt und vorbereitet, erarbeitet und eingeübt wird. Das motiviert. Und zu wissen, man bringt anderen etwas bei, denn nicht alle halten denselben Vortrag zum selben Thema, macht die Sache erst richtig rund. Zumal man gern aus der Peergroup lernt, schnell und ohne die Hürden der Generationen oder besser gesagt der Hierarchie, denn solange von Schüler*innen Respekt verlangt wird bei gleichzeitiger Ignoranz ihrer Gleichwürdigkeit, ist es weniger der Altersunterschied, der den Weg des Wissens versperrt.
Es ist also nochmal richtig spannend geworden für mich, drei Wochen vor den Ferien.
Es haben sich nun einige Eltern mehr in die Aktivität locken lassen. Sie denken über Fragen der Gestaltung nach, über Werte, die belebt werden müssten. Sie wollen Impulse geben.
Ich bin so froh! Vor drei Jahren noch war ich ziemlich einsam auf meinem Posten. Mit meinen Träumen.
Jetzt frage ich mich, wie ich mein Zögern wohl rechtfertigen will…
Ich habe also erstmal „hospitiert“ und die Stimmung kennengelernt, in der Schule beschlossen wird von den Lehrenden. Meine Hoffnung liegt auf den Jüngeren, und bei ihnen insbesondere bei denjenigen, die sich andere Schulen ansehen, die sich Gedanken machen um ihr Menschenbild, um ihre eigene Freude an der Arbeit. Es ist heikel, Lehrern erzählen zu wollen, was man sich wünscht oder wie man sich etwas vorstellen könnte. Aber hier tauchen plötzlich mehr von der Sorte auf, die interessiert sind und es wissen wollen. Die nicht in erster Linie befürchten angegriffen oder infrage gestellt zu werden. Die nicht in Verteidigungs- oder Rechtfertigungshaltung übergehen, wenn man naht. Sondern die sogar fragen, wie man etwas sieht!
Wenn ich sehe, wie sich einige um Leben bemühen, bekomme ich Lust, sie zu unterstützen. Ich mache also den Mund auf und bringe meine Beobachtungen ein.
Mein nächstes Anliegen ist die alltägliche Spürbarkeit demokratischer und freiheitlicher Werte in der Schule. Das bedeutet konkret die Förderung des kontinuierlichen Rückmeldens und der Formulierung eigener Gedanken und Anliegen durch die Heranwachsenden. Und es bedeutet auch konkret, dass Schüler*innen und Eltern informiert werden über ihre Mitwirkungsmöglichkeiten in den Gremien. Also – es bleibt interessant, und wird es noch mehr im neuen Schuljahr.
Wie habe ich es nur hierher geschafft?
Obwohl ich kein Fan von Druckmachen oder Konfrontation bin? Oder gerade weil?
Ich habe immer wieder eingeladen oder Mut gemacht. Habe Andere bestärkt, ihrer eigenen Wahrnehmung Stimme zu geben, es sich nicht ausreden zu lassen, wie sie etwas empfinden. Habe zugehört und genau erfragt.
War einfach nur da.
Habe selbst immer mal wieder Nachfrage erfahren.
Das hat mich neu beflügelt.
Ich habe meine eigene Heilung vorangetrieben, habe Denkmuster aufgespürt, mit denen ich meine Kräfte erschöpfte. Habe sie stillgelegt und neue Schaltkreise angelegt. Habe selber Einiges an Lebensfreude wiedererlangt und insbesondere die Entdeckung gemacht, dass ich, wenn ich ohnehin einen Unterschied mache durch mein Hiersein, diesen Unterschied doch auch kreativ gestalten könnte.
Wichtig ist mir auch, dass ich mich mit vielen Widrigkeiten versöhnen konnte. Sie sind deshalb nicht gleich zu neuen Vorlieben geworden, aber ich kann nun oft die „True Colors“ durchscheinen sehen, kann einen Menschen mit seiner ablehnenden, zurückweisenden oder provozierenden Haltung voll Wärme ansehen und das verschreckte Wesen dahinter hervorlocken, um es zu beruhigen.
Naja, nicht immer, aber ich habe den Zauber kennengelernt, der sich breitmacht, wenn es mal gelingt.
Ich habe Hoffnung. Und freue mich auf die nächsten Abenteuer.

Woche XII | Freitag, 20.11.2015

Alle sind körperlich gesund und an ihren jeweiligen Arbeitsplätzen, auch ich, aber wie gehabt rein ehrenamtlich. Ich mache mir viele Gedanken über den Wert von Arbeit, bezahlte, unbezahlte, frei, angestellt, … Wie kann es z.B. sein, dass Pädagog*innen von der Arbeit mit meinen Kindern leben können und ich nicht?
Alles, was die Welt im Innersten zusammenhält, wird ehrenamtlich geleistet, will mir scheinen, und die Lohn- und Gehaltsarbeit darf in einer Art und Weise organisiert sein, die dieses Werk wieder einreißt und zerstört? Den Flüchtlingen wird ehrenamtlich geholfen, aus Steuermitteln finanzierte Fürsorge zuteil, unsere Herzensqualitäten der Einfühlung und Solidarität fließen von Natur aus. Auf der anderen Seite ziehen ganze Wirtschaftszweige privatisierten Vorteil aus dem Geschehen, Waffen und Kriegs-Knowhow werden meistbietend verhökert, aus Spenden finanzierte humanitäre und medizinische Hilfsgüter füttern die Lebensmittel- und Pharmakonzerne fett und letztlich profitieren auch die Agrar-Riesen von der Zerschlagung sozialer Strukturen und können ihre patentierten Sorten und die ganze damit verbundene Chemie an den gepeinigten Mann bringen. Ganz zu schweigen von der Militarisierung unserer Kinderzimmer mit diesen tollen bunten Plastik-Kalaschnikoffs und den virtuellen Kriegsspielen und den Gewinnen, die damit gemacht werden…
Ich fühle mehr denn je mit Hannah Ahrendt und ihrer Beobachtung, dass sich die Handelnden hinter Amtssprachen verstecken und die Verantwortlichkeit in ihren Strukturen zerbröseln. Aber ein jeder lebender Mensch handelt immer aus eigener Entscheidung, es geht gar nicht anders, und wenn er sich weigert sein Tun zu betrachten, dann ist auch das seine Entscheidung. Und wenn er sich weigert anzusehen, was sein Handeln für Folgen zeitigt, stellt er sich der Ignoranz und Arroganz anheim. Und wenn er sich weigert, auf seine eigenen Bedürfnisse zu achten und wahre, gute und schöne Stillungswege zu suchen, darf er sich dann als Krone der Schöpfung betrachten? Ich sehe da eher ein Zahnrad.
Es ist kindtypisches Verhalten, die Augen zuzuhalten und dann zu denken, wenn ich es nicht sehe, gibt es das nicht. Oder gar – dann bin auch ich nicht da. Nichts für etwas zu können, hat wenig mit Erwachsensein zu tun. Wir er-wachsen – im besten Falle – aus unserer Hilflosigkeit, wenn wir als Kinder immer mehr lernen, uns selbst mit dem Nötigen zu versorgen, selbst zu sitzen, laufen, die Stullen zu schmieren, zu lesen, schreiben, rechnen – denken und unsere Gefühle richtig zu deuten. Und irgendwann können wir alles selber, was uns die Eltern bis dahin liefern mussten, um unser Leben zu sichern, und wir können auch selber für Kinder sorgen.
Nun ist es an uns, sozial-emotional erwachsen zu werden und ENDLICH! aufrichtig zu unserem Friedenswillen zu stehen. Unsere Impulse zu regulieren und lebensförderliche Strategien zu finden, mit ihnen umzugehen. Die Konflikte – einander gegenseitig als Menschen anerkennend und wertschätzend – beizulegen und uns für ein aufgeschlossen-kennenlernendes Miteinander zu ENTSCHEIDEN.
In meiner Arbeit als Elternvertreterin geht es mir genau darum: mit allen Beteiligten gemeinsam auf die Schwierigkeiten zu schauen ohne den Umweg der Verstärkung der Konfrontation. Denn wenn wir nicht leben und lernen, um das Leben zu verbessern und einander dabei zu helfen, dann weiß ich auch nicht wozu. Und hier können dann wirklich alle Ersatzbefriedigungen identifiziert werden, alle Pseudo-Stillmittel und gleich auch die den Frieden untergrabenden und verhindernden Faktoren. Lebensentfremdende Kommunikation gehört gleich an erster Stelle dazu. Ich erarbeite mit einigen anderen Eltern gerade Angst- und Stressauslöser an unserer Schule, um sie sichtbar zu machen und auch die sich verbergen wollende Natur des Scheiterns. Deshalb ist es nicht offensichtlich, dass die Kinder sich bedroht fühlen. So etwas zu zeigen bedeutet, sich gleich einer weiteren Gefahr auszusetzen – dem Eingeständnis des Versagens und damit der Lächerlichkeit, Beschämung, Beschuldigung und gar Bestrafung. Was wunder, es stellt sich heraus, dass insbesondere die Bemerkungen von Mitschüler*innen und Pädagog*innen einen solchen Faktor darstellen, genau, wie es in der „Gewaltfreien Kommunikation“ beschrieben ist. Aber wenn ich diese Formen beiseite schiebe und auf die Rufe des dahinter verbarrikadierten und eingesperrten Herzens lausche, ihm Klopfzeichen meines Herzens zurücksendend, dann offenbart sich mir das Wunder der Abrüstung, der Nacktheit und Verletzlichkeit, die uns allen gemeinsam ist. Und der Wärme, wenn wir uns aneinanderschmiegen in der gemeinsamen Suche nach Lösungen und der Zusammenarbeit an den Baustellen des Lebens. Statt im kalten, Wärme ableitenden Metall unserer Schutzpanzerungen einzeln zu erfrieren.
Meinen Kindern schenke ich „geteilte“ Aufmerksamkeit: die kritische, auf das Nichtfunktionieren gerichtete, sortiere ich in bedingungslose Zuwendung und, wenn dieser Tank wieder aufgefüllt ist, beratende Begleitung, falls überhaupt nötig. Seit ich sie einfach in den Arm nehme, wenn sie nicht üben wollen oder Haushaltsaufgaben ablehnen oder anderweitig im „Willaber(nicht)“-Modus feststecken, und nicht wie bisher zähneknirschend an ihrer Stelle oder mit ihnen zusammen die ungeliebten Aufgaben erledige oder sie dahin schiebe, etwas von mir Gewünschtes zu tun, kommen viele Dinge wieder an ihren richtigen Platz. Wenn die Liebe wieder da ist, dann belebt sich auch die Lust zum Klarinettenspiel, zum Kochen, Aufräumen und Putzen oder zu einer Wanderung mit dem Hund an der frischen Luft.
Einfach nur mal Liebhaben ist das Rezept. Ohne Wenn und Aber.
Kommt alle in gutem Miteinander ins Wochenende und gebt Klopfzeichen von Herz zu Herz. Danke für Eure Anteilnahme und -gabe und schreibt weiter!!!

Kurzmitteilung

ZR X-1: Elternvertretung eine Bildungsfrage???

Können nur gebildete Eltern wirklich in einer Elternvertretung mitwirken? Es hat für mich den Anschein. Den Dschungel aus Schriften und Satzungen und Gesetzen und Verordnungen mit Formulierungen, die einen Übersetzer in die Sprache der Menschen brauchen – da kann ich mir bei vielen Müttern und Vätern vorstellen, dass sie mit ihrer Freizeit Besseres anzufangen wissen. Oder dass sie zu schwach oder krank sind, um es zu tun. Oder einfach nicht verstehen, wie es funktioniert.
Ich selbst tue mich schwer, mich mit den Bergen von Papier anzufreunden. Ich hätte für vieles davon die geistigen Kapazitäten. Ich sehe nur den Sinn nicht. Und: meine Anliegen als Mutter in Bezug auf die Schule und das Lernen meiner Kinder kann ich kaum vertreten, weil ich mich nicht traue. Weil ich nicht alles verstehe, befürchte ich Blamage. Weil ich Unterwerfung gelernt habe, kann ich mir aufrechten Gang kaum vorstellen. Weil ich selbst es nie in aller Konsequenz wert war, angehört und verstanden zu werden, bin ich eine Versagerin.
Als ich vor zwei Jahren die Bereitschaft hatte, im Schulelternrat eine Aufgabe zu übernehmen, steckte ich tief im Burnout, mit Depression. So heißt es heute. Niemand hat sich auch nur gefragt, wer diese fremde Person überhaupt ist, von der sie sich vertreten lassen wollen. Nun ja, darum ging es ja auch nicht. Vielmehr brauchte man dann selber nicht die ungeliebte Rolle anzunehmen und musste dementsprechend auch nicht in ihr versagen. Oder Farbe bekennen und zu seiner Nicht-Bereitschaft oder Ratlosigkeit zur aktiven Mitwirkung stehen.
Gewählt werden vielfach auch die Eltern erfolgreicher Kinder. Wie sollen sie aber diejenigen vertreten, die kein Land sehen? Die sich auch in diesem Falle erstmal outen müssten. Als Versager. Schließlich haben sie ihre Kinder nicht gut vorbereitet. Wenn diese dann ihre Interessen auf anderen Wegen, durchaus auch solchen, die wir als kriminell einstufen, vertreten, kriegen sie eine Art von Aufmerksamkeit, die weit weg von Verständnis und Verstehenwollen liegt. Sollten sie nicht von den Gebildeten und Freiheitsliebenden und Demokratielebenden unterstützt werden in der Findung besserer Ausdrucksweisen? In der Findung gesünderer Wege?
Ich als gebildete Ausgebrannte mit für den Zwang in der Schule schlecht vorbereiteten Kindern finde mich wieder als Ermutigerin. Heute, soeben, sogar als Ermu-TIGERIN, ich habe sogar Feuer gespuckt wie ein Vulkan. Eine meiner Lieblingselternvertreterinnen in dieser neuen Wahlperiode droht daran zu verzweifeln, dass sie das Mitwirkungssystem nicht bedienen kann. Sie möchte, aber sie kann nicht. Sie sieht ihr Scheitern deutlich vor Augen, der ganze Ablauf, die Funktionsweise z.B. einer Schulkonferenz sind für sie verworren und weit weg von ihrer Lebensrealität, von der sie als einfühlsame und kluge Mutter von sieben Kindern reichlich zur Verfügung hat. In ihrer großen Familie kommen andauernd Leute mit unterschiedlichen Bedürfnissen zusammen, für die die jeweils notwendige und am besten passende Lösung gefunden wird. Ich bewundere sie! (Sie sollte gefragt werden, wie Inklusion funktionieren kann!) Diese beherzte Frau, die dafür sorgt, dass Nazi-Schmierereien in der und um die Schule herum beachtet und beseitigt werden, sieht sich in die Knie gezwungen in ihrer ehrenamtlichen Mitwirkungsbereitschaft, weil sie auch ein System von Spielregeln zu berücksichtigen bereit ist, das sie aber gar nicht durchschaut. Weil sie befürchten muss, dass sie keine Unterstützung von den anderen Beteiligten erfährt. Weil sie sich ausgeliefert fühlt, in eine Rolle gedrängt.
Vielleicht lege ich es falsch aus, vielleicht ist das alles nur meine persönliche Lesart. Aber auch dann wirft es die Frage auf: Kann ich überhaupt Elternvertreterin sein???

Woche VII | Montag, 12.10.2015

Seit langer Zeit einmal hatte ich ein Wochenende, von dem ich mich am Montag nicht erholen muss. Ich, Samstag zur Fortbildung (Helikoptereltern, Angst, Resilienz), Papa derweil mit den Kindern in Berlin, eins hatte ein Vorstellungsgespräch für ein Austauschjahr, mit den beiden anderen Anti-TTIP/CETA-Demo und Ballettschuhe kaufen und Zutaten für Sushi…
Wir sind alle auf derselben Baustelle, nur manchmal nicht am selben Platz mit den denselben Aufgaben. Und langsam wird mir klar und klarer, wie wir den angeblichen Respektspersonen und Ehrwürdigen, die in Wirklichkeit alles kaputtmachen, den Weg ebnen. Wie wir unser Bauen von ihnen zerstören lassen. Denn es sind immer Personen. Wir dienen Strukturen, die uns als Vorschriften begegnen, wir spielen das „Amtliche Rollenspiel“ („Ich muss das ja machen.“), im Deckmantel unserer Bereitschaft, gesellschaftlichen Regeln zu folgen und sie nicht infrage zu stellen, verstecken wir uns, um nicht der Menschlichkeit zu dienen. Wer hätte gedacht, dass das heute so viel Zivilcourage erfordert! Wo wir doch keine KZ’s und Straflager mehr haben. (?!o?d!e?r!?) Dass Lehrende als Menschen agieren können, verlangt von ihnen Ungehorsam gegenüber Gesetzen, Verordnungen und anderen verbindlichen Texten. Ich als Mutter begebe mich aufs Glatteis, wenn ich meine Kinder ohne Krankenschein vom Arzt zu Hause behalte, gemäß meiner Intuition (bestätigt von der WHO-Definition) das Wohl im Auge habend, aber als Mutter wohl nicht wirklich die anerkannte Instanz, das zu beurteilen. Vielmehr gehe ich dann als Sanitätshelikopter in die Beurteilung ein, ver-wöhne meine Kinder, denen ich auf diese Weise die Möglichkeit des Aushalten-Lernens nehme.
So einfach ist das nicht. ICH nehme mir etwas heraus, wenn ich das tue, es ist für mich eine Mutprobe! ICH BIN schon ver-wöhnt worden, entfremdet, ohne Erfahrung, nur die der Strafe bei Nichtbefolgung, und habe die nötige Resilienz nicht im Gepäck. Ich will aus meinem Gehorsam gegen das Wort anderer Menschen heraus, will mich nicht einschüchtern lassen von Vorschriften, die werweißwem dienen nur nicht dem Wohlergehen meiner Kinder, Familie. Kann schon sein, dass die konkrete Strategie, mit der ich das derzeit versuche, sich als suboptimal herausstellt. Aber das werde ich erleben und wer will, kann mir gerne sagen, dass das ja wohl klar war und so kommen musste, und ich kann letzteres nur bestätigen, denn ohne diese Erfahrung bliebe mir nur wieder das gehorsame Befolgen fremder Rat-Schläge.
Auf dem Weg in die Freiheit müssen wir es uns wohl gefallen lassen, nicht mehr gehört zu werden, wenn wir es schon besser wissen und gut meinen. Und ich erwarte nicht, dass meine ganze Schreibarbeit irgend jemanden von oder zu etwas überzeugt oder die Welt verändert. Es ist nur für mich, in jeder Hinsicht. Ich emanzipiere mich damit von meiner Zurückhaltung, ich verlagere meinen Selbstausdruck von der körperlich-seelischen Gesundheits-Ebene auf die schriftsprachliche, in einigen Teilen auch auf die musikalische. Und mit den segensreichen Wirkungen, die das für mich hat, gehe ich als anderer Mensch in „die Welt“, ich mache andere Wellen im Ozean, wenn ich auf diese Weise darin bade. Und mit der Zeit schwappt dieser veränderte Selbstausdruck weiter ins Handeln, strahlt in jede Bewegung, in jede Geste, Miene. Die innere Haltung, die ich unter anderem durchs Schreiben gewinnen kann, wiedergewinnen – will ich sagen, durchdringt mein ganzes Wesen und alle meine Verknüpfungen mit der Welt. Berührt, wenn es mich rührt und bewegt, meine Familie, alle meine Freunde und Bekannten, in denen es sich fortpflanzt zu ihren Angehörigen, denn wir sind alle verbunden.
Ich habe dieses Impuls-Pendel vor Augen, während ich mir diese letzten Zeilen nochmals durchlese, manchmal scheinen sich die Angestoßenen nicht zu bewegen, das bedeutet vielleicht nur, dass sie noch nicht das Ende der Kette sind. Ich vertraue auf meine Wellen, und ich bin so reinen Gewissens wie selten – denn ich bin der Menschlichkeit verpflichtet, dem Leben, das spürbar pulsiert und fließt, wenn es nicht eingefroren ist und seine Wellenlänge so groß, dass sie in einer Lebensspanne nicht ermessen werden kann. Ich spüre mein Herz klopfen und Kribbeln im Bauch, mein Kopf ist berauscht ohne äußere Hilfsmittel: vom Lebendigsein, mit und für mich und meine Welt, die Menschen, die Pflanzen und Tiere, mit einem Sinn für das vielgestaltige Echo meiner Handlungen, das sich überall spiegelt, wo ich hinhöre und -sehe.
Ach ja: alle meine Kinder sind in der Schule, also gesund und der Meinung, sie kriegen’s hin. Danke!

Woche V | Montag, 28.09.2015

Nun sind sie wieder alle fort. Einige Stunden nach dem „Blutmond“, den sie natürlich schlafend erlebt haben. Von dem sie theoretisch oder bei den Geschichten um Aang, den Avatar, erfahren werden/haben. Schule ist wichtiger als das echte Leben. Wo kämen wir hin?
Für die wichtigen Dinge lohnt es sich ausgeschlafen zu sein. Also kein Mondspektakel gucken.
Unser Wochenende war reich an Unternehmungen, wir haben viel mit Menschen und miteinander zu tun gehabt – Gäste haben, eine japanische Teezeremonie kennenlernen, einen Geburtstag feiern, ein Flüchtlings-Willkommen, ein Erntedankfest, eine Musiker-Begegnung wie sie lebendiger nicht sein könnte (lauter Leute, die so noch nie miteinander geprobt haben, und ein Klangerlebnis hinzauberten wie eine Wanderung durch Wald und Feld, nach Lust und Laune). Im herrlichsten Sonnenwetter Motorradfahren üben, Rad fahren, Pilze sammeln. Ich allerdings habe mich, nachdem Feiern und liebe Gäste gut überstanden waren, am Sonntag Mittag „nur kurz“ hingelegt und von dem ganzen Sonntagszauber nur die letzten Ausläufer vor dem Abendbrot mitbekommen. Wir schlossen mit „Shaun, der Film“ das Programm und fanden kurz vor dem Schlafengehen noch ein paar Hausaufgaben vor…
Tatsächlich von Freitag auf Montag aufgegeben. McFlitz würde also unverrichteter Dinge in die neue Woche starten. Auch Oishi-Kawaii darf sich auf eine Woche mit täglichen Leistungstests freuen, was ihr natürlich immernoch zu schaffen macht. Und damit auch mir wieder Begleitungsaufgaben liefert. Ich muss argumentieren und trösten und den Pädagog*innen Briefchen schreiben für meine beiden Kleinen. Jedenfalls für McFlitz. Das Wochenende sollte HA-frei sein! Wirklich frei zur selbstbestimmten Verwendung. Zum tief-Durchatmen und frohsinnigen Spiel/Kreativsein/Herumströpen/Bauen… Nun, es ist eine Entscheidung, das kann man auch mit HA haben. Die ignoriert man einfach genauso, wie die Schule ignoriert, dass mensch selbstregulierend auch einen eigenen Lerndrang hat, aus dem Bedürfnis nach Verständnis heraus. Und dass mensch immer das Nötige und Mögliche lernt. Und in einer ignoranten Gleichschrittsschule stolpern MUSS – bei aller Liebe und Rücksichtnahme, weil eben nicht in seinem eigenen Rhythmus und Tempo und von innen heraus bewegt. Und dass es manchmal bedeutet, dass mensch die übergriffigen Forderungen Anderer abwehren muss. Die dann eingeschnappt-vorwurfsvoll behaupten, es wäre doch zu menschen’s Bestem gedacht.
Oishi-Kawaii bekommt von mir die Ermutigung zur Lücke. Natürlich ist mir wichtig, dass sie sich in der Welt auskennt, zu denken lernt und sich den wichtigen Dingen stellt. Sie darf sich also gegen die Angstpaukerei entscheiden. Ich bin nicht böse auf sie über schlechte Noten. Ich spüre nur die Verletzungen der gequälten Seele, die ständig von außen gezogen und geschoben wird und sich weigert einzusehen, dass manche Menschen eben nicht so auf sie achten wie die eigenen Eltern. Ist vielleicht auch unsere Aufgabe, das mal deutlich zu machen und unsere Kinder dazu anzuleiten unterscheiden zu lernen. Das Gegenteil von „gut“ ist „gut gemeint“ (also ohne den Anspruch, die Wirkungen zu überprüfen und das Vorgehen anzupassen). Es geht eben nicht wirklich um die Kinder.
Kkumhada, meine Große „macht ihr Ding“. Sie schöpft aus der Quelle der Begeisterung für ihre Motorradfahrschule. Sie ist mit eigenen Zielen unterwegs und räumt sich ohne weiteres auch Kursänderungen ein. Sie kann inzwischen ganz gut „trotzdem“ lernen, wenn ihr eine Lehrperson unsympathisch ist, und sich auf diese Weise differenzierter auf Herausforderungen einlassen, sich für Gegebenes öffnen. Das geht erst ab einem bestimmten Reifegrad, sicherlich auch abhängig vom Hormonhaushalt und dem Stand der Pubertät – wie weit kann sich das Kind schon lösen und „den Rest der Welt“ auf sich beruhen lassen oder so ins Verhältnis setzen, wie es das Gebet ersehnt: …gib mir die Kraft zu ändern …, die Geduld hinzunehmen …, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden…
Ich merke schon, es geht immer wieder ums Unterscheiden. Immer wieder Aschenbrödel. Die Guten ins Töpfchen.
Also: statt „Lasst die Kinder endlich in Ruhe lernen!“ und strampelnd drauf zu warten, dass es wahr werde, selbst sortieren und mit einem „Machen wir das Beste draus!“ das Nötige und Mögliche lernen. Hier wohl: selbst entscheiden und die Folgen tragen. Sei es Verweigerung, Flucht nach vorn oder Mitwirkung in Kritik oder Einverständnis. Ich wähle eine Mischung aus allen dreien. Und wenn ich mutig genug bin, kann ich vielleicht sogar unmittelbar (direkt und mündlich) mit den Bildungsmachenden ins Gespräch treten und für das Verständnis sorgen, dessen es bedarf, um wirklich etwas zu verändern. Bis dahin erlaube ich meinen Kindern, in Ruhe zu lernen und sich von der Schule nicht stören zu lassen…