Woche XV | Freitag, 11.12.2015

Seit Dienstag war McFlitz zu Hause, mit Husten und Schnupfen, er ist heute wieder in der Schule, gestern machte Oishi-Kawaii eine Verschnaufpause (sie hatte sich bei dem Versuch, eine Präsentation zu erstellen am Abstürzen des Programmes erschöpft und außerdem am Gedanken an einige weitere Vorträge, die auch noch vorzubereiten waren) und heute ist Kkumhada mit Kopfschmerzen in der Waagerechten.
Ich selbst hatte am Montag eine Schwitzrunde auf dem Zettel, dann gab es am Mittwoch den Film „alphabet – Angst oder Liebe“ im Gymnasium, zu dem wir die Pädagog*innen einluden. Darauf folgte für mich eine schlaflose Nacht, ich war so aufgewühlt. Nicht vom Film, den hatte ich mir schon einige Tage zuvor nochmal angesehen, aber von den Gesprächen im Anschluss. Abwehr, Geringschätzung, Bewegtheit, Begeisterung – alles war dabei.
Gestern wurde ich gefragt, ob es nicht was für mich wäre, den Flüchtlingen Deutsch beizubringen. Mein Verstand sagt ohne zu zögern JA! aber es gibt emotional-seelisch eine für mich noch nicht zu fassende Hürde. Ein Konglomerat von Befürchtungen aller Art ist wie ein Schutzwall mit Abwehreinrichtungen um mich herum errichtet, aus dem ich mich nicht hervorwage. Es reicht von „Ich kann das nicht“ über die Angst vor den Männern mit einem fremden Frauen(rollen)bild bis hin zu spontaner Ermüdung beim bloßen Gedanken an eine systematische Verpflichtung.
Dem gegenüber habe ich wieder an meinem eigenen Angebot „gebastelt“, das seinerseits leider noch keine Abnehmer*innen finden konnte. Eine Zwickmühle. Ich mache etwas SchönesGutesWahres, für das ich allseits gelobt werde, aber das keiner nutzen will, jemand braucht etwas GutesWahresSchönes, das ich nicht kann. Emotional. Welche alte Geschichte mag da wohl wieder dahinterstecken? Denn ich bin ja nicht so verbaut auf die Welt gekommen. Und irgendwann habe ich zur Rettung meines Lebens mal diesen Schaltkreis eingerichtet, der jetzt so hinderlich wird. Also: die nächste Aufklärungs- und Heilungsmission in Sicht.
Ich bleibe dabei, ich möchte, was ich tue, mit Liebe tun. Mich nicht dazu überwinden müssen. Meine Emotionen, die mich vor irgendetwas warnen und schützen wollen.
Ich habe sie für mich sortiert, die 7 Grundemos:
neutral: Überraschung
annehmend: Freude, Trauer, Angst
abwehrend: Verachtung, Ekel, Wut/Ärger
Das, was mir Angst macht, müsste nun an eine der abwehrenden Instanzen weiter geleitet werden, dazu müsste Angst mal unter dem Schaltpult hervorkommen und die anderen alarmieren, damit sie sich der Sache annehmen können. Leider waren die seinerzeit in der „Schule der Kindheit“ nicht gern gesehen, hatten gewissermaßen Hausverbot und haben also einigen Lernstoff nachzuholen… Mein emotionales Immunsystem reift langsam nach.
Bei meinen Kindern kann ich mithilfe dieser Vorstellungen vieles gut nachvollziehen, bei den Kindern anderer Leute gelingt mir das noch weit besser, bzw. leichter. Vielleicht weil ich da aus größerem Abstand heraus sehe und weniger von den Details aufgehalten werde.
Meine Lungenentzündung als Kind steht ganz sicher auch mit seelischem Erleben im Zusammenhang. Und meine Anginen, mein Dauerschnupfen. Wenn ich mir vor Augen halte, dass jegliche Empfindung und Wahrnehmung biochemisch umgesetzt wird und von bestimmten Zellen und Organen ausgetragen wird, dann gibt es sicherlich auch einen thematischen Zusammenhang zwischen Körperteilen und seelischen Themen. Mir gefällt die Analogie schon lange (Von etwas die Nase voll haben, z.B.), aber jetzt ist es sicherlich nur noch eine Frage der Zeit, bis der Zusammenhang für alle sichtbar wird. Und damit glaubhaft oder annehmbar. Und endlich nicht mehr als Einbildung abgetan wird. Mir macht es nicht viel aus, wenn ich als Spinnerin angesehen werde, aber in manchen Kontexten kann mir das richtig gefährlich werden. Wenn z.B. jemandem das als Begründung für seine Sorge darum dient, ob ich denn meine Kinder vielleicht in Gefahr bringe… Ja, hier bin ich verwundbar, erpressbar. Hier mache ich schnell den Kompromiss und verstecke mich lieber einmal mehr als einmal zu wenig.
Dass die Kinder aber einer profitorientierten Ökonomie und kriegsgeilen Wirtschaft geopfert werden, indem ihre Eltern systematisch entwürdigt werden, weil sie als kooperative Wesen nur die Wahl haben, sich diesem kriminellen System anzupassen. Das ist schizophren, falls ich das Wort richtig auffasse. Zum Verrücktwerden.
… oder es mit Zivilcourage umzukrempeln (und damit für einen guten Zweck Kriminalisierung zu riskieren) – wenn ich mir das überlege, dann ist es doch eigentlich eine leichte Entscheidung … Aber – ich will mit meinen Kindern leben. Also weiterhin auf der Hut bleiben. Gleichgesinnte finden. Schlafende wachküssen. Rückbesinnung anregen.