Woche XXXX | Montag, 30.05.2016

Manchen Kindern, die drei Wochen lang ein Praktikum absolvierten und dann wieder in die Schule zurückkehren, fehlt diese praktische Zeit dann schmerzlich. Das heißt nicht, dass sie nicht mehr lernen wollen, aber eben einfach nicht mehr so theoretisch, gezwungen und fern vom Leben. Sie möchten gute Bildung, weil sie wissbegierig und verständnissuchend in die Welt schauen, und ein Abiturzeugnis, weil das eben die Eintrittskarte für die weiteren Bildungswege ist. Nur leider erstickt die Schule mit ihrer Arbeitsweise jeglichen eigenen Impuls der Wissens- und Verständnissuche, zerreißt die geistigen Prozesse, bietet zerstückeltes Betrachten, Forschen und Lernen und traktiert die Lernenden als Objekte der Überprüfung. Würden sie hier als Subjekte gesehen, wie es Gerald Hüther in den Blick rückt, müssten sie die Möglichkeit bekommen selbst zu bestimmen, wann sie ihr Wissen prüfen wollen, was sie als Nächstes lernen und wie lange und auf welche Weise sie sich damit befassen wollen.
Die Schule hat sie wieder nach einem belebenden Praktikum im echten Leben, zwängt sie wieder ins Stundentafel- und Testkorsett. Es tut einfach nur weh, gerade flackerte ein munteres Flämmchen der kindlichen/jugendlichen Lebendigkeit auf – ich meine nicht die pubertären Auswüchse, die mächtiger sind als Schule – Kreativität und die (Vor-)Ahnung von Sinn im eigenen Leben wagten sich ans Licht, und nun bleiben sie zurück als verblassende Erinnerung. Die Auswertung der Praktikumsmappen geht im Kämmerlein der betreuenden Lehrers vor sich, der Austausch der Lernenden untereinander bleibt auf private Anekdoten beschränkt, nachfolgende Inspiration, gegenseitige Spiegelung und Bekräftigung bleiben aus. Im Praktikum haben sie dagegen jeden Moment Rückmeldungen über ihr Handeln von den anderen Anwesenden bekommen, bewusste und unbewusste, sprachliche und nichtsprachliche.
Bevor eine tragfähige Vision vom Leben nach der Schule entstehen kann, die dem schulischen Lernen Sinn verleihen würde, kehrt die tägliche Tretmühle in das Leben der jungen Menschen zurück.
Ohne meine Rettungseinsätze würden meine Kinder die Schule nicht überstehen. Sei es krankenschwesterliche, hausaufgabenunterstützende oder nachhelfende Arbeit oder die Bezahlung anderer Personen dafür – die Schule dringt tief in das Familienleben ein. Wenn alle Eltern sich dessen bewusst würden, was sie leisten, damit die Schule so bleiben kann wie sie ist, würden sie vielleicht in Streik treten und sagen: „Was hier aus unseren Steuern gemacht wird, ist nicht zielführend.“ Wenn sie sich bewusst wären, wie es sich für ein Kind anfühlt, in der Freizeit, zu Hause auch noch Schule machen zu müssen und nicht nach Herzenslust spielen oder ein Hobby ausüben zu dürfen! Zu Hause wird ein gefährlicher Ort, an dem es nicht sicher ist vor den Schulproblemen, so es sie gibt!
Wenn Eltern den Schmerz spürten, den das Absterben jeder einzelnen Nervenzelle im Gehirn auslöst! Wir haben Schläge und andere körperliche Gewalt abgeschafft, weil’s weh tut. Nun müssen wir den Mord an der eigenen Motivation, Kreativität und Wissbegier abschaffen! Die Vergewaltigung der Seele. Wir mussten da auch durch und es hat uns nicht geschadet? Wir reichen den Schmerz weiter. Klar kann man an den Herausforderungen wachsen, aber dann dürften sich die Leichen im Keller nicht so hoch stapeln.
Meinen ganzen Blog schreibe ich wahrscheinlich nur aus solchen Schmerzen heraus. Und bei aller Münchausenhaften-Mich-Selbst-Aus-Dem-Sumpf-Zieherei kann ich doch eines nicht alleine: Mein Bedürfnis nach menschlicher Gemeinschaft stillen. Dazu brauche ich andere Menschen. Und es schmerzt, wenn sich niemand findet, der mir die magischen Begegnungen beschert, die unsere Märchenfiguren am Ende „erlöst“. Das sind Leute, die sich nicht an den Schwächen und Fehlern stoßen, die sich nicht über Dornenhecken aufregen oder unwegsame Waldwege und Scheintote in gläsernen Särgen. Es braucht ein ganzes Dorf, um die Bedürfnisse eines Menschen zu stillen, es reicht nicht ein einzelner Märchenprinz, der aber setzt eben allem die Krone auf 🙂 (Als Einsiedlerin käme ich insofern gut klar, als ich sehr gut mit mir allein sein kann. Aber es kommt letztlich immer einer, der sich dazudrängelt oder den Platz gar für sich beanspruchen will.)
Den Kindern zu sagen, sie müssten jetzt dies und alles Mögliche lernen, weil sie es später brauchen, ist reine Verschwendung, wenn man genausogut Situationen finden und schaffen kann, in denen der Sinn unmittelbar erlebbar wird: von Schreiben, Rechnen, Lesen, Wissen. Das geht beim Theaterspielen los, beim Musizieren weiter, Malen, Bauen, Kaufen, Forschen…
Stattdessen würgen wir den lebendigen Impuls mit dem Hinweis auf Pläne und Vorschriften ab. Ich als Mutter, indem ich mich den Vorschriften eines Schulgesetzes beuge aus Angst vor den Strafen bei Verweigerung, indem ich mein Kind Menschen anvertraue, die in ihrer Arbeit auch gegen ihr eigenes Herz handeln um die Vorschriften zu erfüllen, so wie ich, wenn ich mich nicht traue da nicht mehr mitzumachen.

Woche XXXIV | Montag, 18.04.2016

Fast hätte ich es verpasst – ist ja schon wieder ein Beitrag fällig geworden, wenn ich meinen Turnus einhalten möchte… Zum Start der 34. Woche dieses Schuljahres bewegten mich weniger die Sorgen meiner eigenen Kinder, sie sind vergleichsweise harmlos geworden. Mein kleines großes Mädchen, dessen Präfrontaler Kortex sich derzeit erheblich gestaltet, empfindet sehr scharf jegliche Art des Zunahetretens: insbesondere auch die Beschneidung ihrer eigenen Entscheidungen durch die in ihrer Schule gängige Unterrichtspraxis. Sie träumt immer kräftiger von selbstbestimmtem Lernen, von Begleiter*innen, die anregen und anleiten statt vorzuschreiben oder mit Benotung zu drohen. Von Räumen voller Material und Möglichkeiten. Sie hat die permanente Unterstellung der schülerischen Unwilligkeit mehr als satt.
Mein Grundschulkind geht ebenfalls wieder, wenn auch hustend, zur Schule. Seit ich nun andere Kinder mit Schulproblemen begleite, wird mir der Segen der benotungsfreien Rückmeldung noch einmal mehr deutlich und ich genieße es, diese Ablenkung vom eigentlichen Sinn des Erlernens der Kulturtechniken nicht auch bei ihm zu haben, und den Umgang damit am Ende des Tages als Hauptthema serviert zu bekommen. Ja, die Kinder verletzen sich an schlechten Noten, vielleicht schlimmer als an Schlägen auf den Hosenboden – da kann man sich wenigstens als tapferer Held feiern lassen. „Es macht gar keinen Spaß zu lernen, wenn man immer nur schlechte Noten bekommt“, gestand mir ein 9jähriges Mädchen kürzlich.
Ich arbeite mit den Kindern daran, dass sie trotzdem wieder an die Sache herangehen, erschließe mit ihnen den Spaß, den man daran haben kann, zu rechnen oder Botschaften schriftlich zu ver- und wieder entschlüsseln. Die Eltern bestärke ich darin, Eltern zu sein, keine Nachhilfepauker, und ihr normales Familienleben nicht für Hausaufgaben- und Übungsorgien zu opfern. Ich rede zudem mit ihren Lehrer*innen, möchte sie ermutigen, menschlich auf die Not der Kinder zu schauen. Sie sagen, sie müssen das alles schließlich in der Grundschule lernen, und ich frage, ob denn die Kinder, die sie mit schlechten Zeugnissen dann weiterziehen lassen, gelernt haben, was sie sollen. Das einzige, was geschehen ist, ist die Abarbeitung des Planes seitens der Pädagog*innen. Sie haben ihre Pflicht erfüllt. Die Kinder, die nicht das Glück haben, rein zufällig mit dem Tempo und der Darreichungsform der Unterrichtsinhalte gut klarzukommen, könnten sich diagnostizieren lassen, manche fahren weite Wege übers Land, um in eine LRS-Klasse zu gehen, stehen morgens dafür eine Stunde oder mehr früher auf, ihre Eltern mit ihnen, und kommen müde wieder heim, womöglich immernoch mit demotivierenden Erlebnissen. Abgesehen davon, als diagnostiziertes Wesen aus dem sonst Üblichen hervorzustechen, zementiert sich die Diagnose nachträglich noch, wenn die Resignation einsetzt.
Ja, hier in der Gegend gibt es einen Aufschrei, wenn ich das Thema Benotung anspreche und in Frage zu stellen wage. Die Eltern fürchten, ein wichtiges Instrument zur Erziehung ihrer Kinder zu verlieren. Für viele ist die Note die einzige Orientierung. Sie wissen dann sofort, ob ihr Kind „gut“ ist. Und wenn nicht, dann geht die Notfall-Maschinerie los: das Kind wird zu mehr Üben gezwungen, den Lehrpersonen in der Schule werden die Türen eingerannt. Schuld wird verteilt und zurückgewiesen. Der zweite Bildungsweg wird beschritten, monatlich viel Geld für Nachhilfe ausgegeben, da könnte man gleich in eine private Schule gehen, in der ein Kind in seinem Tempo lernen kann, individueller betreut wird und dann auch noch Freizeit behält, die für seine geistige und seelische Erholung unerlässlich ist.
Lehrer*innen beklagen sich, dass sie in der Schule die Erziehungsmängel der Elternhäuser ausbaden, ich selbst habe mich lange dagegen aufgelehnt, die Schädigungen meines Kindes durch die Schule ausgleichen zu müssen.
Und sehe ich es falsch? Steuerzahlende zahlen doppelt für ein schlechtes Schulwesen: entweder in Nachhilfe oder in private Schule fließt ihr Geld, beides macht die staatlichen Schulen nicht besser, die wiederum aus den Steuern derselben Leistungstragenden bemittelt werden. Und dann noch die Spätrechnung, wenn die Kinder krank werden, psychische Probleme bewältigen müssen oder, bei erfolgreicher Verdrängung, körperliche Leiden erleben müssen, die von all den Leichen im Keller hervorgerufen werden: „Das Gehirn macht aus Psychologie Biologie“, sagt Joachim Bauer in einem seiner Internet-Vorträge, der Körper ist das Gedächtnis unseres täglichen Empfindens, bis in die Gene hinein. Wann beginnt das Großreinemachen? Es ist Frühling, eine gute Zeit für den gründlichen Winterschlussputz! Für das Ausmisten all der Glaubenssätze und Ideologien, die uns von Mitmenschlichkeit im Umgang miteinander und mit uns selbst abhalten. Ich selbst bin intensiv dabei, und – es tut einfach gut!

Woche XXIX | Freitag, 18.03.2016

Wie schön, wenn man einfach in Ruhe arbeiten gehen kann! Mit dem guten Gefühl, die Kinder gut aufgehoben zu wissen in ihren Schulen. Und, welch Romantik, am Nachmittag oder Abend Anekdoten und Abenteuer erzählt zu bekommen! Ich wage noch nicht, mich daran zu gewöhnen, aber ich schätze mal, das passiert einfach.
Nun, die ganze Romantik hatte ich nun nicht, es gab Läusealarm, ich hatte mein Grundschulkind drei Tage zu Hause, um ganz sicher zu gehen. Zum letzten Schultag konnten wir ihn nur motivieren, weil wir ihm die Sicherheit zu geben imstande waren, dass er nicht gleich wieder Läuse einfangen würde – in der Schule haben alle Eltern zugestimmt, dass ihre Kinder dort kontrolliert werden dürfen, so dass ganz gezielt informiert werden kann.
Nun haben wir wieder Ferien, heute mit praller Sonne und der Ahnung, wie schön es im Frühjahr sein kann – wenn nicht immer alles grau überhangen bleibt…
Aber was mir dennoch vergönnt war: ganz nach meinem Rhythmus zu leben. Mit welcher Kraft kann ich unterwegs sein, wenn ich mir meine eigene Art erlaube! Dann bin ich auch weniger davon abhängig, ob die Umstände günstig sind, und kann mich viel besser auf Gegebenes einstellen. Wie sehr ich doch meistens von mir selbst entfernt bin! Ich lande in einem Automatik-Modus, der auf Planerfüllung programmiert ist, ich funktioniere dann einfach und ich erwarte das natürlich dann auch von den Kindern. Ich tue Dinge nicht, weil sie notwendig sind, sondern weil das jetzt so geplant ist. Ich habe die Verbindung zum Sinn nur in der Planungsphase, in der Umsetzungsphase bediene ich nur noch die Programmpunkte. Ich bin auch in einem gewissen Grad flexibel und kann den Kurs ändern, aber eigentlich immer mit einem schlechten Gewissen wegen des Planes oder wegen anderen Menschen, die sich drauf verlassen. Es ist irre aufwändig, immer allen Beteiligten die Änderungen mitzuteilen, damit sie sich mit ihrer Planung darauf einrichten können.
Eigentlich möchte ich nicht planen, ich möchte lieber viele Möglichkeiten inpetto haben und auf die jeweilige Situation eingehen. Das macht Absprachen schwierig, vor allem mit Planer*innen, die jede Einzelheit festgelegt sehen wollen. Ich habe lieber die Möglichkeit, mit den Aktualitäten zu spielen, kreativ im Augenblick zu entscheiden, gern auch mit Anderen im Team, die genauso auf verschiedene Ressourcen zurückgreifen können und spontan Ideen aufgreifen und umsetzen.
Wenn das so läuft, erlebe ich Flow. Ich bin kaum zu erschöpfen, die Quelle sprudelt fröhlich, bis mir buchstäblich die Augen zufallen und meine Körperzellen mir Pause verordnen.
Das beobachte ich auch an den Kindern – wie werden sie munter und ihre Kopfschmerzen verfliegen, wenn sie nach ihrer eigenen Fasson lesenschreibenzeichnensingentanzenrechnen dürfen! Habe ich sie nach acht Stunden Schule völlig erledigt in Empfang genommen, kommen sie nach kurzer Ruhe auf ihre eigenen Gedanken und finden Betätigung, die sie wieder zu sich kommen lässt – wenn ich sie lasse und nicht mit Pflichten oder Vorstellungen behellige. Die suchtartige Ausprägung einer Beschäftigung macht klare Aussage darüber, wie sehr ihre Bereitwilligkeit zur Erledigung fremder Aufträge überstrapaziert ist. Wie sehr ihr Bedürfnis nach Selbstbestimmung im roten Bereich gelandet ist. Gewiss steht hier wissenschaftliche Untersuchung aus, es ist aber meine Beobachtung und Auslegung, immer wieder.
Nun, mal sehen, wie lange es dieses Mal dauert, bis sich eine gesunde Unternehmungslust einstellt und die Bereitschaft, den Rückzug in die persönliche Höhle einzutauschen gegen Expeditionen in die Welt. In ausgewogener Weise.
Achja: Liebe Grüße an mein Kind im fernen Lande! Bitte grüße deine Gastfamilie und alle, die sich freundlich um dich bemühen und sage ihnen meinen Dank!

Woche XXVIII | Montag, 07.03.2016

Da ich krank war, den Blick von gestern also heute. Ja, nun bin ich dran mit Ausfallen. Ich meine, nicht dass mir das zwischendurch nicht auch immer mal passiert, dass ich statt eines Vorhabens doch zur Ruhe gehe – der Plan ist das Eine, das Leben aber hat viel mehr Mitwirkende, als wir jemals einplanen könnten…
Doch dieses Mal gab es für mich keinen Spielraum, um meine Montagsvorhaben umzusetzen, eine Ruhephase einzuschieben und eben danach weiterzumachen, dehnte sich bis in den Dienstag Abend aus…
Meine beiden hier verbliebenen Kinder sind wie immer zur Schule gewesen. Die Große genießt immernoch die frühmorgendliche Bustour und besonders die Zeit, die sie vor dem Unterricht noch in der Schule hat. Es ist nicht meine Uhrzeit, ich bekomme es nur selten mit, dass sie aufsteht. Zum Glück kann ihr Papa das, so ist sie morgens nicht allein. Ich schätze, ich würde es über mich bringen, wenn er nicht da wäre, weil ich sie nicht allein lassen wöllte. Aber sie ist ja in guten Händen.
Mit dem Kleinen frühstücke ich schon eher, nur nicht gestern und heute. Ich habe sogar einen Kurs abgesagt, weil ich nicht auf dem Posten war, um ihn durchzuführen. Es ist ein Kurs, den ich voller Freude und Kreativität gestalten kann – ein Glücksfall, so zu arbeiten. Hat aber nicht gereicht, um mir den Genesungsweg abzukürzen oder zu raffen. Ich bin schonmal aus Protest gesund geworden, vor vielen Jahren. Ich hatte Angina und Mittelohrentzündung, lag allein auf meiner Studentenbude und sah irgendwie keinen Sinn in allem. Dann guckte ich auf N3 Regionalnachrichten, da wurde von irgendwelchen Jugend-Initiativen berichtet. Ich bekam so einen intensiven Anfall von „ich will dabeisein!“, dass ich innerhalb eines Tages wieder fit auf den Beinen war. Ohne Antibiotikum. Seit über 20 Jahren hatte ich keine derartigen Beschwerden mehr.
Diesmal habe ich heute vormittag endlich intensiv gefiebert, der Husten ist nun locker und meine Denkkraft ist heute nachmittag an der frischen Luft wieder erwacht. Mit ihr die Lust an der Weitergestaltung meiner Tage.
Zwischendurch ereilt mich die große Sinnfrage, so auch am Wochenende, als sich ein längeres Bemühen einfach nicht von Erfolg krönen lassen wollte. Die Einsicht traf mich nicht hart oder überraschend, dennoch hatte ich meine Schwierigkeiten, mich von der Idee zu verabschieden. Ich bin überzeugt, dass mein Husten die körperliche Reaktion auf dieses Ereignis war. Begünstigt durch eine schlaflose Nacht zum Montag, konnte das Geschehen seinen Verlauf nehmen. Ich habe mal einen Bericht über eine Studie gesehen, in der zwei Gruppen infiziert wurden, die eine durfte danach ungestört schlafen, die andere wurde ständig aufgeweckt. Die gut Ausgeschlafenen sind nicht erkrankt, die anderen ja. Nun weiß man nicht, wann man sich was einfängt, da ist es wohl angebracht, möglichst immer gut zu schlafen…
Ich hoffe, die Kids haben ausreichend Schlaf in dieser Woche, ich werde besser drauf achten, es bahnt sich sonst was an, will mir scheinen. Die Große hatte Kopfschmerzen heute, der Kleine rannte dauernd auf die Toilette, als wir zu Hause ankamen.
Mein Auslandskind scheint gut drauf zu sein. Ich würde auch gern mal ein Gastkind aufnehmen – wenn sich die Lage meiner eigenen stabilisiert hat und ich in Haus und Hof das viele Liegengebliebene besser im Griff habe. Jetzt bin ich erstmal froh, dass die Große einen anderen Lebensentwurf kennenlernen kann. Im fernen Osten.

Woche XXIII | Montag, 01.02.2016

Ferien, jaaaa! 2/3 Kindern krank. Wahrscheinlich auch eine Frage der Blickrichtung. Was wäre denn im Falle ihrer „Gesundheit“? Ein Plan, Ferienspiele, wäre umgesetzt worden. Und wahrscheinlich hätte ich es schwer gehabt, ihnen zuzugestehen, davon Abstand zu nehmen, wenn es keinen offensichtlichen und allgemein akzeptierten Hinderungsgrund gibt. Wie z.B. körperliche Hausaufgaben. Ja, ich selbst bin es, die in der Falle des Gehorsams feststeckt. Hier der Gehorsam einem irgendwann gefassten Plan gegenüber. In stillschweigender Akzeptanz der Verurteilung spontaner Umentscheidungen, gegen die sich Unternehmen mit Kostenberechnung schützen, wenn Kunden einen Termin nicht wahrnehmen. Und nur bestimmte Gründe sind akzeptiert als Notfall oder höhere Gewalt und werden nicht bestraft.
Die spontane Entscheidung bleibt ja ohnehin nur in Ferienzeiten möglich. Nun also spontan gar nix. Und ich lasse sie. Lasse sie spielen nach Herzenslust, zwinge keinen, den Schlafanzug auszuziehen und Tageskleidung anzulegen, lasse sie herumlungern und die Wege durch ihre von Lust und Laune getriebenen Aktivitäten wählen. In diesen Ferien bin ich viel gelassener. Ich kann sie jederzeit bitten, etwas mit mir gemeinsam zu tun, und ihre Bereitwilligkeit wird wieder stärker, wenn sie wirklich nein sagen dürfen oder merken, dass auch sie Freude am Zusammenspiel haben können. Ich nehme mir die Zeit, sie zu bequatschen, ist das nicht auch ein wahrnehmbares Zeichen, dass es mir wirklich um sie geht?
Sie sind also eher ganz gesund, dass sie mit „Krankheit“ reagieren und mir zeigen, dass wir Erwachsene es mal wieder mit irgendetwas übertreiben. Abgesehen davon ist es ja eigentlich völlig normal, dass unsere Körper auch ihre Anliegen haben und ihre Eigenheiten und von Zeit zu Zeit mit Bakterien und Viren hantieren, um Zellen auf- oder abzubauen. Ich war lange im Hader damit, empfand das als störend, auch jetzt noch, zumal diese Phasen nicht das pure Vergnügen sind. Rein theoretisch ist mir ihre Wichtigkeit schon klar, und aus meiner eigenen Biographie stehen mir einige Genesungserlebnisse als lebendige Beispiele zur Verfügung. Aber ich lasse mich wohl auch immer wieder gern von der zeitgeistlich üblichen Lesart beeindrucken, der nichts wichtiger ist, als alles weg zu impfen und Fieber zu verhindern und das Krankwerden überhaupt. Ich möchte es als genau so einen Arbeitsprozess ansehen wie die Erschaffung eines Kunstwerkes irgendeiner Art. Eben ein lebendes. Das Maß zu finden, Ausgewogenheit, Gegengewicht…
Also alles im grünen Bereich, es gibt ja auch nichts wirklich Alarmierendes. Nur dass sich die angedachten Ferienspiele halt auf eine ungeplante Ebene verlagern. (Aber dennoch: Wäre doch toll gewesen, wenn sie nach Herzenslust werkeln, schneidern und kochen gegangen wären.) Vielleicht bekommen wir ja noch Schnee zu sehen und zum Spielen, das könnte verlockend genug sein, um dem Schnupfen Konkurrenz zu machen…

Woche XI | Montag, 09.11.2015

Wieder ein Beitrag in rückblickender Perspektive, gestern war oben genannter Montag, ich war am Vorabend sehr zeitig im Bett und konnte also nicht vorschreiben, habe den Montag vom Morgen an in ständiger Aktivität verbracht mit einer Stunde Verschnaufen zwischen 16 und 15 Uhr, in der ich sofort einschlief, und Nachtruhe, die ich ab 19:30 suchte. Alle meine Kinder waren nach mir im Bett, dank Papa’s Einsatz wohl auch nicht allzu spät.
McFlitz hatte am Sonntag Fieber, so gab ich ihm den Montag zum Kräftesammeln. Er nutzte ihn ausgiebig zum Lego-Bauen, soviel ich weiß, vielleicht hat er auch am Tablet „Blocky Cars online“ gespielt oder Minecraft-Filmchen geguckt. Ich war unterwegs zu einer weiteren Heilungssitzung, in der ich unverdaute alte Geschichten herauskrame und ihrer Lösung zuführe. Ich würde sagen, ich stecke Schaltkreise neu, bzw. entferne „Parallelschaltungen“, die seinerzeit meiner Rettung gedient haben mögen, mir jetzt aber das Leben schwer machen. Vielleicht ist es auch treffender zu sagen, dass ich aus ungünstigen Reihenschaltungen Parallelschaltungen mache, bei denen ich einen Schalter einbaue bei derjenigen Strecke, die über das „rote Tuch“ führt, so dass ich sie zu Anschauungszwecken wie im Museum zur Verfügung behalte, in Erinnerung. Ich kann solche Kreise bei anderen dann gut verstehen und mit diesem Verständnis andere Entscheidungen für meinen Umgang damit treffen.
Kkumhada und Oishi-Kawaii hatten wieder Tests, bzw. Klausuren vor sich, denen sie sich unterziehen mussten, nach wie vor empfinde ich das als ignorant gegenüber einem Menschen, wenn solche Termine über ihn verhängt werden. Auch wenn sie vorher rechtzeitig angekündigt werden, haben die Kinder doch keine Entscheidung zu treffen außer dafür zu lernen oder nicht. Und ich finde auch, dass es ein Unterschied ist, ob Menschen diese „höhere Gewalt“ ausüben oder „die Natur“ uns vor ihre „Termine“ stellt. Menschen, die sich gegen Einfühlung und Verständnis stellen, rufen in mir ein Gefühl der Ohnmacht wach, Verzweiflung macht sich breit, bis ich schließlich resigniere. Alles Bitten oder Aufbegehren hat bei ihnen nichts gefruchtet, sie wollen ihren Plan durchziehen, der nicht beinhaltet, dass ich mit meinem Stand der Dinge berücksichtigt werde oder einen wirklich guten Stand erreichen können soll.
Also wieder einmal kann ich nicht vorbehaltlos sagen, nimm es hin, es ist in Ordnung. Ich erlaube den Unmut und mache es so auch den Kindern schwer, einfach so in die Schule zu gehen und dort mit ihrem kindlich-offenen Wesen vertrauensvoll alles anzunehmen. Vielmehr überlasse ich sie damit einer schwer greifbaren Verletzungsgefahr. Habe es seit 10 Jahren. Unter dem Deckmantel ihrer Vorbereitung aufs Leben, was ich unreflektiert auslege als „zum Besten der Kinder“, werden sie einer Prozedur unterzogen, die unter Ausschluss der elterlichen Öffentlichkeit und im Alleingang der Pädagoginnen vonstatten geht. Diese Erwachsenen, Einzelkämpfer*innen in einer Horde Minderjähriger, haben niemanden auf Augenhöhe, der ihnen den Spiegel für ihre Handlungen vorhält oder einen zweiten Blickwinkel auf die durch sie beeinflussten Gruppensituation oder einzelne Kinder eröffnet, der Anhaltspunkte liefern könnte über Verstehen und Missverstehen, Zusammenhänge und Hintergründe. Natürlich kann auch ein einzelner Erwachsener für eine gesunde Lernatmosphäre sorgen und seine Antennen auf die Rückmeldungen der ihm anvertrauten Kinder richten. Er kann sie auch ermutigen, mit ihren Sorgen zu kommen, und ein Klima des achtsamen Miteinanders fördern.
Nun gebe ich der Schule die Schuld für das Schlechtergehen meiner Kinder, oder wenigstens sehe ich sie als Auslöserin. Natürlich müssen aus dem Elternhaus Strategien zur Bewältigung „geliefert“ werden, ich habe bisher meine Ratlosigkeit diesbezüglich geliefert. Denn wir leben zu Hause freiheitliche Werte und bringen einander Rücksicht und Achtung entgegen, respektieren die Freiheit des Andersdenkenden und seine freie Wahl. Aber ein „Immunsystem“ gegen diktatorische Übergriffe zu entwickeln, bleibt noch die Aufgabe. Wenn es freiheitlichen Werten entsprechen soll, muss Verständnis an die Stelle des Befehls treten, da bleibt uns wohl nur, die Verletzungen offenzulegen, die wir erleiden an den ignoranten Methoden. Sie müssen den Aktiven in der Schule gezeigt werden, nicht nur den Ärzten und Psychologen.
Aber nicht jeder erleidet Verletzungen; obwohl ohne Panzerung oder dickes Fell mitten im Getümmel, kommen manche heil wieder heraus. So möchte ich auch „tanzen“ können! Das möchte ich meinen Kindern ermöglichen! Mal schauen, was es dazu braucht… Ich zeige zwar auch meine Wunden. Aber, bevor ich tatenlos darauf warte, dass „die Anderen“ aufhören, ignorant und arrogant über sich und ihre Mitmenschen hinwegzugehen, möchte ich lieber auch tanzen lernen.

Woche IX | Freitag, 30.10.2015

Auch dieses Mal schreibe ich nicht direkt am Freitag. Der war gestern und voller Erledigungen. Die Ferienwoche mit den Kindern war geprägt von einem täglichen Fahrschultermin, zu dem ich Kkumhada bringen musste. Aber mit den beiden „Kleinen“ begab ich mich am Dienstag auf eine Wanderung zum Arbeitsort des Papas, etwa 15 Kilometer hatten wir uns vorgenommen, um ihn „abzuholen“. Wir waren 4 Stunden auf den Beinen, zum Schluss in einem ziemlich straffen Tempo, weil wir noch rechtzeitig zur Suppenküche kommen wollten und uns auf eine warme Stärkung freuten. Wir ließen diesen Plan dann jedoch fallen zugunsten einer schnellen Heimfahrt…
Auf dieser Wanderung schaffte ich den Sprung aus dem Alltag, ich fand darin die Tür zum „Ferienmodus“. Die eigentlich artgerechte Art zu leben und zu denken und Entscheidungen aus der Situation heraus zu treffen anstatt einem vorgegebenen Plan zu dienen. Was nicht heißt, dass ich keine Pläne mache, sie haben aber eher Potenzialcharakter, sind eine Sammlung von Möglichkeiten, aus der ich schöpfen kann, die aber offen ist und jederzeit weitere zulässt.
Die Kinder waren nicht ganz so unansprechbar wie ich sie in Erinnerung habe aus vergangenen Ferien, aber Oishi-Kawaii überließ mir schon die unliebsame Rolle der Antreiberin. Sie gibt die Verantwortung einfach ab, macht nichts, was familien-gemeinnützig oder unmittelbar nötig ist, und übt auch nicht auf der Klarinette für das Konzert, an dem sie teilnehmen darf. Absprachen sind praktisch nicht mehr als heiße Luft. Sie holt sich meine Zuwendung und Aufmerksamkeit durch Verweigerung. Ich lasse mich natürlich zunächst verführen, ungeduldig oder sogar ärgerlich zu reagieren, aber dann besinne ich mich und nehme sie in den Arm, sage ihr, dass ich sie lieb habe, und versuche es mit meinem Herzen zu fühlen. Wenn ich das schaffe, geschieht ein Wunder: Plötzlich geht alles von allein, die Lebenslust erwacht.
Der Freitag barg für mich noch eine Begegnung der eher niederschmetternden Art. Eigentlich. Eine spontan veränderte Verabredung und das Nichtvorhandensein meines Handys führten für mich in eine mehr als einstündige Warteschleife, in der ich wie gewohnt zunächst meine eigene Dummheit beklagte und die kalten Füße ganz mir selbst zuschrieb. Dann jedoch wurde ich mutig genug, einen Teil der Verantwortung einfach beim Anderen zu lassen – er hätte genausogut seine Antennen ausfahren können und mir entgegenkommen. Oder sich einfach an seine eigene Aussage halten und, nachdem er sein länger-als-gedachtes ZuTun abgeschlossen hatte, nach der Lage ausschauen und zu mir kommen können. Anstatt zu (er)warten, dass ich mich melde.
Naja, ein bisschen verworren vielleicht, schwer zu erklären, wenn ich jetzt nicht genauer schildern möchte werwaswannwiewo. Wichtig war für mich, dass ich ein automatisches Muster nicht mehr einfach so abgespult habe, sondern, noch während ich mitten drin steckte, erkennen und beenden konnte. Ich sah plötzlich das traurige, verlassene kleine Mädchen, dass sich selbst die Schuld gab, und hörte ihm zu, tröstete es und ließ es wissen, dass es jedes Recht der Welt besäße, Zuwendung und Aufmerksamkeit anderer Menschen zu bekommen, deren Entgegenkommen und Sympathie. Dass das so wesentlich ist wie das tägliche Brot. Und ich weinte all meine Trauer heraus, im Stillen und Versteckten zwar, aber doch wissend, das zu dürfen.
Nun sehne ich mich nach dem Aufgehobensein. Wenn ich in Gesellschaft meiner Familie weine, stehen Mann und größere Kinder tatenlos daneben, nur die kleineren kamen immer aus einem lebendigen Tröste-Impuls zu mir gelaufen und fragten mich, was mit mir wäre. Das tut nun nur noch McFlitz. Die anderen sagen, sie wären selbst lieber alleine mit ihrem Kummer oder Schmerz, deshalb ließen sie auch mich ohne Nachfrage und Interesse. Mein Mann wartet einfach ab, bis sich die Wogen von allein glätten, und macht danach mit mir weiter, als ob nichts geschehen wäre. Auf eine Art ja toll, dass nichts kaputtgegangen ist. Aber doch auch so unendlich einsam, mit niemandem sprechen zu können. Kein Echo zu hören. Zwar so sein zu dürfen, wie ich bin, jedoch ohne Resonanz. Ohne den Blick in einen Spiegel. Ohne zu erfahren, wie ich denn bin.
Am Ende unserer Wanderung, mit dem Termindruck der Schließzeiten der Läden im Nacken, wurde die heilsame Feriendenkart wieder ausgehölt, ich konnte dabei zusehen, wie ich mürbe und zerknirscht wurde. Mich erschöpfte. Halt. Stopp. So nicht. Nicht einfach funktionieren. Ich bin doch nicht als Zahnrad auf die Welt gekommen! Ich hoffe, ich kann das in die kommenden Schulwochen retten und im Alltag weiterhin dem Ferienmodus treu bleiben und die Verbindung zu meinem Empfinden halten. Von Augenblick zu Augenblick entscheiden. Ich schaffe dann so viel, ohne mich dabei zu schaffen…
Gelesen habe ich und möchte weiter empfehlen: Joachim Bauer „Das Gedächtnis des Körpers“ und Ava Dellaira „Love Letters To The Dead“. Gesehen: „Alles steht Kopf“ und „Die gefährlichsten Schulwege der Welt“. Hat mich alles sehr beeindruckt und bewegt mich nachhaltig.

Woche VI | Montag, 05.10.2015

Es gibt Menschen, die sich an so einem traumhaft-sonnigen Herbstwochenende auf den Weg an die Ostsee machen.
Die Menschen in meiner Familie tun das nicht. Sie wollen am Wochenende einfach nur zu Hause und in Ruhe gelassen sein. Sicherlich hätte ich mit ein wenig Anschieben so einen Ausflug erwirken können, aber auch mir fehlt die Kraft dazu. Die Woche ist voll mit Schulpflichterfüllung und tollen Hobbys. Und wenn wir wirklich Ruhe haben wollen am WE, müssten alle Haus- und Hofarbeiten auch bis Freitag abend erledigt sein. Naja, die laufen nicht weg, und ich kann auch ganz gelassen bleiben, wenn sie sich vor mir auftürmen. Da ist mir auch egal, was Nachbarn denken mögen, ich will es nicht wissen, denn wenn ihnen was nicht passt, wie ich es mache, findet sich physikalisch-unausweichlich auch das Gegending dazu… Ansprechbarer bin ich für einfühlsame Erörterung der Sachlage. Vor ein paar Monaten kam mal eine Tierschützerin auf meinen Hof und fragte, ob sie meinen Hund ausführen dürfte. Ich war arglos und die Frau zunächst einfach nett. Wie sich herausstellte, „kontrollierte“ sie mich und lamentierte dann lang und breit über das Elend, in dem sie viele Tiere vorfände. Ich riet ihr, sich mit dem Elend der dazugehörigen Leute zu befassen, wenn sie den Tieren wirklich helfen wollte.
Meine Familie also in Höhlenstimmung. Kkumhada macht ihr Ding, vermeidet jegliche Kommunikation mit mir, Oishi-Kawaii verschwindet zwischen den „Helden des Olymp“ und reagiert insgesamt sehr gereizt auf uns, wenn wir sie da rausholen, McFlitz ist zunächst auch im Onliniversum und später in seine Lego-Katalog-Träumereien vertieft. Dann geht er aber doch von alleine raus herumtoben und Fahrrad fahren oder quasselt mir von seinen Geschichten und Erlebnissen was vor. Der Papa? – Auch er geht seinen Anliegen nach, stoisch fast, aber dazu gehören auch Frühstück machen, Brombeeren ernten, Holz hacken. Ich wünschte nur, er würde sich öfters mal die Kinder schnappen und sie mit einspannen. Naja, er will auch mal ungestört bleiben. Ich schicke ihm Oishi-Kawaii auf den Hals, Kkumhada sucht sich selbst eine familien-gemeinnützige Arbeit und ich schiebe McFlitz an seine Hausaufgaben: ein Vortrag über die Kartoffel, Malfolgen üben, Leseheft lesen. Ich will frei haben! Wenn ich also eh mein Kind zu Hause auch noch beschulen soll – Hausaufgaben dieser Art sind immer Elternaufgaben! – dann könnte die Schulpflicht doch gleich abgeschafft werden. Billiger wäre es auch. So sehe ich mich gezwungen, meine, unsere Familienanliegen hintanzustellen, damit mein Kind den Anschluss nicht verpasst an einen Plan, der zwar zu seinem Besten ersonnen sein soll, aber ganz offenbar so weit über ihm steht, dass es darin schon wieder keine Rolle mehr spielt und eben zusehen muss, wie es klarkommt.
Ich sehe mich gezwungen, weil ich zu feige bin, einfach zu verweigern. Ich habe Angst vor der Strafe. Auch wenn es vielleicht erstmal „nur“ Geld ist. Nun, wir hätten im Monat an die 300 Euro mehr, wenn wir den Jüngsten aus seiner staatlich anerkannten Ersatzschule nähmen. Die könnten dann ja investiert werden in unsere und seine Menschenwürde-Wiederherstellung… Und sicherlich täten wir anderen ähnlich schreckhaften Eltern den Gefallen, mit unserem Beispiel voran zu gehen, so dass auch sie mutiger werden können.
Na, ich will jetzt erstmal noch weiter als Elternvertreterin und Schreiberin das Feld beackern, immerhin sind meine Kinder auch nicht gerade rebellisch, freuen sich auf ihre Freunde, für wen wäre es also? (Aber ich trage sie in mir, diese Sehnsucht nach freudvollem Lernen in lebendigem Sinnzusammenhang aus unserer Lebenswelt heraus, im Einklang mit ihr, along the way, gewissermaßen, und nicht als etwas, wovon man sich am Wochenende erholen muss und distanzieren will.)
Fazit für mich – mein Familienleben: nicht vorhanden. Ich erlebe die Kinder nur unbereitwillig, erschöpft oder krank (bei McFlitz hauptsächlich unbereitwillig zu Hausaufgaben).
Natürlich sehe ich die Schule auch als Aufgabe an und versuche, damit konstruktiv umzugehen. Natürlich denke ich mir unterhaltsame Möglichkeiten des Übens (für die Schule) aus. Das würde ich so oder so machen. Natürlich sehe ich das Lernpotenzial für mich und die Kinder. Aber ich frage mich, ob wir wirklich so bootcamp-artig mit uns und unseren Kindern verfahren wollen? Angebliche Spreu vom Weizen trennen und damit für selbsterfüllende Prophezeiungen sorgen, die dem Dogma in die Hände spielen, man müsse all die beschränkenden, luftabschnürenden und einschüchternden Vorkehrungen treffen, um das Leben in Freiheit zu retten – ?!? – Die, die’s betreffen soll, werden so auch nicht erreicht. Die Sensiblen kriegen dafür umso mehr das „Vergnügen“, sich erstmal wieder aufrappeln zu müssen, damit sie überhaupt zurück zur eigentlichen Sache kommen können. Worüber wundere ich mich da?
Neue Woche, neuer Anlauf. Neuer Versuch, das Gute darin zu erkennen. Und vielleicht ein paar kleine Wunder? Ach, heute fühle ich mich wenig mutig!