Woche XXX | Freitag, 25.03.2016

Vor drei Monaten war Weihnachten, die diesseitige Feierlaune hielt sich in Grenzen, viel verlockender war es, diese freie, unschulverpflichtete Zeit mit den vielen Sättigungsquellen hinter den Bildschirmen zu verbringen, sich zurückzuziehen von den nervigen Verpflichtungen gegenüber anderen Menschen – jedenfalls bei den Kindern, und auch dieses Mal habe ich in den Ferien reichlich Gelegenheit, meine Angebote und Wünsche in Bezug auf die Kinder und unser Familienleben mit den Boni der virtuellen Welt ins Verhältnis gesetzt zu erleben.
Ich vermute ja meistens Flucht, wenn ich die Kiddies vorm Bildschirm sehe, aber es darf auch gern ein Fantasy-Buch sein oder Lego-Welten auf dem Wohnzimmerboden. Natürlich ist ein Treffen mit Busenfreundinnen in 3D und zum Anfassen davon kaum zu toppen, aber die Begegnung mit der eigenen Mutter schon. (Das spricht Bände, nicht wahr?)
Also Flucht ist ein Aspekt, aber was finden wir in den Tiefen des Internet, was uns das analoge Hierundjetzt nicht bieten kann?
Für meine Kinder freue ich mich, weil sie recht unkompliziert auch Freunde treffen können, die sonst immer zu Hause bleiben müssen, wenn sie sich verabreden wollen. Natürlich wünsche ich ihnen die echten Begegnungen, aber die jeweiligen Eltern haben dieses Bedürfnis nicht ganz so im Auge wie ich. Oder auch dann, wenn eben kein Bus fährt, sie sind weniger abhängig von der (fehlenden) Infrastruktur vor Ort.
Aber auch weniger abhängig von den Menschen vor Ort. Wenn hier nun einmal keine passenden Freund*innen zu finden sind – Zeit, Chemie, Interessen, Alter etc. – und somit man selbst irgendwie einsam bleibt in der Menge, dann bietet die Telefonleitung doch die Möglichkeit einer befriedigenden Verbindung. Mir selbst geht es ja auch so. Und dank dieser Schreibplattform kann ich Leute finden, die sich mit mir über meine Lieblingsthemen austauschen möchten, Leute, die widersprechen oder gleich gesinnt beipflichten – alles sehr befruchtende Impulse. (An dieser Stelle danke!!!)
Und dann der Hunger nach allen möglichen Ideen, Rollen, Experimenten! Jenseits von Räuber und Gendarm, aber nicht irgendwie doch auch wieder ähnlich. In einer Unzahl von Variationen. (Da kommt mir der Denkspruch „Alles ist Nichts, und aus Nichts kann Alles werden“ in den Sinn.)
Die Zeit, die wir miteinander verbringen, hält sich in Grenzen. Ich brötele gern mal für mich allein herum, bin froh, dabei nicht unterbrochen zu werden. Klar, als Mutter bin ich immer irgendwie im Bereitschaftsmodus, lasse alles stehen und liegen, wenn Not am Kind ist. Oder um echte Not zu vermeiden. Das hat natürlich nachgelassen, seit ich keine Windeln mehr wechseln muss. Aber die Art, wie wir diese Zeit verbringen, ist wesentlich: Vielleicht bringt Baymax das analog auf den Punkt, als er sagt, „…wenn Fliegen mich zu einem besseren Gesundheitsbegleiter macht…“ (sinngemäß). Wenn die Zeit in den persönlichen Höhlen und Welten dazu beiträgt unser Miteinander zu verbessern, dann habe ich nichts zu bemängeln oder befürchten. Wenn aber unsere gemeinsame Zeit explosiv ist, jeder irgendwie dauernd ungeduldig (re)agiert und vielleicht sogar verletzend wird, dann schiebe ich die Schuld gewohnheitsmäßig gern auf die Daddelei, die ich ja so großzügig toleriere.
Neuerdings nehme ich jedoch unser Miteinander diesbezüglich unter die Lupe: Welche Automatismen und Selbstverständlichkeiten pflege ich im Umgang mit meinen täglichen Nahestehenden, -sitzenden, und lebenden? Meine Kindheit fand statt im Kontext von Gehorsam, eine Ansage, und dann ein Mensch – ein Wort, ein Wort – eine Tat. Keine großen oder kleinen Abstufungen, nur Sanktionen bei Nichtbefolgen. Durchaus auch mündlich, in Form von „Vorträgen“, Leviten oder anderen Ansprachen, die aber fernab von Gesprächen in Gleichwürdigkeit waren. Ich war dann die Dumme oder Böse. Oder Undankbare. Es gab beschämende Strafen und unterwerfende Bedingungen, wenn ich nicht den Wünschen und Vorstellungen meiner Umwelt entsprach. Ich hatte auf der anderen Seite jedoch auch sehr viel unbehelligte Zeit, vielleicht auch weil ich mich gern still beschäftigte. Da fällt nicht gleich auf, womit. Ich dachte viel nach, hatte Fragen, kam auf Situationswitze (oft im Stillen, weil als unangemessen empfunden, wenn es von einem Kind kam) und beobachtete Ironien des Schicksals.
Meinen Kindern kann ich mit den Automatismen aus diesen prägenden Jahren nicht kommen. Ich stehe vor der Wahl, sie als vollwürdige Menschen anzusehen, die eher ruhige Begleitung und Aufklärung brauchen, oder als unmündige Unfähige, denen mit Kritik und Zurechtweisung das Leben gerettet werden muss.
Ich übe ersteres, versuche die Schwerkraft nicht aufzuheben und sie nicht in Watte zu packen, wenn ich meine Grenzen und die unserer Welt geltend mache und verständlich.
Frohe Ostern, und Großer Geist vergib uns, denn wir wissen nicht, was wir tun!

Woche XV | Montag, 07.12.2015

Ich habe heute morgen nur ganz kurz die nötigsten Handgriffe getan und bin dann zum Schwitzen zurück unter die Daunen geschlüpft: ein kratziger Hals und Hitze-Kälte-Wellen veranlassten mich dazu. Um die Mittagszeit war ich damit durch und konnte für den Rest des Tages andere Pläne machen.
Als zentralen Gedanken hatte ich das Thema Schulfrust und Gesundheit, denn das Beispiel der Kinder einer Freundin lenkt meine Aufmerksamkeit darauf.
Natürlich geht es mir nicht darum, die Kinder von Herausforderungen fernzuhalten, aber mein Schutzinstinkt springt an, wenn sich Lehrer*innen lieber an einen Lehrplan halten als an die individuelle Lage eines Kindes und lieber das Kind der Dummheit oder Unfähigkeit bezichtigen als es bei der Bewältigung der ihm gestellten Aufgaben anzuleiten und zu begleiten.
So bleibt das den Eltern aufgetragen: Mehr üben! Mit rotem Lehrer*innenblut ins Hausaufgabenheft geschrieben. Das traute Heim mutiert zur Nachhilfearena, die kooperationswilligen Eltern finden sich als Zulieferer für die Schule wieder und verbringen den Feierabend, der längst keiner mehr ist, mit diesem unbezahlten Nebenjob.
Mit dem Effekt, dass sich das Kind nun auch zu Hause nicht mehr sicher fühlen kann vor den Drangsalierungen der Schule. Es erinnert seine Mutter an ihr Muttersein – es wird krank.
Nun ist die Mutter als Krankenschwester gefragt. Wiederum ehrenamtlich. Oder als Taxi zum Arzt.
Den Zusammenhang sehen wir nicht, dass die Ereignisse in der Schule, die unser Kind überfordern, im Endeffekt für diese Hausaufgabe für das körperliche Immunsystem gesorgt haben, der Körper als Austragungsort des Konfliktes.
Ich habe begonnen, das nicht mehr als meine Privatangelegenheit anzusehen. Und sehe auch die Zusammenhänge zwischen den Erlebnissen in der außerfamiliären Welt, der Familienkultur und dem jeweiligen Stand der Entwicklung des Kindes. Ich sehe, wie Schule und Eltern sich gegenseitig Zuständigkeiten zuschreiben und kaum sensibel sind für die Bedürfnisse des Kindes, der Familie und der Lehrperson. So bleiben alle mit sich allein. Gehen zum Arzt. Die Rückmeldung wird nicht berücksichtigt für die weitere Vorgehensweise „im System“, sie strandet irgendwo anders, die innewohnenden Aufgaben bleiben ungesehen.
Ich wünsche mir in dieser Sache gegenseitige Achtsamkeit und Interesse am Ergehen der Beteiligten, insbesondere der Kinder. Ihr Wohlbefinden hat direkt mit den Erwachsenen in ihrem Leben zu tun. Wir haben Schulpflicht, auf Gedeih und Verderb, und vielleicht müsste der Begriff „Kindeswohl“ in diesem Zusammenhang öfter betrachtet werden. Ich tue es schon häufig und ernte fast ebenso häufig verständnislose Gesichter. „Da muss man durch“, „Uns hat es auch nicht geschadet“, „Kinder brauchen Druck“ – so lauten gewöhnlich die Antworten von Eltern und Lehrer*innen.
Ja, unsere Kinder müssen da noch durch, aber ich sage meinen: Hey, seht es als Museum an, wenn ihr könnt. (Ich tue, was ich kann, um den Wandel anzustoßen. Bin noch sehr schüchtern, aber ich bleibe dran. Meine Kinder wollen gern in eine Schule gehen, auch um andere Kinder zu treffen.) Mir hat es geschadet, definitiv. (Ich hatte aber das Glück, dass das Tempo zu mir passte und ich eben offen war für die gebotenen Inhalte.) Vielleicht habe ich auch länger als andere die Verbindung zu meinem lebendigen Inneren halten können, so dass ich die Schmerzen noch spüren kann, die unser Schulzwang, das gleichschrittige Lernen, das Vergleichen der Leistungen mit einem Mittelwert verursachen. Und: die Kinder brauchen nicht Druck, sie brauchen Schwerkraft, Bedeutsamkeit, Sinn. Nur Zahnrädern reichen Befehle.
Ich glaube, dass vielen Erwachsenen zwar nicht unbedingt die Verbindung zu ihrem lebendigen Wesen fehlt, aber der Mut, es als „richtig“ anzusehen. Ich wünsche allen mit Hausaufgaben in ihrem Immunsystem Gutes Gelingen! Und den Kindern, die in der Schule leiden, mutige Erwachsene, die sie anleiten und begleiten auf dem Weg durch die Konflikte des Heranwachsens. Vielleicht nicht nur dazu, wie man sich eine Rüstung zulegt, sondern eher ein kuschliges dickes Fell, unter dem man selbst nicht erfriert, an das sich aber auch andere anschmiegen können, die gerade frieren… Ich nehme das als Hausaufgabe an. Gerne. Und dazu noch Tai Chi, wenn ich wieder Gelegenheit finde. Oder Aikido. Gibt es auch etwas Entsprechendes in der abendländischen Tradition?

Woche VI | Freitag, 09.10.2015

Ich habe die Mädchen zur Schule gebracht, sie scheinen keine ernsthaften Sorgen zu haben. Kkumhada war ein bisschen traurig, weil gestern ihre Fahrstunde mit häufigem Motor-Ausgehen angereichert war, sie im Nachgang jedoch nicht mit dem Fahrlehrer auswerten konnte, woran das gelegen haben könnte. Oishi-Kawaii hat tatsächlich öfters in ihr Tagebuch geschrieben und kann das als wohltuende Möglichkeit empfinden. Auch unterhaltsam, jedenfalls die Lektüre älterer Einträge. Sehr wortkarge. Das Tagebuch als Ort des Selbstausdruckes, des stillen Übens und Betrachtens. Des Denkenlernens, des Gefühle-Wahrnehmens.
Hatte ich früher auch gemacht. Und beim Schreiben meines Elends ist mir mit der Zeit so übel geworden von dem ganzen Gejammer, dass ich begann, die Verbesserungen herbei zu schreiben. Mir neue Sichtweisen zu erschreiben und damit Lösungswege zu eröffnen.
Die Mädels machen sich also anscheinend beide recht gut, ich erlebe sie ja nur, wenn die Luft schon raus ist. Und ich spüre jetzt schon viel eher, wenn sich der Trott des funktionierenden Tagesplanes einschleicht, wie wenig wir miteinander um- und aufeinander eingehen. Jeder arbeitet sein Pensum Hausaufgaben, dann das Ruhebedürfnis, Rückzug. Von Familienleben kann kaum die Rede sein. Immerhin ist keine*r krank. Ich nehme sie in den Arm, wenn ich mich darauf besinne, wie wir aneinander vorbei oder nebeneinander her leben. Ich rappele mich auf zum Vorlesen und geselligen Palaver. Ich träume von Gemütlichkeit und gemeinsamer Arbeit daran.
McFlitz kommt gerade sehr gut zurecht. Er und seine Mitschüler haben jetzt „Lesekinder“ in der ersten Klasse, jedes Pärchen sucht sich ein Plätzchen und der Große liest dem Kleinen was vor. Wenn das nicht Lernen fürs Leben ist! Er hat gestern in unserer Küche den Uroma-Ofen angeheizt, so dass wir in trauter Zweisamkeit schwatzen, Feuer hüten, kochen und essen konnten, am Ende begann er noch von sich aus, seine Geschichte in den PC zu tippen, die er in der Schule geschrieben hat und nun seinem Freund in Sachsen schicken will. Der ist jetzt in die Schule gekommen.
In dieser Woche hat unser Kreistag die Kostenübernahme für diejenigen Schulpflichtigen gestrichen, die nicht die örtlich zuständige Schule besuchen. Es ist mir unverständlich, wie das eine „freiwillige Leistung“ der Kreise sein kann! Eine Zwickmühle, in die der Staat seine Bürger nimmt: die eine Instanz zwingt uns in die Schule und ruht sich auf einem überalterten Herangehen aus, ignoriert das Wohlergehen der Kinder, eine andere Instanz setzt die Daumenschrauben an und macht den Weg in eine modernere Schule immer ungangbarer für die Finanzschwachen. Zumal es Leistungsträger*innen trifft, die ihre demokratische Betätigung auf ein Minimum beschränken, weil sie so viel arbeiten müssen, mit ihren Steuern das rostig-starre öffentliche Schulwesen mitfinanzieren und sich den Luxus einer privaten Schule leisten, damit die Kinder heil bleiben, die Schule läuft (eine Sorge weniger) und man Geld verdienen gehen kann. Oder so wie ich – die aus Gesundheitserfahrungen nicht mehr ohne weiteres „anschaffen“ gehen können, dafür umso mehr ehrenamtlich Einfluss zu nehmen versuchen (denn die wirklich wichtigen Arbeiten werden nicht mit Geld entlohnt) und in der Schleife abwärts in Richtung Armutsgrenze trudeln. Ein Engagement, das von den Erwerbstätigen nicht honoriert wird, wenn überhaupt wahrgenommen. So ist die Streichung der Busfahrkarten und Fahrtkostenzuschüsse wieder eine Quelle der unentgeltlichen Beschäftigung mehr, die ein Leben in Angstfreiheit und jenseits vom Daueralarm weiter in die Ferne rückt. Kein Wunder, dass Eltern ihre Kinder viel mehr beschützen wollen als vordem, ihren Kindern die Möglichkeiten eines erfolgreichen Lebens erschließen möchten, wenn sie schon nicht Gerechtigkeit und Achtsamkeit als gesellschaftlichen Konsens vorfinden, der uns allen die Sicherheit gibt, dass wir und unsere Nachkommen gut versorgt sind. Und sich dafür das Etikett „Helikoptereltern“ gefallen lassen müssen.
Extreme Umstände treiben eben unglaubliche Blüten, und der Lotus wächst im Morast…
Ich gehe voller Gedanken ins Wochenende, wieder traurig über meine Feigheit, wirklich die Schulpflichterfüllung zu verweigern, traurig, wie wenig es um Gemeinschaftlichkeit geht in den demokratischen Gremien, wie groß die Gier der Geldhorter, Landgrabscher, globalen Konzerne und die Missgunst der Zukurzgekommenen sind und wie sehr sie die Entscheidungen der Volksvertreter*innen vom Gemeinwohl weglotsen. Ich hoffe, dass wir bald gewahr werden, dass das gemeinschaftliche Prinzip mindestens gleichwürdig neben dem Wettbewerb zum Tragen kommen muss, wenn nicht gar viel mehr, zumindest bis die Wunden geheilt sind.

Woche VI | Montag, 05.10.2015

Es gibt Menschen, die sich an so einem traumhaft-sonnigen Herbstwochenende auf den Weg an die Ostsee machen.
Die Menschen in meiner Familie tun das nicht. Sie wollen am Wochenende einfach nur zu Hause und in Ruhe gelassen sein. Sicherlich hätte ich mit ein wenig Anschieben so einen Ausflug erwirken können, aber auch mir fehlt die Kraft dazu. Die Woche ist voll mit Schulpflichterfüllung und tollen Hobbys. Und wenn wir wirklich Ruhe haben wollen am WE, müssten alle Haus- und Hofarbeiten auch bis Freitag abend erledigt sein. Naja, die laufen nicht weg, und ich kann auch ganz gelassen bleiben, wenn sie sich vor mir auftürmen. Da ist mir auch egal, was Nachbarn denken mögen, ich will es nicht wissen, denn wenn ihnen was nicht passt, wie ich es mache, findet sich physikalisch-unausweichlich auch das Gegending dazu… Ansprechbarer bin ich für einfühlsame Erörterung der Sachlage. Vor ein paar Monaten kam mal eine Tierschützerin auf meinen Hof und fragte, ob sie meinen Hund ausführen dürfte. Ich war arglos und die Frau zunächst einfach nett. Wie sich herausstellte, „kontrollierte“ sie mich und lamentierte dann lang und breit über das Elend, in dem sie viele Tiere vorfände. Ich riet ihr, sich mit dem Elend der dazugehörigen Leute zu befassen, wenn sie den Tieren wirklich helfen wollte.
Meine Familie also in Höhlenstimmung. Kkumhada macht ihr Ding, vermeidet jegliche Kommunikation mit mir, Oishi-Kawaii verschwindet zwischen den „Helden des Olymp“ und reagiert insgesamt sehr gereizt auf uns, wenn wir sie da rausholen, McFlitz ist zunächst auch im Onliniversum und später in seine Lego-Katalog-Träumereien vertieft. Dann geht er aber doch von alleine raus herumtoben und Fahrrad fahren oder quasselt mir von seinen Geschichten und Erlebnissen was vor. Der Papa? – Auch er geht seinen Anliegen nach, stoisch fast, aber dazu gehören auch Frühstück machen, Brombeeren ernten, Holz hacken. Ich wünschte nur, er würde sich öfters mal die Kinder schnappen und sie mit einspannen. Naja, er will auch mal ungestört bleiben. Ich schicke ihm Oishi-Kawaii auf den Hals, Kkumhada sucht sich selbst eine familien-gemeinnützige Arbeit und ich schiebe McFlitz an seine Hausaufgaben: ein Vortrag über die Kartoffel, Malfolgen üben, Leseheft lesen. Ich will frei haben! Wenn ich also eh mein Kind zu Hause auch noch beschulen soll – Hausaufgaben dieser Art sind immer Elternaufgaben! – dann könnte die Schulpflicht doch gleich abgeschafft werden. Billiger wäre es auch. So sehe ich mich gezwungen, meine, unsere Familienanliegen hintanzustellen, damit mein Kind den Anschluss nicht verpasst an einen Plan, der zwar zu seinem Besten ersonnen sein soll, aber ganz offenbar so weit über ihm steht, dass es darin schon wieder keine Rolle mehr spielt und eben zusehen muss, wie es klarkommt.
Ich sehe mich gezwungen, weil ich zu feige bin, einfach zu verweigern. Ich habe Angst vor der Strafe. Auch wenn es vielleicht erstmal „nur“ Geld ist. Nun, wir hätten im Monat an die 300 Euro mehr, wenn wir den Jüngsten aus seiner staatlich anerkannten Ersatzschule nähmen. Die könnten dann ja investiert werden in unsere und seine Menschenwürde-Wiederherstellung… Und sicherlich täten wir anderen ähnlich schreckhaften Eltern den Gefallen, mit unserem Beispiel voran zu gehen, so dass auch sie mutiger werden können.
Na, ich will jetzt erstmal noch weiter als Elternvertreterin und Schreiberin das Feld beackern, immerhin sind meine Kinder auch nicht gerade rebellisch, freuen sich auf ihre Freunde, für wen wäre es also? (Aber ich trage sie in mir, diese Sehnsucht nach freudvollem Lernen in lebendigem Sinnzusammenhang aus unserer Lebenswelt heraus, im Einklang mit ihr, along the way, gewissermaßen, und nicht als etwas, wovon man sich am Wochenende erholen muss und distanzieren will.)
Fazit für mich – mein Familienleben: nicht vorhanden. Ich erlebe die Kinder nur unbereitwillig, erschöpft oder krank (bei McFlitz hauptsächlich unbereitwillig zu Hausaufgaben).
Natürlich sehe ich die Schule auch als Aufgabe an und versuche, damit konstruktiv umzugehen. Natürlich denke ich mir unterhaltsame Möglichkeiten des Übens (für die Schule) aus. Das würde ich so oder so machen. Natürlich sehe ich das Lernpotenzial für mich und die Kinder. Aber ich frage mich, ob wir wirklich so bootcamp-artig mit uns und unseren Kindern verfahren wollen? Angebliche Spreu vom Weizen trennen und damit für selbsterfüllende Prophezeiungen sorgen, die dem Dogma in die Hände spielen, man müsse all die beschränkenden, luftabschnürenden und einschüchternden Vorkehrungen treffen, um das Leben in Freiheit zu retten – ?!? – Die, die’s betreffen soll, werden so auch nicht erreicht. Die Sensiblen kriegen dafür umso mehr das „Vergnügen“, sich erstmal wieder aufrappeln zu müssen, damit sie überhaupt zurück zur eigentlichen Sache kommen können. Worüber wundere ich mich da?
Neue Woche, neuer Anlauf. Neuer Versuch, das Gute darin zu erkennen. Und vielleicht ein paar kleine Wunder? Ach, heute fühle ich mich wenig mutig!