Woche XXXIV | Montag, 18.04.2016

Fast hätte ich es verpasst – ist ja schon wieder ein Beitrag fällig geworden, wenn ich meinen Turnus einhalten möchte… Zum Start der 34. Woche dieses Schuljahres bewegten mich weniger die Sorgen meiner eigenen Kinder, sie sind vergleichsweise harmlos geworden. Mein kleines großes Mädchen, dessen Präfrontaler Kortex sich derzeit erheblich gestaltet, empfindet sehr scharf jegliche Art des Zunahetretens: insbesondere auch die Beschneidung ihrer eigenen Entscheidungen durch die in ihrer Schule gängige Unterrichtspraxis. Sie träumt immer kräftiger von selbstbestimmtem Lernen, von Begleiter*innen, die anregen und anleiten statt vorzuschreiben oder mit Benotung zu drohen. Von Räumen voller Material und Möglichkeiten. Sie hat die permanente Unterstellung der schülerischen Unwilligkeit mehr als satt.
Mein Grundschulkind geht ebenfalls wieder, wenn auch hustend, zur Schule. Seit ich nun andere Kinder mit Schulproblemen begleite, wird mir der Segen der benotungsfreien Rückmeldung noch einmal mehr deutlich und ich genieße es, diese Ablenkung vom eigentlichen Sinn des Erlernens der Kulturtechniken nicht auch bei ihm zu haben, und den Umgang damit am Ende des Tages als Hauptthema serviert zu bekommen. Ja, die Kinder verletzen sich an schlechten Noten, vielleicht schlimmer als an Schlägen auf den Hosenboden – da kann man sich wenigstens als tapferer Held feiern lassen. „Es macht gar keinen Spaß zu lernen, wenn man immer nur schlechte Noten bekommt“, gestand mir ein 9jähriges Mädchen kürzlich.
Ich arbeite mit den Kindern daran, dass sie trotzdem wieder an die Sache herangehen, erschließe mit ihnen den Spaß, den man daran haben kann, zu rechnen oder Botschaften schriftlich zu ver- und wieder entschlüsseln. Die Eltern bestärke ich darin, Eltern zu sein, keine Nachhilfepauker, und ihr normales Familienleben nicht für Hausaufgaben- und Übungsorgien zu opfern. Ich rede zudem mit ihren Lehrer*innen, möchte sie ermutigen, menschlich auf die Not der Kinder zu schauen. Sie sagen, sie müssen das alles schließlich in der Grundschule lernen, und ich frage, ob denn die Kinder, die sie mit schlechten Zeugnissen dann weiterziehen lassen, gelernt haben, was sie sollen. Das einzige, was geschehen ist, ist die Abarbeitung des Planes seitens der Pädagog*innen. Sie haben ihre Pflicht erfüllt. Die Kinder, die nicht das Glück haben, rein zufällig mit dem Tempo und der Darreichungsform der Unterrichtsinhalte gut klarzukommen, könnten sich diagnostizieren lassen, manche fahren weite Wege übers Land, um in eine LRS-Klasse zu gehen, stehen morgens dafür eine Stunde oder mehr früher auf, ihre Eltern mit ihnen, und kommen müde wieder heim, womöglich immernoch mit demotivierenden Erlebnissen. Abgesehen davon, als diagnostiziertes Wesen aus dem sonst Üblichen hervorzustechen, zementiert sich die Diagnose nachträglich noch, wenn die Resignation einsetzt.
Ja, hier in der Gegend gibt es einen Aufschrei, wenn ich das Thema Benotung anspreche und in Frage zu stellen wage. Die Eltern fürchten, ein wichtiges Instrument zur Erziehung ihrer Kinder zu verlieren. Für viele ist die Note die einzige Orientierung. Sie wissen dann sofort, ob ihr Kind „gut“ ist. Und wenn nicht, dann geht die Notfall-Maschinerie los: das Kind wird zu mehr Üben gezwungen, den Lehrpersonen in der Schule werden die Türen eingerannt. Schuld wird verteilt und zurückgewiesen. Der zweite Bildungsweg wird beschritten, monatlich viel Geld für Nachhilfe ausgegeben, da könnte man gleich in eine private Schule gehen, in der ein Kind in seinem Tempo lernen kann, individueller betreut wird und dann auch noch Freizeit behält, die für seine geistige und seelische Erholung unerlässlich ist.
Lehrer*innen beklagen sich, dass sie in der Schule die Erziehungsmängel der Elternhäuser ausbaden, ich selbst habe mich lange dagegen aufgelehnt, die Schädigungen meines Kindes durch die Schule ausgleichen zu müssen.
Und sehe ich es falsch? Steuerzahlende zahlen doppelt für ein schlechtes Schulwesen: entweder in Nachhilfe oder in private Schule fließt ihr Geld, beides macht die staatlichen Schulen nicht besser, die wiederum aus den Steuern derselben Leistungstragenden bemittelt werden. Und dann noch die Spätrechnung, wenn die Kinder krank werden, psychische Probleme bewältigen müssen oder, bei erfolgreicher Verdrängung, körperliche Leiden erleben müssen, die von all den Leichen im Keller hervorgerufen werden: „Das Gehirn macht aus Psychologie Biologie“, sagt Joachim Bauer in einem seiner Internet-Vorträge, der Körper ist das Gedächtnis unseres täglichen Empfindens, bis in die Gene hinein. Wann beginnt das Großreinemachen? Es ist Frühling, eine gute Zeit für den gründlichen Winterschlussputz! Für das Ausmisten all der Glaubenssätze und Ideologien, die uns von Mitmenschlichkeit im Umgang miteinander und mit uns selbst abhalten. Ich selbst bin intensiv dabei, und – es tut einfach gut!

Woche XXXI | Freitag, 01.04.2016

Habe ich gestern nicht geschrieben, um einen Aprilscherz auszuschließen? (Nun ist es schon vorgestern…) Vielleicht, aber es war auch sehr wenig Schreibzeit für mich drin.
Wir haben die beiden Schultage meisterlich bewältigt, d.h. die Kinder sind ungeschoren davon gekommen bzw. haben sogar einigen Erfolg verbuchen können.
Am Freitag Nachmittag nahmen wir einen Schulfreund mit nach Hause und nutzten am Abend das tolle, wenn auch etwas kalte Wetter, um das für Ostern vorgesehene Grillgut seiner Bestimmung zuzuführen. Dieser Schulfreund hatte das Pech, wegen dreier Gelber Karten nicht am Wandertag ins Schwimmbad teilnehmen zu dürfen. Als ich das hörte, ging ich innerlich gleich auf die Barrikaden, ich geb’s zu, aber ich habe das möglichst nicht gucken lassen und erst einmal genauer nachgefragt, ob ihm das dabei hilft, sein Verhalten besser zu kontrollieren. Es geht um einen 9jährigen Jungen.
Wenn man aus einem Kontext kommt, in dem Strafe ein probates Mittel zur Erziehung ist und einem der Sinn der Strafe auch erklärt wird, kann man das auch gut für sich akzeptieren, wie es scheint. Der Knabe war überzeugt, dass alles seine Richtigkeit hat.
Ich bin es nicht, ich denke nun darüber nach, wie ihm diese Strafe dabei helfen kann, günstige Umgangsweisen für jene Situationen zu finden, in denen er die drei gelben Karten zugeteilt bekommen hat. Ich könnte es soweit akzeptieren, dass er nicht mitdarf, wenn die Lehrerin meint, dass er wegen seiner mangelnden Selbstkontrolle eine besondere Gefahr für sich und andere darstellt und deshalb mehr Aufsichtspersonen nötig wären, die vielleicht gerade nicht vorhanden sind. Aber für die bessere Selbstkontrolle? Wäre es da nicht besser, es gäbe unmittelbarere Maßnahmen? Anstatt ihn auszuschließen, bräuchte er es doch viel eher, besseren Anschluss zu bekommen, oder?
Wenn ich mit Kindern arbeite, dann lege ich großen Wert darauf, das unerwünschte Verhalten nicht einfach nur zu kritisieren und zu unterdrücken. Natürlich ist es wichtig, das Stopp-Schild klar sichtbar zu machen und deutlich zu zeigen, was dieses Verhalten bewirkt. (Wenn du mir weh tust, kann ich nicht mit dir spielen. Wenn ich nicht mit dir spielen kann, wie soll ich dein Freund sein?) Genauso wichtig finde ich jedoch, dem Betreffenden Alternativen aufzuzeigen. Die Kindergruppe muss sich gemeinsam Gedanken machen und darüber klar werden. Jedes Kind kramt in seiner eigenen Erfahrung und erzählt, wie es in einer vergleichbaren Situation handelt. Was kann man tun, wenn man wütend ist? Wie kann man ruhig bleiben, wenn jemand einen provoziert?
Ich kenne den Gelbe-Karten-Katalog der Klasse nicht genau, aber wenn ich gelbe Karten einsetzte, dann würde ich versuchen, sie nicht über den Tag hinaus stehen zu lassen. Und wenn sich das Verhalten eines Kindes dauernd als problematisch erweist, dann würde ich versuchen, mit den Eltern zusammen auf Ursachensuche zu gehen, um die geeigneten Mittel und Wege wählen zu können. Sicherlich wäre auch die Hilfe eines Psychologen zu erwägen. Aber auch die übrigen Kinder der Gruppe haben dabei was zu lernen. Man kann nicht einfach einen „Übeltäter“ ausschließen oder in Ketten legen. Seine ganzen Anstrengungen gelten nur genau denselben Zielen, die jeder Mensch hat: sich zu schützen, sich zu behaupten und dazuzugehören. Dass die Mittel ungeeignet sein können, steht außer Frage, aber lernt derjenige die geeigneten, wenn er ausgeschlossen wird? Andererseits müssen auch die Anderen geeignete Wege lernen, sich zu schützen und mit schwierigen Situationen umzugehen. Weggucken, Wegschicken, Weglaufen geben sicherlich erstmal Zeit zum Luft holen. Aber engt man nicht seinen eigenen Spielraum auf die Dauer ein, wenn man alles Unerwünschte immer nur wegschiebt? Da häuft sich doch Einiges an, würde ich meinen, zumal sich nicht alles von allein „verwächst“.
Konsequent, also durchhaltend, zu sein gibt einer Forderung Bedeutung, ohne Frage. Eine Grenze wird dadurch zur sicheren Orientierung, dass sie hält. Aber Bestrafung als Konsequenz, also Folge, hat etwas Willkürliches an sich, etwas Entwürdigendes. Jemand denkt sich etwas für einen Anderen aus, was der dann machen muss oder nicht darf. Das ist eher das Gegenteil von Verantwortlichkeit. Es ist übergriffig. Es geht auf Kosten der Selbstbestimmung. Es gibt Einem (oder gar einer Gruppe) Macht über den Anderen. Der kann gar keine eigene Antwort geben außer einer Selbstschutzreaktion, wenn er sich nicht unterwerfen will. Und es vermischt diese beiden Aspekte, so dass man in einer Zwickmühle landet: Ich habe Einsicht, aber ich muss mich gleichzeitig erniedrigen. Ich finde das nicht sachdienlich.
So genau sortiert das für gewöhnlich keiner auseinander. Für mich macht es jedenfalls einen riesigen Unterschied, ob ich aus freien Stücken einsichtig bin und dann aus eigener Entscheidung mein Verhalten anders gestalte, oder ob ich zum Schämen in die Ecke verurteilt werde, damit ich endlich aufhöre, irgendetwas Bestimmtes zu tun und beginne mir irgendetwas Anderes anzugewöhnen.
Mit dem Daheimbleiben sind seine drei gelben Karten nun wieder gelöscht. Er ist traurig, dass er nicht mitdurfte, aber er meint, er habe es verdient. Und er meint, er strenge sich nun mehr an und passe besser auf sich auf. Ich bin gespannt.

Woche XXIX | Freitag, 18.03.2016

Wie schön, wenn man einfach in Ruhe arbeiten gehen kann! Mit dem guten Gefühl, die Kinder gut aufgehoben zu wissen in ihren Schulen. Und, welch Romantik, am Nachmittag oder Abend Anekdoten und Abenteuer erzählt zu bekommen! Ich wage noch nicht, mich daran zu gewöhnen, aber ich schätze mal, das passiert einfach.
Nun, die ganze Romantik hatte ich nun nicht, es gab Läusealarm, ich hatte mein Grundschulkind drei Tage zu Hause, um ganz sicher zu gehen. Zum letzten Schultag konnten wir ihn nur motivieren, weil wir ihm die Sicherheit zu geben imstande waren, dass er nicht gleich wieder Läuse einfangen würde – in der Schule haben alle Eltern zugestimmt, dass ihre Kinder dort kontrolliert werden dürfen, so dass ganz gezielt informiert werden kann.
Nun haben wir wieder Ferien, heute mit praller Sonne und der Ahnung, wie schön es im Frühjahr sein kann – wenn nicht immer alles grau überhangen bleibt…
Aber was mir dennoch vergönnt war: ganz nach meinem Rhythmus zu leben. Mit welcher Kraft kann ich unterwegs sein, wenn ich mir meine eigene Art erlaube! Dann bin ich auch weniger davon abhängig, ob die Umstände günstig sind, und kann mich viel besser auf Gegebenes einstellen. Wie sehr ich doch meistens von mir selbst entfernt bin! Ich lande in einem Automatik-Modus, der auf Planerfüllung programmiert ist, ich funktioniere dann einfach und ich erwarte das natürlich dann auch von den Kindern. Ich tue Dinge nicht, weil sie notwendig sind, sondern weil das jetzt so geplant ist. Ich habe die Verbindung zum Sinn nur in der Planungsphase, in der Umsetzungsphase bediene ich nur noch die Programmpunkte. Ich bin auch in einem gewissen Grad flexibel und kann den Kurs ändern, aber eigentlich immer mit einem schlechten Gewissen wegen des Planes oder wegen anderen Menschen, die sich drauf verlassen. Es ist irre aufwändig, immer allen Beteiligten die Änderungen mitzuteilen, damit sie sich mit ihrer Planung darauf einrichten können.
Eigentlich möchte ich nicht planen, ich möchte lieber viele Möglichkeiten inpetto haben und auf die jeweilige Situation eingehen. Das macht Absprachen schwierig, vor allem mit Planer*innen, die jede Einzelheit festgelegt sehen wollen. Ich habe lieber die Möglichkeit, mit den Aktualitäten zu spielen, kreativ im Augenblick zu entscheiden, gern auch mit Anderen im Team, die genauso auf verschiedene Ressourcen zurückgreifen können und spontan Ideen aufgreifen und umsetzen.
Wenn das so läuft, erlebe ich Flow. Ich bin kaum zu erschöpfen, die Quelle sprudelt fröhlich, bis mir buchstäblich die Augen zufallen und meine Körperzellen mir Pause verordnen.
Das beobachte ich auch an den Kindern – wie werden sie munter und ihre Kopfschmerzen verfliegen, wenn sie nach ihrer eigenen Fasson lesenschreibenzeichnensingentanzenrechnen dürfen! Habe ich sie nach acht Stunden Schule völlig erledigt in Empfang genommen, kommen sie nach kurzer Ruhe auf ihre eigenen Gedanken und finden Betätigung, die sie wieder zu sich kommen lässt – wenn ich sie lasse und nicht mit Pflichten oder Vorstellungen behellige. Die suchtartige Ausprägung einer Beschäftigung macht klare Aussage darüber, wie sehr ihre Bereitwilligkeit zur Erledigung fremder Aufträge überstrapaziert ist. Wie sehr ihr Bedürfnis nach Selbstbestimmung im roten Bereich gelandet ist. Gewiss steht hier wissenschaftliche Untersuchung aus, es ist aber meine Beobachtung und Auslegung, immer wieder.
Nun, mal sehen, wie lange es dieses Mal dauert, bis sich eine gesunde Unternehmungslust einstellt und die Bereitschaft, den Rückzug in die persönliche Höhle einzutauschen gegen Expeditionen in die Welt. In ausgewogener Weise.
Achja: Liebe Grüße an mein Kind im fernen Lande! Bitte grüße deine Gastfamilie und alle, die sich freundlich um dich bemühen und sage ihnen meinen Dank!

Woche XXVIII | Freitag, 11.03.2016

In dieser Woche bin ich als Mutter nicht in Schulsachen hineingezogen worden und die Schule hat nach meinem Erleben auch nicht allzu übergriffig in mein Familienleben hineingewirkt. Völlig frei sind wir natürlich nicht davon, denn nach wie vor muss die Familienzeit dafür herhalten, den Ausgleich für überstrapazierte Bereitwilligkeit zu bieten, was sich – worin sonst? – in sehr großer Zurückhaltung äußert, wenn es darum geht, hier bereitwillig an den anfallenden Aufgaben mitzuwirken. Und natürlich haben Schul-Hausaufgaben unbestritten Vorrang, wobei ich sie gleichrangig mit den Hobbys behandle und mich weigere, diese zugunsten der Schule zurückzustellen.
Ich bin überaus froh, dass McFlitz einfach gern zur Schule geht, Hausaufgaben sind Ausnahme, mal die Empfehlung, Mathegrundaufgaben zu wiederholen, mal Forschermaterial heraussuchen und in die Schule mitnehmen. Aber er darf selbst entscheiden, wie viel er machen will. Jetzt ist ihm mal aufgefallen, dass er so lange fürs Schreiben braucht, und er hat überlegt, jeden Tag Tagebuch zu schreiben. Zur Tat ist es noch nicht gekommen, ich werde ihn am Wochenende fragen, was er nun diesbezüglich vorhat. Ich staune immer wieder, mit welchen eigenen Überlegungen meine Kinder zu ihren Entschlüssen kommen, und wenn diese nicht aufgesetzt sind, mit welcher Hingabe sie sie umsetzen. Das betrifft auch schulische Bereiche, wenn diese nicht durch Antipathien besetzt sind.
Zenzen Shirimasen wird von den pubertären Umbaumaßnahmen durchgerüttelt und ich gebe zu, mich rüttelt Einiges mit. Ich hätte gern mehr Abstand, ich werde dran arbeiten. Auch die Abwesenheit der großen Schwester bedeutet eine große Umorientierungsaufgabe. Es ist, als ob eine Wand, an der man sich gewohnheitsmäßig abstützen oder orientieren will, plötzlich nicht mehr da ist. Man greift oder starrt ins Leere und kommt ins Taumeln und Grübeln. Nun ist unser Auslandsmädchen keine Wand, aber Maßstäbe hatte es durchaus gesetzt. Selbstsicher. Beständig.
Schule ist nun mehr ein Thema, das ich aus reinem Interesse betrachten konnte in der vergangenen Woche, ich kann mich ihm von mir aus zuwenden – eine völlig andere Qualität. Ich kann aus Neugierde hinschauen, ich muss nicht auf irgendwelche Notstände reagieren. Das macht den Blickwinkel weiter und setzt auch bei mir selbst kreative Ansätze frei, wie ich sie unterstützen und bereichern könnte. Auf jeden Fall kommt das Gefühl der Dankbarkeit auf, dafür, dass mein kleines großes Kind dort einen Ort und Hort des Lernens, der Begegnung und des Miteinanders findet. Und ich kann mich um unser Familienleben scheren. Um unsere Werte jenseits der erste-Hilfe-Einsätze für meine geschundenen Jungen.
Meine große Große scheint glücklich zu sein in ihrer Wahlheimat für ein knappes Jahr. Falls du hier mal schmökern solltest: Hab dich lieb und drücke dich an mein Herz! Grüße deine Gasteltern und -geschwister herzlich von mir und danke ihnen in meinem Namen für ihre Fürsorge! DANKE!
Mädchenschule, Schuluniform, eine exotische Alltagssprache, vom 20-Seelen-Ortsteil in eine Hauptstadt-Metropole. Aus einer konfessionslosen Familie in eine kirchliche Gemeinschaft.
Ich selbst: ständig in Bewegung, auf Auftragssuche, mit ersten Hoffnungsschimmern. Ich genieße die Windstille dieser Tage, die milden Sonnenstrahlen. Ich schlafe tief und fest und eher viel. Ich habe gesehen, was das Zurechtstutzen eines Kindes anrichtet. Ich bin da sehr sensibel, ein Seismograf. Und ich finde Möglichkeiten, mich für den Wandel einzusetzen, sogar beruflich und nicht mehr nur ehrenamtlich oder privatvergnüglich. 🙂

Woche XXVII | Montag, 29.02.2016

Da die Schule also nun kaum noch für Alarmstimmung und entsprechenden Ersthelferhandlungsbedarf sorgt, kann ich mich wohl verstärkt dem Boden widmen, der den unliebsamen Symptomen die Nahrung liefert. Ich sehe die Schule nicht als ursächlich an, das habe ich in der „Gewaltfreien Kommunikation“ zu schätzen gelernt. Täte ich es, könnte ich nie aus dem Schlamassel finden, solange die Schule nicht gnädig sein möchte. Ich fühle mich lieber als Gestalterin, damit liegt alles in meiner Hand.
Ich sehe sie allerdings als auslösend an, als Hinweis auf anstehende Aufgaben. Was nicht bedeutet, dass ich alles gutheiße, was sie mir an Gelegenheiten bietet. Ich bin durchaus bereit, das Herangehen dieser Institution an die Bildung unserer Kinder in Frage zu stellen, da sie uns vor Aufgaben stellt, die nicht im Rahmenplan verankert sind, und für die sie uns auch keine Strategien an die Hand gibt…
Ich nehme nun unser Miteinander innerhalb der Familie in den Fokus. Auf welche Weise fordern wir uns, was wollen wir voneinander… Mir ist wichtig, die Bedürfnisse zu erkennen, die hinter dem Hunger stecken, und die Wege zu erforschen, die zu ihrer Stillung führen, und die Kriterien zu entdecken, an denen wir uns orientieren können. Das stelle ich mir als Alternative zu einem Leben nach Vorschrift vor – auch wenn die Vorschriften Gutes bieten: mir sind sie lieber als Anleitungen oder Empfehlungen, bei denen es mir freisteht, ob ich sie befolge oder meine eigenen Experimente und Erfahrungen mache. Ich glaube, wenn wir einander das zugestehen können, ich den Kindern, meinem Mann, und sie mir, dann sehen wir uns als gleichwürdig. Und wenn es uns gelingt, einander in Geduld und Zugewandtheit Rückmeldung zu geben über die Auswirkungen unseres Auftretens, dann können wir bestimmt alle ganz viel voneinander lernen!

Woche X | Freitag, 06.11.2015

Heute nur ganz kurz, der Tag hat’s wieder in sich. Zwei, die beiden Mädchen, haben Schnupfen, latent, immer irgendwie am Niesen. Der Bube ist ohne Symptome.
Alle sind heute arbeitsfähig. Ich habe ein etwas leeres Gefühl, hinter mir eine Woche voller Termine, und jetzt gerade die Frage, wofür. „Der Laden läuft“, irgendwie was Gutes, aber nun, da er läuft, eben diese Leere.
Oishi-Kawaii legt mir Zettel vor, die sie schon seit einer Woche herumträgt, ich bin ungehalten, morgens will ich sowas gar nicht bearbeiten. Aber, vielleicht doch die beste Zeit, die Nachmittage sind dem Bedürfnis nach selbst bestimmten Aktivitäten oder der Muße vorbehalten, einiges davon auch regelmäßige Termine. Am Abend ist noch weniger Lust auf die Drangsalierungen der Schule da.
Nun nimmt also der letzte Schultag dieser Woche seinen Anfang, ich habe ein Arbeitstreffen zu Englischunterricht und Zeugnis in Freiheit, bin ganz gespannt. Ich wünschte meinen Kindern solche selbstbestimmte Themenwahl! Naja, ich meine, genauer gesagt, dass sie ihnen nicht ständig verhindert wird, denn sie wählen ihre Themen. Sie haben immer ein bisschen Raum dafür bekommen, jedenfalls in der Familie. Zulasten gemeinsamer Arbeiten, denn ich habe gemerkt, dass sie sich erstmal von der ganzen Fremdbestimmung erholen mussten, wenn sie aus der Schule kamen, um ihre Bereitwilligkeit für weitere wenig individuelle Aktivitäten wieder herzustellen. Es macht mich munter, an mein Vorhaben zu denken, und plötzlich weiß ich wieder, wofür…
Was uns auch gerade mächtig drückt, ist der finanzielle Schuh. Mein beruflicher Ausfall konnte bis jetzt von unserem Baugeld aufgefangen werden, nun sind die Ersparnisse futsch, aufgefuttert, wir werden die Musikschulen abmelden und McFlitz in die örtlich zuständige Schule umtopfen müssen, wenn ich nicht bald etwas zum Einkommen beitrage. Ich würde gern, wer nicht, aber was hilft’s etwas anzufangen, was mich nach absehbarer Zeit wieder in die Verzweiflung treiben könnte? Also räume ich weiter Bedenken aus und hoffe auf ein wohlwollendes Entgegenkommen. Am Montag besuche ich nochmal meinen Coach.
Dann also – auf in den Endspurt der Woche.

Woche VIII | Freitag, 23.10.2015

Ja, schon zwei Tage her… Ich bin am Freitag mit einem schmerzenden linken Unterschenkel aus der Woche gehumpelt, habe mich nur noch lang ausstrecken können und mir Gedanken gemacht, ob es „nur“ ein Krampf ist oder gar ein Blutgerinnsel… Mit Arnika und Biochemie Nr.7, Mineralwasser, achtsamem Essen habe ich die leergelaufenen Tanks der Spurenelemente etc. wieder aufgefüllt, ich konnte gestern schon – schön behutsam aber lebensfroh – draußen arbeiten, Walnüsse sammeln, Laub harken, …
Meine Auslaugung habe ich mir mit einem Arbeitsflow verschafft, bei dem ich wie im Rausch ein Anliegen nach dem anderen auf den Weg bringen konnte. Ein Antrag an die Schulkonferenz wurde formuliert mit anderen Eltern gemeinsam, ein Vorschlag für ein kompetenzorientiertes Zeugnis an meiner vielleicht zukünftigen Arbeitsstelle begonnen zu erarbeiten, Hospitation, Eigenreflektion, Maria Montessori’s „Kinder sind anders“ gelesen, Joachim Bauers „Das Körpergedächtnis“ in Arbeit, eine Fortbildung zu „Direkter Instruktion“ mit den Lehrer*innen der Schule meiner Mädels erlebt. (Wenn die Pädagog*innen den Part mit angeleitetem Üben und anschließendem Feedback über den erreichten Verständnisstand nicht weglassen und davon abhängig machen, wie es weitergehen soll, kann eigentlich gar nichts schief gehen, oder?) Eine eMail-Diskussion mit Zündstoff verdaut. Und schließlich noch ein psychotherapeutisch-systemisch-energetisches Heilungscoaching durchgearbeitet. Derweil die Kinder natürlich auch ihre gewohnte Unterstützung von mir bekamen. (Hier sei angemerkt, dass ein Großteil vom Papa übernommen worden ist, seit ich erschöpft zusammenbrach. Ich leiste Fahrdienst, Wäsche, Putzen, und Heilungsarbeit.) Das alles zwar in einem glücklichen Schwung gewuppt, aber nur mit mangelhafter Wiederauffüllung der dafür verbrauchten Ressourcen.
Jetzt haben wir eine Woche Ferien vor uns, in vergangenen Jahren habe ich sie gern für eine Tingeltour genutzt, die beiden letzten aber standen schon tief im Zeichen meiner Kapitulation vor dem Leben angesichts der Entfremdung und Beschädigung meiner Kinder.
Ich habe seit Januar an meiner eigenen Heilung gearbeitet, die „Leichen aus dem Keller“ befördert. Mit anderen Worten, die unverheilten Verletzungen aus meinem bisherigen Leben eine nach der anderen neu besehen und gepflegt. Die „Leichen“ als „Scheintote“ erkannt. Das, was gemeinhin der „innere Schweinehund“ genannt wird, als den Fürsprecher meiner Bedürfnisse umgedeutet und mich selbst mit einer bisher unüblichen Achtsamkeit gewürdigt. Die Gefahr, egoistisch zu sein, schien mir immer sehr bedrohlich und ich wusste nie, ob sie mich unerwartet und aus dem Blauen heraus erwischen könnte. Klar war nur, dass das ein No-go für mich ist.
Dann habe ich irgendwann ganz schüchtern begonnen mich zu fragen, wer denn für meine Kinder sorgen würde, wenn ich aufgebraucht bin. Langsam gelernt, mir zuzugestehen, mich erholen zu dürfen, gut zu essen und mich auch zu amüsieren. Jetzt möchte ich meine ganze Arbeit unter den Anspruch stellen, dabei Freude zu empfinden und gesund zu bleiben. Auch die berufliche, wenn es denn nun bald mal wieder damit losgehen würde! Denn nach wie vor kann man von den gemeinnützigen Tätigkeiten, mit denen man die Lebenstauglichkeit wiederherstellt, nicht leben. Absurd, was?
Meine eigene Heilung ist ein großartiger Lernprozess geworden. Ich habe mich nicht „reparieren“ lassen oder mit Medikamenten einstellen. Das ist mir immer sehr suspekt vorgekommen. Auch meine Allergie gegen Leute, die alles wissen und recht haben und mich belehren, war mir hinderlich dabei, mich auf den konventionellen, krankenkassengestützten Weg zu begeben. Ich habe ganz rebellisch dem lebendigen Funken in mir vertraut, dass dem Leben auch die Kraft der Heilung innewohnt. Jahrelang war ich auf dem Alleinkämpfertrip, auch mangels passender Mitstreiter*innen oder gegenseitiger Unterstützer*innen. Bis ich mich schließlich von dem Gedanken verabschieden lernte, dass alles nur mit Geld geht, und begann, mir Tauschpartner zu finden. Auch mein Coach konnte und kann sich ein Stück weit auf Tauschgeschäfte einlassen, so dass sich plötzlich der Weg auftat, mir auch Hilfe holen zu können, wie ich sie brauche. Unbevormundet. Zunehmend aus eigener Kraft. Mein linkes Bein tut mir wieder seinen Dienst, und nun trägt es mich gleich hinaus an die frische Luft, in die Oktobersonne, die gerade nicht von Wolken verdeckt und gedämpft in ihrer ganzen goldenen Pracht auf die vielfarbigen Herbstblätter scheint.

Woche V | Montag, 28.09.2015

Nun sind sie wieder alle fort. Einige Stunden nach dem „Blutmond“, den sie natürlich schlafend erlebt haben. Von dem sie theoretisch oder bei den Geschichten um Aang, den Avatar, erfahren werden/haben. Schule ist wichtiger als das echte Leben. Wo kämen wir hin?
Für die wichtigen Dinge lohnt es sich ausgeschlafen zu sein. Also kein Mondspektakel gucken.
Unser Wochenende war reich an Unternehmungen, wir haben viel mit Menschen und miteinander zu tun gehabt – Gäste haben, eine japanische Teezeremonie kennenlernen, einen Geburtstag feiern, ein Flüchtlings-Willkommen, ein Erntedankfest, eine Musiker-Begegnung wie sie lebendiger nicht sein könnte (lauter Leute, die so noch nie miteinander geprobt haben, und ein Klangerlebnis hinzauberten wie eine Wanderung durch Wald und Feld, nach Lust und Laune). Im herrlichsten Sonnenwetter Motorradfahren üben, Rad fahren, Pilze sammeln. Ich allerdings habe mich, nachdem Feiern und liebe Gäste gut überstanden waren, am Sonntag Mittag „nur kurz“ hingelegt und von dem ganzen Sonntagszauber nur die letzten Ausläufer vor dem Abendbrot mitbekommen. Wir schlossen mit „Shaun, der Film“ das Programm und fanden kurz vor dem Schlafengehen noch ein paar Hausaufgaben vor…
Tatsächlich von Freitag auf Montag aufgegeben. McFlitz würde also unverrichteter Dinge in die neue Woche starten. Auch Oishi-Kawaii darf sich auf eine Woche mit täglichen Leistungstests freuen, was ihr natürlich immernoch zu schaffen macht. Und damit auch mir wieder Begleitungsaufgaben liefert. Ich muss argumentieren und trösten und den Pädagog*innen Briefchen schreiben für meine beiden Kleinen. Jedenfalls für McFlitz. Das Wochenende sollte HA-frei sein! Wirklich frei zur selbstbestimmten Verwendung. Zum tief-Durchatmen und frohsinnigen Spiel/Kreativsein/Herumströpen/Bauen… Nun, es ist eine Entscheidung, das kann man auch mit HA haben. Die ignoriert man einfach genauso, wie die Schule ignoriert, dass mensch selbstregulierend auch einen eigenen Lerndrang hat, aus dem Bedürfnis nach Verständnis heraus. Und dass mensch immer das Nötige und Mögliche lernt. Und in einer ignoranten Gleichschrittsschule stolpern MUSS – bei aller Liebe und Rücksichtnahme, weil eben nicht in seinem eigenen Rhythmus und Tempo und von innen heraus bewegt. Und dass es manchmal bedeutet, dass mensch die übergriffigen Forderungen Anderer abwehren muss. Die dann eingeschnappt-vorwurfsvoll behaupten, es wäre doch zu menschen’s Bestem gedacht.
Oishi-Kawaii bekommt von mir die Ermutigung zur Lücke. Natürlich ist mir wichtig, dass sie sich in der Welt auskennt, zu denken lernt und sich den wichtigen Dingen stellt. Sie darf sich also gegen die Angstpaukerei entscheiden. Ich bin nicht böse auf sie über schlechte Noten. Ich spüre nur die Verletzungen der gequälten Seele, die ständig von außen gezogen und geschoben wird und sich weigert einzusehen, dass manche Menschen eben nicht so auf sie achten wie die eigenen Eltern. Ist vielleicht auch unsere Aufgabe, das mal deutlich zu machen und unsere Kinder dazu anzuleiten unterscheiden zu lernen. Das Gegenteil von „gut“ ist „gut gemeint“ (also ohne den Anspruch, die Wirkungen zu überprüfen und das Vorgehen anzupassen). Es geht eben nicht wirklich um die Kinder.
Kkumhada, meine Große „macht ihr Ding“. Sie schöpft aus der Quelle der Begeisterung für ihre Motorradfahrschule. Sie ist mit eigenen Zielen unterwegs und räumt sich ohne weiteres auch Kursänderungen ein. Sie kann inzwischen ganz gut „trotzdem“ lernen, wenn ihr eine Lehrperson unsympathisch ist, und sich auf diese Weise differenzierter auf Herausforderungen einlassen, sich für Gegebenes öffnen. Das geht erst ab einem bestimmten Reifegrad, sicherlich auch abhängig vom Hormonhaushalt und dem Stand der Pubertät – wie weit kann sich das Kind schon lösen und „den Rest der Welt“ auf sich beruhen lassen oder so ins Verhältnis setzen, wie es das Gebet ersehnt: …gib mir die Kraft zu ändern …, die Geduld hinzunehmen …, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden…
Ich merke schon, es geht immer wieder ums Unterscheiden. Immer wieder Aschenbrödel. Die Guten ins Töpfchen.
Also: statt „Lasst die Kinder endlich in Ruhe lernen!“ und strampelnd drauf zu warten, dass es wahr werde, selbst sortieren und mit einem „Machen wir das Beste draus!“ das Nötige und Mögliche lernen. Hier wohl: selbst entscheiden und die Folgen tragen. Sei es Verweigerung, Flucht nach vorn oder Mitwirkung in Kritik oder Einverständnis. Ich wähle eine Mischung aus allen dreien. Und wenn ich mutig genug bin, kann ich vielleicht sogar unmittelbar (direkt und mündlich) mit den Bildungsmachenden ins Gespräch treten und für das Verständnis sorgen, dessen es bedarf, um wirklich etwas zu verändern. Bis dahin erlaube ich meinen Kindern, in Ruhe zu lernen und sich von der Schule nicht stören zu lassen…

Woche IV | Freitag, 25.09.2015

Ich schreibe, bevor der Tag losgeht, ich weiß also noch nicht, was mich später am Frühstückstisch erwarten wird, ob alle gesund sein werden. Bisher verlief diese Woche jedenfalls weitgehend „gesund“. Ich habe mein Kopfschmerzkind eindringlich instruiert, dass es diese Tests und Klassenarbeiten nicht allzu ernst nehmen darf, zumal auch niemand danach fragt, ob sie sich bereit dafür fühlt. Es geht nur um den Plan, nicht um die Kinder.
Auch in der freien Schule von McFlitz geht es um den Plan, immerhin wird er nicht mit Noten traktiert, sondern kann die Tests als Möglichkeit wahrnehmen zu schauen, wie weit er kommt. Seinen Stand der Dinge im Vergleich zum Jahrgangsziel zu ermitteln, ist ihm nicht wichtig, aber wenn er nicht alles fertigstellt in der gegebenen Zeit, dann wird ihm das nicht einfach kurz und knapp quittiert, sondern es gibt ausführlichere Gespräche über Notwendigkeiten, um Verständnis herzustellen und seine Ziele neu zu stecken, wenn nötig. Z.B. gab es im vergangenen Schuljahr diese Tests zu den Malfolgen, die zutage förderten, das mein Kind alles richtig rechnet, nur eben nicht so schnell. Die Schnelligkeit hatte für ihn noch keinen Sinn gemacht, also wurde sie auch nicht zum Übungsziel.
Meine Große geht ihren Weg. Sie weiß noch nicht, was sie nach dem Abi machen will. Ich schlage ihr immer vor, ein Handwerk zu lernen, das ist eine Art Erdung, ein Fundament, damit ein Studium -wie bei mir- nicht so abgehoben obendrauf jegliche Verbindung zur Wirklichkeit vermissen lässt und damit nicht in die Praxis führt. Das kann bei ihr natürlich ganz anders sein.
Ich vermisse immer ein bisschen das Gespräch mit meiner Großen, werde nicht so recht vertraut. Kurze Mitteilungen und dann weiter. Bevor ich weiß, wie mir geschieht, ist der Kontakt schon wieder vorbei. Ich sitze gern einfach mal ein bisschen länger beieinander, auch ohne was zu sagen. (Aber auch ohne Smartphone oder Buch.) Nun ja, sonst gibt es nichts zu wünschen. Nur dass sie gesund bleiben möge auf dem Motorrad, jetzt bei der Fahrschule und danach…
Wir haben tatsächlich eine Woche erlebt, in der die Freizeit mal nicht der Genesung gewidmet werden musste. Danke!!! Ich habe dafür was getan: Bewusst die der Pflichterfüllung dienende Routine, die den Kindern genug Freizeit, Zeit für HA und für Schlaf sichern sollte, durch eine ganz gemütliche, undurchstrukturierte, gemeinsame Feierabend-Runde auf der Kuschelbank gebrochen. Vorher wie immer zusammen was essen, und dann eben nicht gleich in die nächsten Aufgaben oder jeder für sich in die Auszeit verabschieden, sondern zu einem Quassel-Symposium zusammenfinden. Mit offenem Ende. Und was soll ich sagen? Ich hatte ja im Stillen befürchtet, wenn ich das mache, läuft danach kein Haushalt mehr, weil die Erschöpfung eben die Oberhand bekommt. Weit gefehlt! Eine echte Leib- und Seelen-Tankstelle gefunden! Und mein ausgiebig kuschelnder McFlitz kann dann sogar viel selbständiger sein! Ganz von allein. In meine Oishi-Kawaii kommt Bewegung und Lust auf dies und das jenseits von Buch und Bildschirm. Und meine Kkumhada wird gesellig und gesprächig… Was hat mich nur in jene Pflichtenfalle gebracht??? Unmerklich bin ich hineingeglitten, mit jedem Versuch, den Nachmittag zu optimieren, ein Stückchen tiefer. Und habe nicht verstanden, dass gerade diese achtsame Planerei jedes Luftlöchlein verstopft hat, das uns mit ungleich erholsamerer Frischluft gestärkt hätte als der ausgebuffteste Wellnessplan. Auf ins Wochenende! Nach Lust und Laune. (Naja, einen Plan gibt’s diesmal schon wieder, wir bekommen Gäste… Aber es ist mehr ein Rahmen, mit Spielräumen. Und Kuschelbank!)

Kurzmitteilung

Werte,

die mir so wichtig sind, dass ich Alpträume von ihrem Verlust bekomme.
Unsere Welt ist schwer in Bewegung, Menschen aus anderen Kulturkreisen sind auf der Flucht vor Menschen mit wiederum anderer Kultur. Aus ideologischen Gründen dreschen sie auf andere, aufeinander ein. (Vielleicht mit dem stillen Einverständnis der Finanz- und Wirtschaftsheinis, die die Welt unter sich aufteilen und die schmutzige Arbeit dem „Pack“ überlassen. Hey Leute, kommt zur Besinnung!!! Ihr seid Puppen im Theater!)
Worum fürchte ich? Ich fürchte für mich als Frau und für meine Töchter, dass wir die Freiheit, mit der wir durch den Teil der Welt tanzen können, der das zulässt, verlieren könnten. Dass wir unsere Selbstbestimmung aufgeben müssen, die wir in unserer Familie und im Freundeskreis und in Deutschland und einigen anderen Gegenden leben können. Und dann sehe ich mich um: Es gibt auch hier genügend Beispiele von Gewalt gegen Frauen! Frauen, die still ertragen. Die sich nicht trauen, dagegen aufzubegehren. Die keinen kennen, der sie ermutigt, sich nicht alles gefallen zu lassen.
Da ist meine Angst wohl berechtigt. Wenn ich so ein seltenes Privileg habe. Und es nicht nutze, um auch anderen Frauen Teilhabe zu verschaffen.
Ich werde mir eine stärkere Basis schaffen, indem ich die gepeinigten Frauen ermutige! Indem ich mich mit anderen freien Frauen vernetze (unsere Freiheit fördert ja auch eine Individualgesellschaft ohne inneren Zusammenhalt, jedenfalls habe ich hier Nachholbedarf) Und diejenigen Männer würdige, die den Mumm haben, sich der vollen weiblichen Kraft und ihren Abgründen zu stellen, ohne sie fesseln, einsperren und quälen zu müssen! (So wie meiner :). Danke!)