Woche XXIX | Freitag, 18.03.2016

Wie schön, wenn man einfach in Ruhe arbeiten gehen kann! Mit dem guten Gefühl, die Kinder gut aufgehoben zu wissen in ihren Schulen. Und, welch Romantik, am Nachmittag oder Abend Anekdoten und Abenteuer erzählt zu bekommen! Ich wage noch nicht, mich daran zu gewöhnen, aber ich schätze mal, das passiert einfach.
Nun, die ganze Romantik hatte ich nun nicht, es gab Läusealarm, ich hatte mein Grundschulkind drei Tage zu Hause, um ganz sicher zu gehen. Zum letzten Schultag konnten wir ihn nur motivieren, weil wir ihm die Sicherheit zu geben imstande waren, dass er nicht gleich wieder Läuse einfangen würde – in der Schule haben alle Eltern zugestimmt, dass ihre Kinder dort kontrolliert werden dürfen, so dass ganz gezielt informiert werden kann.
Nun haben wir wieder Ferien, heute mit praller Sonne und der Ahnung, wie schön es im Frühjahr sein kann – wenn nicht immer alles grau überhangen bleibt…
Aber was mir dennoch vergönnt war: ganz nach meinem Rhythmus zu leben. Mit welcher Kraft kann ich unterwegs sein, wenn ich mir meine eigene Art erlaube! Dann bin ich auch weniger davon abhängig, ob die Umstände günstig sind, und kann mich viel besser auf Gegebenes einstellen. Wie sehr ich doch meistens von mir selbst entfernt bin! Ich lande in einem Automatik-Modus, der auf Planerfüllung programmiert ist, ich funktioniere dann einfach und ich erwarte das natürlich dann auch von den Kindern. Ich tue Dinge nicht, weil sie notwendig sind, sondern weil das jetzt so geplant ist. Ich habe die Verbindung zum Sinn nur in der Planungsphase, in der Umsetzungsphase bediene ich nur noch die Programmpunkte. Ich bin auch in einem gewissen Grad flexibel und kann den Kurs ändern, aber eigentlich immer mit einem schlechten Gewissen wegen des Planes oder wegen anderen Menschen, die sich drauf verlassen. Es ist irre aufwändig, immer allen Beteiligten die Änderungen mitzuteilen, damit sie sich mit ihrer Planung darauf einrichten können.
Eigentlich möchte ich nicht planen, ich möchte lieber viele Möglichkeiten inpetto haben und auf die jeweilige Situation eingehen. Das macht Absprachen schwierig, vor allem mit Planer*innen, die jede Einzelheit festgelegt sehen wollen. Ich habe lieber die Möglichkeit, mit den Aktualitäten zu spielen, kreativ im Augenblick zu entscheiden, gern auch mit Anderen im Team, die genauso auf verschiedene Ressourcen zurückgreifen können und spontan Ideen aufgreifen und umsetzen.
Wenn das so läuft, erlebe ich Flow. Ich bin kaum zu erschöpfen, die Quelle sprudelt fröhlich, bis mir buchstäblich die Augen zufallen und meine Körperzellen mir Pause verordnen.
Das beobachte ich auch an den Kindern – wie werden sie munter und ihre Kopfschmerzen verfliegen, wenn sie nach ihrer eigenen Fasson lesenschreibenzeichnensingentanzenrechnen dürfen! Habe ich sie nach acht Stunden Schule völlig erledigt in Empfang genommen, kommen sie nach kurzer Ruhe auf ihre eigenen Gedanken und finden Betätigung, die sie wieder zu sich kommen lässt – wenn ich sie lasse und nicht mit Pflichten oder Vorstellungen behellige. Die suchtartige Ausprägung einer Beschäftigung macht klare Aussage darüber, wie sehr ihre Bereitwilligkeit zur Erledigung fremder Aufträge überstrapaziert ist. Wie sehr ihr Bedürfnis nach Selbstbestimmung im roten Bereich gelandet ist. Gewiss steht hier wissenschaftliche Untersuchung aus, es ist aber meine Beobachtung und Auslegung, immer wieder.
Nun, mal sehen, wie lange es dieses Mal dauert, bis sich eine gesunde Unternehmungslust einstellt und die Bereitschaft, den Rückzug in die persönliche Höhle einzutauschen gegen Expeditionen in die Welt. In ausgewogener Weise.
Achja: Liebe Grüße an mein Kind im fernen Lande! Bitte grüße deine Gastfamilie und alle, die sich freundlich um dich bemühen und sage ihnen meinen Dank!

Woche XIV | Freitag, 04.12.2015

Soll ich „Freitag“ schreiben, wenn ich am Samstag verfasse?
Der Freitag folgte einer Woche voller Aktivität in der analogen Welt. Ich habe ein Schaufenster zur Verfügung bekommen, in dem ich meine Arbeit anbieten kann. Leider bisher mit wenig Resonanz (Keine.). Manche wollen es gern nutzen, sind aber krank oder haben kranke Angehörige auf dem Zettel. Andere haben gerade keine Zeit. Ich habe mir das Treiben vor dem Schaufenster auch selbst angesehen, ja, es wird schon neugierig beguckt. Ich kann mir vorstellen, dass die Passanten es entweder eilig haben oder einen Plan folgen, der jetzt abgespult wird. Sie müssen mein Angebot erstmal einplanen, dann können sie auch drauf eingehen. Nichts mit „Ich ging im Städtle so für mich hin…“
Die Kinder sind gesund und waren geregelt in den Schulen, ich habe mich der Ausgestaltung meines Angebotes gewidmet. Es ist überhaupt das erste Mal, dass ich mit innerer Ruhe sagen kann „Dies und das kannst du mit mir lernen oder bei mir machen. Ich begleite dich auch bei diesem und jenem Thema.“ Ohne mir gleich vorzustellen, was ich alles NICHT liefern kann. Ich habe sogar den Mumm, meine Musikalität „unters Volk“ zu bringen. Nicht auf einer Bühne. Aber in einer geselligen Runde, auch mit lauter mir unbekannten Personen. Na, genau das ist manchmal sogar leichter als im vertrauten Bekanntenkreis zu trällern… Ich kann jetzt beides, und auch hier gilt: Ich denke nicht zuallererst mal, was ich alles NICHT kann oder dass ich mich immer versinge. Und wenn es passiert, bleibe ich ganz gelassen und mache einfach weiter. Oder nochmal von vorn. Was für ein Fortschritt! Und – was für ein Frevel, wenn in der Schule das Singen bewertet und dem Großteil der Bevölkerung zu einem großen Grausen verhunzt wird. Mir hat das Singen wertvollen Schwung zur Heilung gegeben, schon oft habe ich seine schmerzstillende Wirkung erlebt, z.B. bei Regelschmerzen. Aber ich brauchte dafür ein stilles Fleckchen, wo mich keiner hört, damit ich meinem Singen freien Lauf lassen konnte. Wann hatte ich das schon?
Jüngst habe ich es (wieder!) bei Babies beobachten können, wie das Singen sie in Ruhe bringt. Sie spüren mit allen Sinnen in den Klang hinein, und wenn die Musik aufhört, stimmen sie ihren eigenen Gesang an, erwachen zu lebhafter eigener Aktivität. Je nach dem, ob sie Schmerzen wieder spüren, schreien sie oder gucken neugierig herum, was denn nun los ist oder strampeln mit Armen, Beinen und Stimmwerkzeugen los, um ihrem Empfinden Ausdruck zu verleihen. Sie SIND Empfindung, Regung, Bewegtheit.
Es ist nicht Luxus, sich alltäglich oder wenigstens allwöchentlich zum Musizieren zusammenzufinden. (Und jemanden, der Gitarre o.ä. spielen kann, dafür zu engagieren.) Es ist Luxus, es nicht zu tun. Wir füttern damit die Pharmaindustrie, den Nahrungsergänzungsmittelmarkt, und die Berieselungslieferanten. Und gar nicht viel weiter weg im Netz der Zusammenhänge auch die Kriegstreiber, Angstmacher und Profiteure der ungelösten Konflikte.
Ja, das Singen war in dieser Woche sehr wesentlich für mich. Und das Schreiben von kleinen Geschichten. Mit Kindern. Ich habe auch wieder ein bisschen bei anderen Bloggern gestöbert, was mir immer fehlt, wenn ich’s nicht schaffe.
Irgendwie hoffe ich auch unterschwellig dauernd auf ein Wunder – dass meine Versuche, freiberuflich erfolgreich zu arbeiten, einträglich werden. Dass das Gute, Schöne, Wahre, das ich im Gepäck habe, Interessenten findet. „Likes“ bekomme ich viele, das hat mich auch auf diesem Kurs gehalten, aber nun ist die Probe aufs Exempel fällig, nun erlebe ich die Substanz hinter ihnen. Bislang sehr luftig.
Nun denn, ich starte in ein windiges Restwochenende, arbeite an weiterer Heilung und Stärkung und habe meine Antennen aufgestellt – damit ich das Wunder auch spüre, wenn es sich ereignet 😉

Woche XII | Montag, 16.11.2015

Der Tag ist nicht mehr ganz taufrisch jetzt um 16:47, aber immerhin halte ich heute meinen Rhythmus einigermaßen ein. Der Start in die neue Woche fand nach einem Wochenende statt, an dem die Mädels, einen Tag sich selbst überlassen, kaum etwas anderes taten als am Bildschirm zu hocken. Sie gucken ihre Serien. Tanken dort etwas, was sie im analogen Hier und Jetzt nicht finden können. Kkumhada hatte sich für den Nachmittag zu Hausaufgaben verabredet, das brachte ihr ein bisschen Fahrradfahren an der frischen Luft ein, Oishi-Kawaii aber hat nur die paar Minuten draußen verbracht, die ich sie vor die Tür „geschoben“ habe, bevor ich zu den Kindern einer Freundin fuhr, mit denen ich an die fünf Stunden lang in einen Flow kommen sollte, der uns alle in Staunen versetzte… (Naja, für mich nichts Neues, aber immer wieder ein wundervolles Erlebnis.)
McFlitz hat noch von sich aus den Weg ins Freie gefunden, nach einer Woche mit vielen Freunden um sich herum genießt er das ungestörte Allein-Spielen in vollen Zügen. Es zieht ihn nirgendwohin am Wochenende. Wenn sein Freund zu uns kommt, spielt er gern mit ihm, aber selbst auf Freundesuche zu gehen, fällt diesem meinem Kind nicht ein.
Meine Oishi-Kawaii macht mir Sorgen, sie kommt immernoch nicht in eigenmotivierte Bewegung. Na gut, unter der Woche hat sie mehrmals 20 Minuten Fußweg an verkehrsarmer Landluft, und das Klarinettenspiel bewirkt Erwärmung und Beatmung ihres Körpers und ihrer Zellen, besser als gar nichts. Aber in ihr wohnt eine große Traurigkeit, aus den Jahren, in denen sie keine Freundin in der Nähe hatte. Zumindest ist das mein Gefühl. Ich muss an Kummer aus dem Film „Alles steht Kopf“ denken, wie sie am Boden liegt und sich von Freude am Bein ziehen lässt und so etwas sagt wie: „Ach das ist eigentlich auch ganz angenehm.“
Ich bin heute morgen dem Frust in die Falle gegangen. Frust über alles Mögliche, was gerade nicht gut klappt. Sorgen. Um meinen Start ins Geldverdienen. Sobald ich daran denke, verliere ich die Verbindung zu meiner Arbeit, meinen Themen. Die Verbindung zu allem, was gut ist. (Und meinen Kunden zur Zufriedenheit verhilft.) Ich denke nur noch daran, was alles gegen meine Arbeit spricht und sie madig macht und damit Grund zur Reklamation gibt. Und dass sie entweder zu teuer ist oder ich nicht davon leben kann… Ein ganzer Film kommt da ins Laufen.
Und dann habe ich auf Frau Birkenbihl gehört und minutenlang meine Mundwinkel in eine grinsende Stellung gebracht und entschieden, mir diese Sorgen später zu machen, wenn ich gerade nichts Besseres zu tun habe… Wenn die Muskeln dabei tatsächlich auf den Knopf zur Glückshormonproduktion drücken, kann ja nichts mehr schiefgehen. Jedenfalls konnte ich nicht gleichzeitig trübe Gedanken schieben und mich voll auf die ordnungsgemäße Ausführung der Übung konzentrieren. Ja, genauso geht es mir auch, wenn ich ein Lied übe oder mir eine Bastelidee für Kinder ausdenke – da habe ich keine Zeit für Trübsal. Jedenfalls bastele ich im Kopf an einem Vortragsprogramm, eine Mischung aus eigenen Texten und Liedern, die ich nun dochmal aus der Schublade freilassen könnte. Ich habe eine Freundin, deren Bilder ich dazu ausstellen möchte. Es kann ein anregend-berührendes Programm daraus werden. Und ich habe wirklich große Lust, mit Menschen ins Gespräch zu kommen über meine Themen, übers Schreiben und und und.
Ich weiß nur nicht, wie ich es angemessen und einladend in die Welt bringen kann, meistens sehe ich das als ein neues Erkundungsfeld an, nur heute Morgen, da kam es mir wie ein heilloses, undruchdringliches Dickicht vor, für mich kleines, nacktes, schwaches Wesen.

Woche VIII | Montag, 19.10.2015

Ja, ich geb’s zu, es ist noch Sonntag. Morgen früh habe ich nur keine Zeit, den Start in die Woche zu dokumentieren, so also dieses Mal mehr den Ausklang aus dem Wochenende und die Aussichten für den Wochenstart.
Beides: gut. Mehr müsste ich nicht sagen, wie meine großen Mädchen, wenn ich sie frage, wie es in der Schule war…
Dann kommen aber öfters doch Episoden zur Sprache, wenn ich nur hartnäckig genug nachbohre. (Spätestens bei Auftreten der Kopfschmerzen. Da Kkumhada keine hat, geht sie mir oft durch die Lappen. Sie lässt alles abprallen, irgendwie.) McFlitz plappert noch viel unbefangener aus der Schule als seine Schwestern in seinem Alter. Ihn hat die Sprachlosigkeit noch nicht ereilt. Naja, seine Schule paukt ihn ja auch nicht durch den Rahmenplan. Wenn er seinen Vortrag nicht halten möchte, muss er es auch nicht. Ohne Strafen oder Bewertung!!! Wir haben dadurch echt die Gelegenheit darüber zu sinnieren, wie schade es ist, dass nun die Anderen nichts über die Kartoffel erfahren konnten, und dass seine (halbherzigen) Vorbereitungen irgendwie umsonst waren. Und dass er beim nächsten Mal doch gleich aufrichtig sagen könnte, wenn ihm die Motivation fehlt, so dass ein besser anspornendes Thema gefunden werden kann… Es gibt da so viele Möglichkeiten, kreativ zu werden und Lösungen zu erdenken!
Kkumhada startet in eine Woche voller Tests und Klausuren. Sie nimmt es sportlich. Da sie nun die Zusage für ein Austauschjahr hat, das im Februar losgeht, fragt sie sich, ob ihr Aufwand denn dann überhaupt mitzählen wird, wenn sie in einem Jahr dann die zweite Hälfte ihres elften Schuljahres wieder aufnimmt, oder ob sie noch weiter zurückgesetzt den Faden wieder aufnimmt. Ich fragte, ob das Auswirkungen auf die Intensität ihrer derzeitigen Mitarbeit hätte. Ich meine, dass es so oder so eine Entscheidung ist, ob man Zeit absitzt und irgendwie rumkriegen will oder doch lieber lebendig teilnimmt.
Oishi-Kawaii nimmt Tests jetzt entschieden viel gelassener als ehedem. Einerseits habe ich ihr die Ignoranz und Arroganz vorgestellt, mit der sie den Prozeduren in der Schule unterworfen wird. Angeblich für ihr Wohl. Na, das haben wir ja erlebt. Dafür muss man keine Achtung oder Respekt haben. Auch nicht für die Leute (Erwachsene?!), die sich dem nicht entgegenstellen und die ganze Heuchelei aufdecken. (Vielleicht Mitleid, Verständnis. Aber kann man sie dann für so voll nehmen, wie sie das einfordern, und soll sie gleichzeitig schonen und Geduld mit ihnen haben?)
Andererseits ist sie im entspannten Zustand in der Lage, ohne viel zu üben ganz gute Ergebnisse zu erzielen, vorausgesetzt, sie hat im Unterricht nicht abgeschaltet. Das konnte sie inzwischen auch erleben und bekommt nun von dieser Seite Boden unter die Füße. Da sie ohnehin alles so intensiv wahrnimmt und schnell versteht, bleibt’s halt auch hängen. Nun scheint sie auch pauschale „Ansagen“ besser von sich fernhalten zu können, so dass sie etwas unbeirrbarer durch den Unterricht kommt.
Das Wochenende haben die Mädchen singend verbracht, im Jugendwaldheim mit dem Chor. Bei all dem Regen hatten sie lebendige Musik als Sonne für ihre Körperzellen…
McFlitz hat 2 Tage und Abende Lego gebaut, mit seinem Kumpel und allein, und heute abend war er immernoch nicht fertig. Die Schule kommt ihm da noch nicht so ganz gelegen. Nichtsdestotrotz – beim Einschlafen hat er mir erzählt, wie toll er sich fühlt als Drittklässler. Da kann man schon was. Ob das mit dem Vorlesen für die Ersties zusammenhängt?
Ich gehe morgen wieder hospitieren. Ich bin unglücklich, dass ich nicht so eindeutig vorfreudig auf die mögliche Arbeit an einer Schule schaue. Mein Problem: Zeugnis. Leistungsbewertung. Eine unüberwindliche Hürde, wenn ich schlechte Ergebnisse attestieren soll. Mal sehen, ich habe einen Gegenvorschlag erarbeitet. Vielleicht gibt es ja doch einen Weg. Und dann: in Ruhe und mit Freude und Kreativität Englisch erobern! Ja, das wär’s.

Woche III | Montag, 14.09.2015

Ich habe das Wochenende einmal mein schlechtes Gewissen ignoriert und getan, was mir wichtig ist. Das bedeutete zwar, dass ich kaum mit meiner Familie zusammen war, aber auch, dass ich ihnen mal nicht vorlebte, wie man sich ständig bremsen lässt und von seinen Werten abhalten, um andere Werte (übertrieben?) zu würdigen. Im Klartext: Die Fürsorge für meinen (auf mich etwas allergischen) Nachwuchs habe ich auf Nachfrage und Anregungen beschränkt. Allerdings nicht durchgehend, einmal habe ich vehement auf Inhalieren bestanden, als ein „Willabernicht“ die Oberhand gewann über meine schniefende und hustende Tochter, die hier unter dem japanischen Lecker-Süß firmiert, Oishi-Kawaii. Ich habe „Willabernicht“ und „Magaber“ zu inakzeptablen Gesprächspartnern erklärt, und immer wenn sie zum Vorschein kommen, breche ich die Erörterung ab, die dann ohnehin gar nicht mehr möglich ist. Das hatte ich vor einiger Zeit noch nicht so erkannt und mich aufgeregt oder auf einen sinnlosen Kampf eingelassen. Aber ich bin noch selbständig erkenntnisfähig und konnte das jetzt also durchschauen. Seit ich hierin Klarheit habe, geht es uns allen besser. Ach ja, die Kinder hatten ihren Papa zur übrigen Versorgung zur Verfügung. Die Verwahrlosung blieb also in Grenzen (nehme ich an ;)).

Ich kann daher gar nicht viel über das Wohlergehen der Kinder berichten, mir stellt sich die Lage nach wie vor ungesund dar, meine Oishi-Kawaii werde ich heute zu Hause haben, bei McFlitz überlegte ich, ob ich ihn überhaupt in seine Läuse-heimgesuchte Schule schicke. Diese Massen-Haltung der Kinder in Schulen und Klassen ist vielleicht auch ein Thema für Kinderschutz. Wobei McFlitz nur 17 weitere Lernbeauftragte neben sich hat. Das Immunsystem bekommt hier jedenfalls auch seine Hausaufgaben. Mich nervt dabei, dass ich verpflichtet bin, über seine Abwesenheit Rechenschaft abzulegen, wegen des Anwesenheitszwangs und der Schulpflicht. Das hat nichts mit Verantwortlichkeit zu tun, das ist Vorschrift und Gehorsamsforderung. Dazu der ewig währende Wettbewerb und Leistungsdruck, der unweigerlich aufkommt, wenn im Gleichschritt gelernt werden soll.

Meine Große, ihr Name hier sei Kkumhada (koreanisch für Träumen), „krankt“ nicht körperlich, zeigt mir für ihr Teil nur „die kalte Schulter“. Das sei ihr zugestanden, denn ich denke, sie tut es aus Selbstverteidigung. Ich bin nicht immer eine Kuschelmama geblieben und wir stecken nun wohl wieder in einer Art Geburt, als was ich die Pubertät geneigt bin zu betrachten. Es könnte schlimmer sein, es könnte Gift und Galle geben oder gar tätliche Auseinander-Setzungen. Glücklicherweise bleibt es bei uns ganz gemäßigt bei friedlichem Aushandeln. Ich halte in diesem Zirkus die ellenlangen Vorträge und tanze durchaus auch einmal wie Rumpelstilzchen…

Ich war also Samstag und Sonntag Gutes Beispiel dafür, sich nicht vom Wahren, Guten und Schönen abhalten zu lassen und unterstützte ehrenamtlich mein Lieblingsprojekt: einen Ort, an dem Kulturaustausch und Achtsamkeit gepflegt werden, wo Menschen wirken, die mithilfe von Kunst und Literatur Raum zum Nachdenken und -empfinden geben. Mit denen ich auf eine Weise zuammenarbeiten kann wie sie mir heilsamer nicht denkbar ist. (Nun müsste man nur noch davon leben können!) (Und das wäre gar nicht teuer, nur Essen, Trinken, Kleidung, Obdach, Heizung, Mobilität. Was braucht man da schon, wenn man glücklich ist?) Wie ich mit Freude zu ungeahnter Höchstform auflaufen kann! Was ich da alles schaffe! Und wie lebensfroh ich noch bin, während mir vor Müdigkeit die Augen zu fallen! (Oh Mann! Wie blockieren wir die Lebenskräfte mit unserer Alltagskultur! Und wie kaputt sind wir am Ende des Tages, anstatt rechtschaffen müde mit einem breiten Grinsen im Gesicht einzuschlafen.)

Ich werde als nächstes mein Gehorsamsproblem angehen und mich davon emanzipieren. Oder einfach heilen. Ich hoffe, ich lerne Vorschläge zu machen, die annehmbar sind (meine Kinder sind da die Jury), und das zudem auf eine Art und Weise, die annehmbar ist. Ja, das ist wohl manchmal der eigentlich springende Punkt. Vielleicht finden sich dann hier vor Ort auch mehr Mitstreiter*innen für die Verbesserung des Schullebens? Irgendwie strahle ich wohl etwas Zwanghaftes aus, was wenig einladend wirkt. Es kann also noch besser werden, und ich bin neugierig auf das Kommende!

Ich bin dankbar für dieses Wochenende, es war angefüllt mit Lachen und Heiterkeit und randvoll mit emsiger Arbeit neben wohliger stiller Besinnung. Ich habe gesungen und Tee getrunken.